Handelskonzern

Metro-Chef Cordes bleibt ein Kämpfer auf Abruf

Trotz Vertragsverlängerung sehen viele Eckhard Cordes als Wackelkandidaten im Chefbüro. Vor allem Ex-Partner Kellerhals macht ihm zu schaffen.

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Er ist der Chef des größten deutschen Handelskonzerns und derzeit einer der größten Kämpfer in der deutschen Wirtschaft: Eckhard Cordes. Vor allem kämpft der 61-jährige frühere Mercedes-Boss für einen neuen Vertrag als Vorstandsvorsitzender bei seinem Arbeitgeber Metro. Und gegen Erich Kellerhals, den Minderheitsgesellschafter der Metro-Beteiligung Media-Saturn.

Dessen Vetorechte will Cordes kappen und somit stärkeren Einfluss auf das Geschäft von Europas größtem Elektronikhändler bekommen. Doch der 71-jährige Kellerhals wehrt sich heftig. Am Dienstag treffen sich die streitenden Parteien wegen dieses Machtkampfes vor Gericht. Und dabei sieht es nicht gut aus für Cordes. Der Richter schien in diesem beispiellosen Wirtschaftszank bisher stets eher auf Kellerhals’ Seite.

Deutschland-Geschäft schwächelt

Eine Klatsche vor der ersten Kammer für Handelssachen des Landgerichts Ingolstadt fiele in eine Zeit, in der Cordes ohnehin angezählt ist. Seinen Ankündigungen über den Verkauf der Kaufhof-Häuser und der Verbrauchermarktkette Real folgten bisher keine Taten. Das schwächelnde Deutschlandgeschäft der wichtigen Großhandelssparte Cash&Carry ist nicht wirklich genesen.

Und die stete Abwärtsentwicklung des Börsenkurses sorgt für Nervosität bei den Aktionären, vor allem bei der Familie Haniel, die mit ihrem Firmenchef Jürgen Kluge den Aufsichtsratschef stellt. Denn die Haniels hatten – genau wie der zweite Großeigentümer Schmidt-Ruthenbeck – auf Cordes’ Empfehlung 2007 ihre Metro-Anteile zu Höchstkursen auf Pump aufgestockt. Das hat sich bisher vor allem wegen des Kurssturzes als fürchterlich schlechtes Geschäft erwiesen – und es half auch nichts, dass Cordes 2010 für den Konzern ein Rekordergebnis präsentieren konnte.

Im September sah es sogar so aus, als wollten die Großaktionäre Cordes loswerden . Doch vor wenigen Wochen, als die Gerüchte allzu laut geworden waren, lenkte Kluge öffentlich ein. Er stellte eine Verlängerung des Cordes-Vertrags in Aussicht, der im Oktober 2012 ausläuft. Als jedoch herauskam, dass Cordes wohl nur mit einer Verlängerung um gerade einmal zwei Jahre rechnen kann, wurde gleich die Vermutung laut, das sei lediglich der Versuch Kluges, die peinliche, öffentliche Diskussion um seinen Chefangestellten zu beenden.

Viele bei der Metro und im Umfeld glauben denn auch nicht daran, dass Cordes tatsächlich bis zum Herbst 2014 in seinem Düsseldorfer Chefzimmer sitzen wird. Ein frühzeitiger Abgang gilt ihnen weiter als wahrscheinlich. Mit seiner sehr direkten und wenig diplomatischen Art machte sich Cordes viele Feinde innerhalb des Unternehmens, als er es vom Kopf auf die Beine gestellt und auf mehr Profit getrimmt hat.

Eine bedeutende Hausmacht besitzt der Quereinsteiger weder bei Metro noch bei den Großaktionären. Immer wieder wird kritisiert, dass er auch nach vier Metro-Jahren noch keine emotionale Nähe zum Handel habe.

Aus Partnern wurden Gegner

Sein aktueller Lieblingsfeind etwa, Media-Markt-Gründer Kellerhals, sagt inzwischen ziemlich unverblümt öffentlich, er wünsche sich einen Metro-Chef, der mehr vom Handel versteht. Kellerhals wird Cordes – nicht gerade zu dessen Freude – in dieser Woche immer wieder begegnen.

Zumindest indirekt, denn die Herren sprechen schon seit Längerem nicht mehr miteinander: Die maßgeblichen Eigentümer-Vertreter des 22-Milliarden-Umsatz-Konzerns Media-Saturn, die doch eigentlich als Partner zusammen arbeiten sollten, sind zu Gegnern geworden.

Aus Cordes’ Sicht dürfte die Woche immerhin mit einer Genugtuung beginnen: Denn in der kommenden Woche endlich lässt er nach vielen Verzögerungen und monatelangem, erbittertem Streit mit Minderheitsgesellschafter Kellerhals über die Onlinestrategie bei der Elektronik-Handelskette Saturn endlich auf den Knopf drücken und den mutmaßlich wachstumsstarken Webshop freischalten. Sehr spät, wie Cordes und auch die Branche meint, denn das Unternehmen hat durch sein Zögern Wachstumschancen verschenkt.

