Elektronikhändler

Machtkampf bei Media-Saturn geht weiter

Im Streit um die Führung von Europas größtem Elektronikhändler Media-Saturn ist es dem Handelskonzern Metro am Dienstag vor Gericht nicht gelungen, das Vetorecht von Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals außer Kraft zu setzen.

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Der Streit um die Führung von Europas größtem Elektronikhändler Media-Saturn schwelt weiter. Dem Handelskonzern Metro gelang es vor dem Landgericht Ingolstadt nicht, das Vetorecht von Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals komplett auszuhebeln.

Der scheidende Metro-Chef Eckhard Cordes geht nun dennoch von schnelleren Entscheidungen bei den im Frühjahr schwächelnden Elektronikketten aus. Media-Saturn ist die zweitwichtigste Gewinnquelle des Düsseldorfer Konzerns nach den Metro-Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende. Mit der Eröffnung eigener Shops will Media-Saturn im Internet aufholen.

Beide Seiten zeigten sich nach dem Spruch der Richter am Dienstag zwar zufrieden, kündigten aber an, Rechtsmittel zu prüfen. Damit könnte der Streit in die nächste Instanz gehen.

Aktionärsschützer mahnten eine Einigung an. „Das ist kein Dauerzustand, dass man immer vor Gericht geht, ob vor ein Schiedsgericht oder wo auch immer“, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher. Man sollte sich einigen oder eine der beiden Parteien sollte den Gesellschafterkreis verlassen.

Der wegen der Bedeutung für Metro extra nach Ingolstadt gereiste Cordes sagte: „Ich bin mit dem Ausgang des Urteils heute – soweit ich es als Nichtjurist beurteilen kann – sehr zufrieden.“ Der Richter habe festgestellt, dass die Einrichtung eines Beirates rechtswirksam sei. Der Beirat könne in der Regel mit einfacher Mehrheit abstimmen.

Es sei denn, es handele sich um Dinge, die per Satzung oder Gesetz in die Gesellschafterversammlung von Media-Saturn müssten. Man brauche also nur für einige wenige Tatbestände eine Mehrheit von 80 Prozent. Die Metro habe einen Teilerfolg errungen und den Streit überwiegend für sich entschieden, sagte ihr prominenter Anwalt Peter Gauweiler.

Auch die Anwälte von Kellerhals reklamierten einen Erfolg: „Das Gericht hat klar entschieden. Die Deutung der Metro verwundert hier etwas.“ Das Gericht habe die Minderheitenrechte von Kellerhals bestätigt. Seine Anwälte gehen davon aus, dass für alle Beschlüsse, die in der Gesellschafterversammlung von Media-Saturn mit 80-Prozent-Mehrheit beschlossen werden müssen, auch im Beirat diese Hürde gilt. Über welche Fragen der Beirat entscheiden wird, müsse im Streitfall wiederum von einem Schiedsgericht entschieden werden.

Metro hält zwar gut 75 Prozent an Media Markt und Saturn, muss aber Rücksicht auf Kellerhals und den Media-Markt-Mitgründer Leopold Stiefel nehmen. Kellerhals und Stiefel halten 21,6 und 3 Prozent. Entscheidungen müssen in Gesellschafterversammlungen mit einer Mehrheit von mehr als 80 Prozent getroffen werden.

Das verschafft der Minderheit faktisch eine Sperrminorität. Mit der Gründung eines Beirates wollte Cordes die Entscheidungen beschleunigen. Beim Aufbau des Onlinegeschäftes und der Auslandsexpansion drückt er aufs Tempo.