Konjunktur

Lage der Industrie in der Euro-Zone ist "miserabel"

Die Geschäfte der Industrie gehen zurück wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Stellenabbau ist in vollem Gange, außer in Deutschland und Österreich.

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Die Konjunktur in Europa bremst hart ab. Die Geschäfte der Industrie in der Euro-Zone sind im November so stark geschrumpft wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex sank um 0,7 auf 46,4 Zähler, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter 3000 Unternehmen mit.

Mit dem vierten Rückgang in Folge fiel das Barometer auf den niedrigsten Stand seit Juli 2009. Die Lage sei "miserabel", sagte Markit-Ökonom Ron Dobson.

Die Talfahrt beschleunigte sich in allen Ländern - mit Ausnahme Italiens und Griechenlands, die jedoch weiter die Schlusslichter bilden. "Dass die Produktion erstmals seit Mitte 2009 in allen von der Umfrage erfassten Ländern zurückgefahren wurde zeigt, dass die Schwäche von den Peripherie-Ländern endgültig auf die Kernländer übergesprungen ist."

Die Unternehmen beklagten einen Rückgang der Binnen- und Exportnachfrage. Verantwortlich dafür seien die düsteren weltweiten Konjunkturperspektiven und die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Auch die Auftragsbestände nahmen erneut zügig ab. Mit Ausnahme von Deutschland und Österreich wurden überall Stellen abgebaut.

„Am schlimmsten hat es die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern erwischt, während im Konsumgüterbereich die nachlassenden Exportbestellungen von der verstärkten Binnennachfrage überkompensiert wurden“, sagte Markit-Experte Tim Moore. Allerdings geht es längst nicht allen Unternehmen schlecht: So rechnet Siemens dank guter Auftragslage mit anhaltendem Umsatzwachstum. Wegen prall gefüllter Orderbücher seien sowohl in dem Anfang Oktober begonnenen als auch im kommenden Geschäftsjahr 2012/13 höhere Erlöse zu erwarten, erklärte der Münchener Technologiekonzern.

In den fünf wirtschaftlich bedeutendsten Euro-Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden sank die Kostenbelastung der Unternehmen.

Der Grund: billigere Rohstoffe. Die Verkaufspreise wurden nur noch gering angehoben. Das spricht für einen nachlassende Inflation, die der Europäischen Zentralbank (EZB) Spielraum für Zinssenkungen eröffnet. Einige Experten erwarten, dass sie ihren Leitzins bereits kommende Woche senkt - von 1,25 auf 1,0 Prozent. Billiges Geld kann die Wirtschaft anschieben.

Auch in China ging die Produktion erstmals seit Anfang 2009 zurück . Gründe für die nachlassende Nachfrage waren weniger Aufträge aus dem Ausland und eine schwächere Inlandswirtschaft. Wie die chinesische Vereinigung für Logistik und Einkauf mitteilte, fiel der monatliche Einkaufsmanager-Index mehr als erwartet um 1,4 Prozentpunkte auf 49 und damit unter die 50er-Marke, die für Wachstum steht. Die Schuldenkrise in Europa und die schwächelnde US-Wirtschaft haben sich negativ auf den chinesischen Export ausgewirkt.

Die Lage ist ernster als 2008

Die Regierung in Peking ist in Sorge, dass die Schuldenkrise in Europa noch stärkere Bremsspuren hinterlassen wird. „Die aktuelle Krise ist in gewisser Weise ernster und herausfordernder als die internationale Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers“, sagte Finanzstaatssekretär Zhu Guangyao. Damals hätten die Regierungen und die Geldpolitik noch schlimmeres verhindern können. „Doch jetzt, um ehrlich zu sein, befinden sich einige Staaten in einer sehr ernsten Haushaltslage – und es gibt nur einen begrenzten Spielraum für die Anpassung der Geldpolitik.“

Chinas Zentralbank hat ihn allerdings noch. Erst am Mittwoch lockerte sie überraschend die Mindestreserve-Anforderungen der Banken – zum ersten Mal seit drei Jahren. Die Notenbank senkte die Mindestreserve-Quote für die größten Institute auf 21 Prozent von 21,5 Prozent. Sie ermöglicht den Banken damit eine Ausweitung der Kreditvergabe, weil sie weniger Geld bei der Zentralbank parken müssen. Experten rechnen damit, dass sie weitere Maßnahmen einleiten wird – darunter auch Zinssenkungen.