Lebensmittelmesse

Stopfleber taucht anonym bei der Anuga auf

Die Kölner Anuga hat Stopfleber aus ihrem Sortiment gestrichen. Doch ausgestellt wird das strittige Produkt trotzdem – unter anderen Namen.

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Christophe Jakubowski ist noch immer aufgebracht. "Was wir machen, ist legal", zürnt der Verkaufsdirektor des französischen Geflügelhalters Feyel-Artzner. Trotzdem war lange Zeit nicht klar, ob sein Unternehmen auf die weltgrößte Lebensmittelmesse Anuga in Köln kommen darf. Denn Feyel verkauft vornehmlich Foie Gras, also Stopfleberprodukte.

Und die hat Veranstalter Kölnmesse kurzerhand aus dem Warenverzeichnis der führenden Branchenschau für die Ernährungsindustrie gestrichen. Erst nach Gesprächen auf höchster politischer Ebene zwischen Deutschland und Frankreich gab es doch noch grünes Licht für die Foie Gras – allerdings anonym deklariert als Geflügelprodukt.

Und so finden sich in den Anuga-Hallen Feyel wie auch weitere 19 Unternehmen, die Stopfleberprodukte in ihrem Portfolio haben. Mit der Kompromisslösung dürfte die Kölnmesse handelsrechtliche Konsequenzen seitens der Europäischen Union vermeiden wollen.

Denn auch wenn die Produktion von Foie Gras in Deutschland wie in den meisten anderen EU-Staaten verboten ist, in Frankreich ist das Mästen mit Hilfe eingeführter Stopftrichter zulässig. Angesichts des freien EU-Binnenmarkts muss der Import und Verkauf von Gänse- oder Entenstopfleber daher auch hierzulande zugelassen werden. "Freiheit ist Freiheit", sagt Jakubowski.

Roland Tonarelli, der Generaldirektor des französischen Geflügelhalters Ernest Soulard, pflichtet ihm bei. Die Anuga sei eine internationale Messe. Dort gehe es nicht um deutsche, sondern um internationale Käufer. "Soll der Kunde doch entscheiden", fordert er. Und diese Entscheidung scheint eindeutig. Bei Feyel-Artzner jedenfalls ist von guten Geschäften auf der Messe die Rede. Zudem wurden im vergangenen Jahr offiziellen Zahlen zufolge immerhin 20.000 Tonnen der Delikatesse allein in Frankreich produziert.

Der grösste Teil davon verbleibt auf dem Heimatmarkt, Deutschland allerdings gehört neben Spanien, Belgien und Grossbritannien zu den wichtigsten Exportzielen. Tierschützer hingegen sind empört. "Die Anuga hat ihr Wort nicht gehalten. Die Veranstalter sind unter dem Druck der Stopfleberindustrie eingeknickt", schimpft Daniela Giesen von der Organisation Vier Pfoten.