Kosmetik

Nivea-Hersteller Beiersdorf streicht 1000 Jobs

Der Kosmetikkonzern zieht Konsequenzen aus dem schleppendem Absatz. Aber Deutschland ist mit rund 230 Stellen noch am geringsten betroffen.

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Eigentlich sollte die entscheidende Aufsichtsratssitzung bei Beiersdorf erst am 14. Dezember stattfinden. Doch dann erschien es den Mehrheitsgesellschaftern Michael und Wolfgang Herz doch zu kaltherzig, die Mitarbeiter so kurz vor Weihnachten mit harten Entscheidungen zu konfrontieren. Daher wurde die Sitzung auf den 30. November verlegt.

An den Beschlüssen ändert das nichts: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wird der Nivea-Hersteller in Deutschland und hier vor allem am Konzernsitz in Hamburg Stellen abbauen. Doch während die Absatzkrise der Marke Nivea dort 230 Jobs kosten soll, werden es im Ausland deutlich mehr sein. Insgesamt nennt Beiersdorf eine Reduzierung um rund 1000 Stellen. Das Sparprogramm mit dem Namen „Fokus“ wird damit noch vom Vorstandsvorsitzenden Thomas-Bernd Quaas beschlossen – kurz bevor der neue Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich im Frühjahr sein Amt antreten wird.

Stärker betroffen als Deutschland sind Länder in Südeuropa: So sollen Portugal, Spanien und Italien ihre Vertriebsaktivitäten zusammenlegen. Die neu gegründete Vertriebsregion soll dann von Mailand aus geleitet werden. Beiersdorf will sich dabei stark an der Landesgesellschaft in Großbritannien orientieren: Nach Jahren des Umsatzrückgangs hatte Beiersdorf-UK das Sortiment gestrafft, die Verwaltung verringert und in Birmingham konzentriert. Nachdem die Wende im vergangenen Jahr geschafft war, stieg Landeschef Ralph Gusko prompt in den Konzernvorstand in Hamburg auf. Nun soll er das Modell auf andere Länder übertragen.

Am härtesten trifft der Abbau allerdings die Geschäfte von Beiersdorf in China: Dort verlieren nach Informationen von „Morgenpost Online“ aus dem Unternehmen mehrere tausend Beschäftigte ihre Anstellung bei der Tochterfirma C-Bons. Sie werden zum Teil in Servicegesellschaften ausgelagert. Offizielle Zahlen dazu nennt der Konzern nicht.

Das Programm „Fokus“ ist schon der zweite Versuch, das einst so erfolgreiche Nivea-Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Im ersten Schritt wurden Werke in Europa und Übersee dichtgemacht und Regionen zusammengelegt. Jetzt sind auch die Bereiche Vertrieb und Marketing dran. Weltweit beschäftigt Beiersdorf 18.000 Mitarbeiter.

Zuletzt hatte Konzernchef Quaas enttäuschende Zwischenergebnisse mitteilen müssen: Bei Beiersdorf stagniert der Umsatz, lediglich die Tochter Tesa wächst noch merklich, dagegen verliert das klassische Nivea-Geschäft in Westeuropa und auch in Deutschland an Absatz. Auch die Ergebnisse sind in vergangenen Geschäftsquartalen gesunken.

Dennoch versprach Firmenchef Quaas, die Umsatzrendite vor Steuern auf zehn bis elf Prozent im Geschäftsjahr 2011 zu halten. Als Reaktion auf die Absatzprobleme hat Beiersdorf rund ein Viertel aller Produkte aus dem Sortiment genommen. Aus dem Geschäft mit Make-up ist der Nivea-Hersteller komplett ausgestiegen. Haarpflege gilt nicht mehr als zukünftiger Schwerpunkt – der soll ausschließlich die Körperpflege sein.

Nun soll das zweite Sanierungsprogramm die Zahlen aufbessern: 2012 sollen Kosten von 25 Mio. Euro, ein Jahr später von 75 Mio. Euro und ab 2014 von 90 Mio. Euro eingespart werden. Dem steht ein Aufwand für Umstrukturierung und Personalabbau gegenüber, auch ist eine weitere Abschreibung auf das China-Geschäft von 140 Mio. Euro nötig. Dort hat die zugekaufte Haarpflege-Firma C-Bons statt des erhofften Marktausbaus nur Verluste eingebracht.

Insgesamt rechnet der Vorstand mit einer einmaligen Belastung von 265 Mio. Euro. Diese Summe wird Beiersdorf zum Großteil noch im Geschäftsjahr 2011 verbuchen, was wiederum den Jahresgewinn einbrechen lassen dürfte. Ob es in Deutschland zu Kündigungen kommt, ist noch offen. Für die betroffenen Mitarbeiter wolle der Konzern „wirtschaftliche Nachteile möglichst ausgleichen und ihnen berufliche Perspektiven bieten“, hieß es im Konzern.