Protest gegen Rentenpläne

Millionen streikende Briten wollen Insel lahmlegen

Drei von vier Schulen bleiben geschlossen, Ärzte und Grenzschützer arbeiten nicht: Großbritannien erlebt den größten Streik seit 30 Jahren.

Britische Staatsbedienstete haben mit dem größten Streik in Großbritannien seit 30 Jahren gegen die geplante Rentenreform der Regierung protestiert. Lehrer, Krankenhausbedienstete und Grenzschützer legten ihre Arbeit nieder und erhöhten damit den Druck auf die rechtsliberale Regierung von Premierminister David Cameron.

Die Pläne der Regierung sehen höhere Rentenbeiträge vor. Außerdem müssen die Beschäftigten vor einem Renteneintritt künftig länger arbeiten. Die großangelegten Streiks dagegen werden nach Ansicht des britischen Schatzkanzlers George Osborne jedoch nichts bringen, weil einfach kein zusätzliches Geld zu verteilen sei.

„Dieses Land muss einige harte Maßnahmen treffen, um mit seinen Schulden fertig zu werden “, sagte Osborne. Daher seien die Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst unverzichtbar. Er forderte die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Am frühen Morgen hielten sich die Einschränkungen durch die Streiks an den Flughäfen zunächst in Grenzen. An Europas größtem Flughafen London Heathrow, an dem das Personal an den Passkontrollen streikte, waren einem Bericht des Senders BBC zufolge rund zwei Drittel der Schalter besetzt. Einige Fluggesellschaften hätten sich zudem vorbereitet und Maschinen nicht völlig ausgelastet.

Die Regierung holte zudem Botschaftspersonal aus anderen Ländern zurück, um bei den Kontrollen auszuhelfen. Insgesamt werde über den Tag mit 20.000 Passagieren weniger gerechnet. Für Millionen Kinder fiel die Schule aus. Ersten Zahlen der Regierung zufolge sollen fast drei von vier Schulen von den Streiks betroffen sein.

Allein in England könnten laut Bildungsministerium rund 58 Prozent aller Staatsschulen in England geschlossen bleiben.Die Gewerkschaften argumentieren, dass die Rentenpläne der Regierung für die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes nicht zumutbar seien: So müssten viele länger arbeiten als bisher geplant, mehr in die Pensionskasse einzahlen und würden am Ende trotzdem weniger herausbekommen.

Osborne hatte weitere harte Jahre mit geringem Wirtschaftswachstum für Großbritannien angekündigt. Im laufenden Haushaltsjahr 2011/2012 müssten zudem 127 Milliarden Pfund (149 Milliarden Euro) neue Schulden aufgenommen werden.