Saturn ist zusammen mit seiner Schwestermarke Media Markt zwar in Europa die Nummer eins bei Unterhaltungselektronik. Online allerdings geht beim Branchenriesen bisher bis auf ein paar Downloads von Musik, Filmen und Software gar nichts. Die großen Konkurrenten wie Amazon, aber auch viele kleine Anbieter waren schneller und konsequenter. Sie verkaufen in ihren virtuellen Läden längst Massen an Fernsehern, Computern, Navigationsgeräten oder Smartphones.

Der Marktführer aus Düsseldorf hat ihnen untätig diesen Markt überlassen. Einen wie Cordes, der nicht gerade als Ausbund von Gelassenheit und Freund langer Diskussionen gilt, ärgert das maßlos. Er gibt die Schuld daran vor allem Erich Kellerhals. Der sei der Bremser und blockiere immer wieder Neuerungen, lässt er verlauten.

Was Kellerhals selbstverständlich bestreitet: Der 71-Jährige sieht in Cordes einen typischen, dem Finanzmarkt hörigen Manager, dem eine gute Börsenstory wichtiger ist als die langfristige Entwicklung des Unternehmens. Er sieht seine Aufgabe als Gründer und Minderheitsgesellschafter darin, die Firma davor zu bewahren, sich zu verzetteln, sagt Kellerhals. Cordes wolle oft zu viel auf einmal.

Unternehmensführung recht schwerfällig

Die Meinungsverschiedenheiten schwelen schon lange. Eskaliert sind sie, seit Cordes und sein Finanzvorstand Olaf Koch Kellerhals zu Beginn des Jahres – je nach Interpretation – vorschlugen oder androhten, den seit zwei Jahrzehnten in der Satzung von Media-Saturn schlummernden Beirat zum Leben zu erwecken.

Dort nämlich ist bei Beschlüssen nur die einfache Mehrheit nötig – und Metro hat ein Mitglied und somit eine Stimme mehr als Kellerhals und der zweite Minderheitseigentümer Leopold Stiefel. Im Gesellschafterausschuss hingegen, in dem seit Jahren die Entscheidungen fallen, ist hingegen eine 80-Prozent-Mehrheit festgeschrieben. Die aber kann Metro mit 75 Prozent der Anteile nur dann erreichen, wenn die Kleinen mitmachen.

Über jede Ladeneröffnung müsse umständlich in diesem Gremium beschlossen werden, beklagt sich Cordes, der die Sitzungen selber leitet. Eine solche Unternehmensführung mache Media-Saturn zu schwerfällig und unflexibel, mit dem Beirat ginge das alles viel geschmeidiger. Dass Cordes mit seinem Beirats-Vorstoß die Vetorechte der Altvorderen kippen will, empfindet Kellerhals hingegen nicht als Arbeitserleichterung für das tägliche Geschäft, sondern als Kriegerklärung.

Und als Versuch, bei Media-Saturn durchzuregieren. Unmittelbar nachdem ich Cordes an seinem Wohnort in Salzburg besucht hatte, klagte Kellerhals gegen die Pläne des Metro-Chefs.

Genau die werden vor dem Landgericht in Ingolstadt verhandelt. In der ersten Sitzung hatte der Richter angedeutet, dass Cordes zwar seinen Beirat wahrscheinlich einrichten dürfe. Der jedoch könne dem Gesellschafterausschuss wohl nicht die wesentlichen Kompetenzen für die Unternehmensführung nehmen.

Das würde bedeuten, dass es bei strategisch wichtigen Entscheidungen bei der von Cordes bekämpften 80-Prozent-Regelung bliebe. Käme es so, hätte Cordes nichts gewonnen, sich in der Öffentlichkeit allerdings abermals eine blutige Nase geholt.

Doch ein Kämpfer wie er gibt nicht so schnell auf: Cordes lässt schon jetzt verbreiten, dass er im Falle eines Urteils gegen sich und Metro in die nächste Instanz gehen werde. Eine neue Anwaltskanzlei hat der Düsseldorfer CDU-Mann mit Wohnsitz in München bereits nach dem ersten Verhandlungstag engagiert: die des CSU-Politikers Peter Gauweiler.

Der Bundestagsabgeordnete ist als kämpferisch bekannt und stimmte als einer der wenigen aus der Unionsfraktion gegen die Erweiterung des europäischen Rettungsschirms. Kritik und harte Auseinandersetzungen fechten ihn nicht an.

Gauweiler hat sich mit den Kollegen tief in den Fall eingearbeitet. Er könnte noch eine ganze Weile damit zu tun haben: Ein Jahr oder noch deutlich länger, vermuten Beobachter, werde der Rechtsstreit schon noch dauern. Nachgeben ist nicht die Sache von Erich Kellerhals. Die von Eckhard Cordes auch nicht.