Griechenland-Schulden

Die Politik muss Athens Insolvenz vorbereiten

Die Märkte haben sich mit einem Schuldenschnitt abgefunden. Politiker müssen aber die Insolvenz geordnet ablaufen lassen. Schluss mit der Ad-hoc-Politik!

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Die ernüchternden Nachrichten aus Athen geben all jenen Recht, die warnen, dass Griechenland aus eigener Kraft kaum auf die Beine kommen wird und einen größeren Schuldenschnitt braucht. Die Märkte haben sich mit diesem Szenario offenbar bereits abgefunden; griechische Staatsanleihen werden bereits mit entsprechend großen Abschlägen gehandelt.

Führende europäische Politiker weigern sich zwar bisher, das ökonomisch Offensichtliche anzuerkennen. Hoffentlich ist das aber nur die offizielle Version, während sie hinter verschlossenen Türen bereits den Schuldenschnitt vorbereiten. Alles Andere wäre naiv und verantwortungslos.

Davor würden sich die Märkte sehr fürchten

Denn ein größerer Schuldenschnitt ohne Absprachen und Vorbereitungen – das wäre die ungeordnete Insolvenz, vor der sich die Märkte so sehr fürchten. Solch eine Pleite könnte eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende auch Spanien und Italien das Vertrauen der Märkte verlieren würde.

Die Politik muss deshalb Athens Insolvenz vorbereiten: Viele europäischen Banken brauchen mehr Eigenkapital, um einen größeren Gläubigerverzicht zu verkraften. Wenn nötig, muss das Geld dafür vom Staat kommen. Und die Euro-Partner müssen glaubwürdig klarmachen, dass sie bereitstehen, auch große Euro-Volkswirtschaften vor einer Investoren-Panik zu schützen. So kann Europa die Schäden einer griechischen Insolvenz minimieren.

Dafür muss die Politik aber vorausschauender handeln als bisher. Denn in den vergangenen Monaten hat die kurzsichtige Krisenpolitik die Lage im Euro-Raum beständig verschlimmert. Eine Fortsetzung dieser Ad-hoc-Politik darf es nicht geben.