Schuldenkrise

IWF soll Italien mit 600 Milliarden unterstützen

Nach Medienberichten bekommt Italien einen günstigen Überbrückungskredit vom IWF. Die EZB trete dabei nicht direkt in Erscheinung, was deutsche Bedenken zerstreue.

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Italienischen Medienberichten zufolge will der Internationale Währungsfonds (IWF) dem hoch verschuldeten Eurokrisenland Italien mit einem Milliarden-Programm unter die Arme greifen.

Wie die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ mit Bezug auf informierte Kreise in Washington berichtete, könnte der IWF Rom mit einem Volumen von bis zu 600 Milliarden Euro unterstützen, um die neue Regierung von Mario Monti bei der Durchsetzung der notwendigen Reformen mit einer stabileren Finanzlage zu entlasten.

Die Kredite eines solchen „Programm Italien“ könnten mit einer Laufzeit von zwölf bis 18 Monaten vergeben werden, so das Blatt. Das Geld dazu könnte auch aus der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen, hieß es.

Mit Zinsen zwischen vier und sechs Prozent sollten sie wesentlich günstiger sein als derzeitige Zwei- und Fünfjahresanleihen mit Zinssätzen von mehr als sieben Prozent.

EZB springt IWF bei

Dem Bericht zufolge könnte der IWF jedoch nicht in der Lage sein, die Hilfskredite aus seinen aktuellen Mitteln zu bewältigen, weshalb verschiedene Möglichkeiten zur Finanzierung geprüft würden. Demnach sind beispielsweise Zahlungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Gespräch, für die der IWF garantieren könnte. Mit einer Unterstellung der EZB-Hilfen unter die Kontrolle des IWF solle auch Deutschland beruhigt werden, das eine stärkere Einbindung der EZB in die Eurorettung ablehnt und auf eine möglichst große Unabhängigkeit der Notenbank dringt, zitierte die Zeitung einen IWF-Vertreter.

Europäische Union und EZB hatten kürzlich bereits Experten zur Prüfung der italienischen Staatsfinanzen nach Rom entsandt. Auch der IWF will eigene Prüfer schicken. Auf Italien lasten Schulden in Höhe von rund 1,9 Billionen Euro.

Zudem leidet das Land derzeit unter einem schwachen Wirtschaftswachstum. Dies ließ an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen die Sorge aufkommen, dass Italien ebenso wie bereits Griechenland, Irland und Portugal Finanzhilfen brauchen könnte. Der neue Ministerpräsident Mario Monti steht unter starken Spardruck, um Versäumnisse seines zurückgetretenen Vorgängers Silvio Berlusconi aufzuholen.

Monti will Medienberichten zufolge am kommenden 5. Dezember mit Beratungen über erste Maßnahmen gegen den Krisenstrudel beginnen. Das erste Reformpaket solle zwischen dem EU-Gipfel am 9. Dezember und Weihnachten verabschiedet werden, hatte Monti angekündigt. Wieder eingeführt werden könnte dabei unter anderem eine kommunale Immobiliensteuer, heißt es in Rom.

Bei einem Gipfel mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Monti am Donnerstag Italiens Ziel bekräftigt, bis 2013 einen ausgeglichenen Etat vorzulegen.