Konjunktureinbruch

Ratingriese sieht Frankreichs Top-Bonität bedroht

Die Euro-Krise schickt Frankreichs Industrie auf Talfahrt. Fitch und Moody's geben düstere Prognosen für die Bonität des Landes ab.

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Die Ratingagentur Fitch sieht Frankreichs Top-Bonität wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone in Gefahr. Sollte sich die Schuldenkrise verschärfen, drohe Frankreich der Verlust des Spitzen-Ratings AAA, teilte Fitch mit.

Vor allem die wachsenden Ansteckungsgefahren und das Risiko eines Konjunkturabschwungs könnten die Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Zusätzliche Maßnahmen seien wahrscheinlich nötig, damit die Regierung in Paris ihr Ziel beim Defizitabbau bis 2013 erreichen könne. Wachsende Staatsschulden hätten Frankreichs Fähigkeit aufgezehrt, weitere Schocks ohne Schaden für die Spitzenbonitätsnote zu verkraften.

Miese Stimmung in Frankreichs Wirtschaft

Erst am Montag hatte die Ratingagentur Moody's gewarnt, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone könnte ihr Top-Rating verlieren, falls die Refinanzierungskosten dauerhaft hoch blieben und wegen der Konjunkturflaute den Haushalt belasteten.

Die Stimmung der französischen Unternehmen hat sich auch im November eingetrübt. Das Barometer für die gesamte Wirtschaft sackte im November auf 93 von 95 Punkten, wie das nationale Statistikamt Insee am Mittwoch mitteilte. Der Index für die Industrie fiel auf 95 von 97 und damit wie von Experten erwartet.

„Es zeigt sich einmal mehr, dass sich die Schuldenkrise verschärft und ihren Tribut fordert“, sagte ABN-Amro-Analyst Joost Beaumont. „Wahrscheinlich wird sie Frankreich und die gesamte Euro-Zone wieder in die Rezession treiben.“

Die Industrie in den Euro-Ländern hatte im September das größte Auftragsminus seit Dezember 2008 hinnehmen müssen. Die Firmen sammelten 6,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Monat davor, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Rückgang von 2,5 Prozent gerechnet, nach plus 1,4 Prozent im August.

Frühindikatoren wie der Markit-Einkaufsmanagerindex signalisieren zudem, dass die Konjunktur im Euro-Raum um den Jahreswechsel weiter schwächeln und sogar schrumpfen könnte. „Die Rezession steht vor der Tür“, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Für düstere Aussichten in Frankreich sorgten auch die Daten des Markit/CDAF-Einkaufsmanagerindexes.

Das Barometer für die französische Privatwirtschaft stieg zwar auf 48,7 Zähler, blieb aber unter der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Während sich die Talfahrt bei den Dienstleistern etwa verlangsamte, beschleunigte sie sich in der Industrie. Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson geht davon aus, dass das gesamte Bruttoinlandsprodukt im laufenden vierten Quartal um rund 0,5 Prozent schrumpfen könnte. „ Das ist ein ziemlicher Wendepunkt für Frankreich und besorgniserregend, dass so eine große Volkswirtschaft in der Euro-Zone so in die Krise gezogen wird.“

Die Renditen für französische Staatsanleihen stiegen zuletzt merklich, was die Refinanzierungskosten für die Regierung in Paris verteuert. Frankreichs Finanzminister Francois Baroin bekräftigte die Forderung, dass die Europäische Zentralbank als Geldgeber der letzten Instanz eine weitere Ausbreitung der Schuldenkrise verhindern sollte. Die Bundesregierung lehnt es jedoch strikt ab, dass die EZB als Staatsfinanzierer auftritt. Die Notenbank greift Staaten wie Spanien und Italien mit dem Kauf von Staatsanleihen bereits seit dem Sommer unter die Arme.