Liquiditätsprogramm

Zentralbanken wollen Märkte wieder flüssig machen

Die großen Zentralbanken haben ein weiteres gemeinsames Programm zur Stützung der Finanzmärkte aufgelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Zentralbanken von Kanada, den USA, Japan, der Schweiz und Großbritannien einigten sich darauf, den Märkten mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

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Aus Enttäuschung über die Egebnisse des Treffens der Euro-Finanzminister haben sich weitere Anleger aus den europäischen Aktienmärkten zurückgezogen

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Weltweit abgestimmt haben wichtige Zentralbanken in der Euro-Schuldenkrise für eine Atempause gesorgt. Notenbanken wie die Federal Reserve in den USA und die EZB in Europa erleichtern Währungsgeschäfte untereinander, um Finanzierungsengpässe bei Banken und damit auch bei Unternehmen zu verhindern. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mit.

Die psychologisch wichtige Maßnahme – eine Art Zeichen internationaler Solidarität in der Krise – beflügelte die Börsen. Der deutsche Leitindex Dax übersprang die Marke von 6000 Punkten und legte zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent zu. Auch die Wall Street in New York sah deutlich steigende Kurse.

Beteiligt waren neben der EZB und der Fed auch die Zentralbanken Japans, Großbritanniens, Kanadas und der Schweiz. Ziel sei es, dem weltweiten Finanzsystem mehr flüssige Mittel zur Verfügung zu stellen und damit Spannungen an den Märkten abzubauen, hieß es bei der EZB.

Bei den sogenannten Dollar-Tauschgeschäften geht es darum, anderen Notenbanken Finanzmittel in US-Dollar bereitzustellen. Am Mittwoch senkten die beteiligten Zentralbanken die Zinsen für solche Geschäfte - damit wird es zum Beispiel für europäische Banken leichter, an Dollar zu kommen.

„Letztlich ist es eine Hilfe für das europäische Bankensystem“, sagte der Volkswirt Klaus Adam von der Universität Mannheim der dpa. Die Banken hätten in der letzten Zeit Schwierigkeiten gehabt, sich in Dollar zu refinanzieren, weil ihre in Euro laufenden Wertpapiere von der Gegenseite zunehmend nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert worden seien. Die Amerikaner versprechen sich nach Adams Einschätzung eine Stabilisierung der europäischen Banken.

Auch Tauschgeschäfte („Swaps“) in anderen Währungen sollen – wie die Dollar-Vereinbarung – bis 2013 möglich sein, allerdings seien Engpässe derzeit nur mit Blick auf die US-Währung abzusehen, hieß es bei der EZB.

Zuvor hatte es bereits Spekulation über eine aktivere Rolle der EZB in der Schuldenkrise gegeben. Eine Ankündigung, unbegrenzt Staatspapiere von Euro-Krisenländern aufzukaufen, gilt als schärfste Waffe der Notenbank, ist aber im EZB-Rat bisher nicht mehrheitsfähig und wird unter anderem von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann strikt abgelehnt. Volkswirte sind bei dem Thema uneins.

Die EZB kauft seit Monaten Staatsanleihen von Krisenländern in überschaubarem Umfang auf, um die Kurse zu stürzen. Kritiker befürchten, dass eine massive Ausweitung dieses Programms mittelfristig die Inflation anheizen würde. Hauptaufgabe der EZB ist die Preisstabilität, allerdings unterstützt sie laut den EU-Verträgen auch „die allgemeine Wirtschaftspolitik“ in der Union. Unmittelbare Ankäufe von Staatsanleihen, zum Beispiel bei Neuemissionen, sind ihr jedoch untersagt.

FDP-Chef Rainer Brüderle forderte ein Ende der Käufe. „Die EZB muss raus aus diesem Geschäft“, sagte Brüderle am Mittwoch in Berlin. „Man kann es rechtfertigen, solange es kein anderes Instrument gab, dass man in Notsituationen auch handeln muss.“ Dieses Instrument sei nun aber mit dem Rettungsfonds EFSF gegeben. „Die Notenbank muss sich zurücknehmen. Alles andere halte ich für nicht vertretbar.“