Eurohypo Zukunft

Commerzbank-Tochter bleibt Kern des Übels

Die Commerzbank hat mit ihrer Tochter Eurohypo ein gewaltiges Problem im Haus. Selbst eine Trennung mit Gewinn bring Bank-Chef Blessing in neue Gefahr.

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Als die EU-Kommission dereinst ihre Auflagen für die Staatshilfen an die Commerzbank bekannt gab, machte sich in der Branche Gelächter breit. Denn die von Brüssel geforderte Trennung von der Eurohypo wäre kein Opfer, sondern ein Segen. Seit die Verluste aus dem Kapitalmarktgeschäft der Dresdner Bank weitgehend verarbeitet sind, ist die Tochter für Immobilien- und Staatsfinanzierung das Kernproblem der Commerzbank. Sowohl bei Immobilienkrediten als auch bei Staatsanleihen liefen immer wieder erhebliche Quartalsverluste auf, und ein Ende ist angesichts der Euro-Krise nicht absehbar.

Wie paradox wäre es da, wenn der Staat nun der Commerzbank auch noch helfen müsste, diese Auflage zu erfüllen, die ja gerade eine Kompensation für bereits erhaltene Hilfen sein sollte. Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand ist eine kurzfristige Trennung von der Eurohypo allerdings in der Tat undenkbar, denn in der Privatwirtschaft würde derzeit niemand dieses problembehaftete Institut auch nur mit der Kneifzange anfassen.

Zeitdruck aber besteht: Die EU hat der Commerzbank zwar für den Eurohypo-Verkauf bis 2014 Zeit gegeben, doch deren Staatsanleihen-Bestand belastet den Konzern nun im Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA. Da käme Vorstandschef Martin Blessing eine schnelle Abspaltung nur gelegen.

Das abschreckende Beispiel der Hypo Real Estate

Sein Versprechen, keine Hilfe des Steuerzahlers mehr in Anspruch nehmen zu wollen, würde er damit brechen. Denn selbst wenn dabei kein Staatsgeld direkt an die Commerzbank fließt, bleibt es eine Stütze. Zumal der Bund mit einer solchen Bad-Bank-Lösung sogar schlechter fahren könnte als mit einer direkten Kapitalspritze. Als abschreckendes Beispiel kann die Hypo Real Estate gelten: Die dünne Eigenkapitaldecke, die die marode Bank in die Abwicklungsanstalt FMSW eingebracht hat, ist dort praktisch bereits aufgezehrt, alle weiteren Verluste schlagen künftig direkt auf den Bundeshaushalt durch.

Die Bundesregierung wird daher genau prüfen, zu welchen Konditionen sie den Müllschlucker für die Commerzbank spielt. Es ist richtig, dass der Bund eine Verantwortung für die Finanzstabilität trägt. Man kann es womöglich auch noch rechtfertigen, dass der Staat die Belastungen ausgleicht, die durch umstrittene Stresstests künstlich geschaffen werde.

Es kann aber nicht angehen, dass der Steuerzahler zum Ausputzer für letztlich misslungene Übernahmen der Commerzbank wird, die sich mit der Eurohypo und der Dresdner Bank binnen weniger Jahre zwei große Problemfälle ins Haus geholt hatte. Bislang war es bei der Stabilisierung der Commerzbank vergleichsweise gut gelungen, die Hauptlast den privaten Aktionären aufzubürden – das sollte auch so bleiben.