Euro-Krise

Trichet sieht westliches Finanzsystem in Gefahr

EZB-Chef Trichet spricht von der schlimmsten Krise seit 66 Jahren und warnt vor der Pleite Griechenlands. Auch die Erweiterung des Rettungsschirms wackelt noch.

Foto: Reto Klar

Mit drastischen Worten hat der scheidende Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, vor den Folgen der aktuellen Krise gewarnt. Sie stelle "die gesamte Wirtschafts- und Finanzstrategie aller entwickelten Volkswirtschaften infrage", sagte Trichet im Interview mit Morgenpost Online . Man befinde sich "seit vier Jahren in der schlimmsten globalen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg". Er kritisierte, dass die Regierungen bei der Bewältigung "sehr stark von einer Innensicht geleitet" würden, was ein "echtes Problem darstellt".

Der EZB-Präsident sprach sich gegen eine Umschuldung Griechenlands aus. Die Zentralbank habe schon früher deutlich gemacht, dass "ein Kreditereignis zu vermeiden ist". "An dieser Position hat sich nichts geändert", betonte Trichet. Er reagierte damit auf die zunehmende Diskussion innerhalb der EU über einen Schuldenschnitt in Griechenland.

Die so genannte Troika machte indes den Weg frei für die Zahlung der nächsten Kredittranche an Athen. Die Experten von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB gaben am Dienstag zum Abschluss ihres Besuchs in dem Land eine positive Empfehlung ab. Damit gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Athen die Zahlung in Höhe von acht Milliarden Euro Anfang November erhält und bis auf weiteres von der Pleite bewahrt wird. Über eine endgültige Freigabe entscheiden die Euro-Finanzminister und der IWF.

Bei der Erweiterung des Euro-Rettungsschirms droht eine Blockade der Slowakei . Das Land muss als letztes der 17 Euro-Staaten noch zustimmen. Es wurde mit dem Scheitern einer Abstimmung im Parlament gerechnet. Nachdem der Koalitionspartner SaS Premierministerin Iveta Radicova die Gefolgschaft verweigern wollte, kündigte auch die sozialdemokratische Opposition an, die EFSF-Ausweitung nicht zu unterstützen. Die Parlamentssitzung wurde kurz nach Beginn gleich wieder unterbrochen. Radicova hatte die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verknüpft.

Fällt die EFSF-Erweiterung bei der Abstimmung durch, droht der slowakischen Regierung das Aus. Der Euro-Rettungsschirm könnte in einem zweiten Anlauf trotzdem vom Parlament beschlossen werden. Der sozialdemokratische Oppositionsführer hatte schon früher seine Zustimmung zur EFSF-Erweiterung mit einem Rücktritt der Regierung verknüpft.