Berliner Serviceunternehmen

Wie Frau Dussmann ihren Mann ersetzen musste

Catherine von Fürstenberg-Dussmann war Schauspielerin und Hausfrau. Dann erlitt ihr Mann einen Schlaganfall und sie wurde Chefin eines Milliardenkonzerns. Ein Gespräch über eine ungewöhnliche Karriere – und die Erbregelung im Hause Dussmann.

Foto: M. Lengemann

Catherine von Fürstenberg-Dussmann hinterlässt Spuren, zum Beispiel im Lichthof des Dussmann-Hauses an der Friedrichstraße. Die berühmte Sphinx ist verschwunden, Gerüste stemmen sich in die Höhe. Wer zum Büro der Frau von Unternehmensgründer Peter Dussmann will, fährt im gläsernen Fahrstuhl bis zum siebten Stock durch eine Baustelle.

Frau Dussmann will es so. Sie hat den französischen Gartenkünstler Patrick Blanc beauftragt, der Dussmann-Zentrale Dschungelatmosphäre zu verleihen. Pflanzen sollen an den Wänden in die Höhe ranken. „Das ist sexy, das ist cool“, sagt Frau Dussmann. Der vertikale Garten wird noch vor Weihnachten öffnen. Im Untergeschoss entsteht ein Aquarium; ein Café soll es auch geben. „‚Ursprung' wird es heißen, den Namen habe ich geträumt“, sagt Catherine von Fürstenberg-Dussmann oben in ihrem Büro mit Glasdach.

Solche Sachen kann sie jetzt entscheiden. Vor drei Jahren hat die Amerikanerin den Platz ihres Mannes eingenommen. Bis zu seiner schweren Erkrankung hat Peter Dussmann hier gesessen, Erfinder des Kulturkaufhauses und Schöpfer eines Milliardenkonzerns. Jetzt hat seine Frau bei dem Unternehmen mit seinen fast 57.000 Mitarbeitern das Sagen. Sie führt den Stiftungsrat und hat schon mal jenen Vorstandschef gefeuert, den ihr Mann installiert hatte. Catherine von Fürstenberg-Dussmann ist jetzt zweifellos eine der mächtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft.

Morgenpost Online: Frau Dussmann, Sie sitzen jetzt im Büro Ihres Mannes. Draußen, an der Tür, steht noch das Namensschild „Peter Dussmann“. Ist das Absicht?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Wirklich? Das ist mir noch nie aufgefallen. Aber ich stehe selten vor meiner Tür. Immer, wenn ich hier reinkomme, wartet viel Arbeit auf mich. Hier sind meine Termine für heute (hält Liste hoch). Ich werde heute in drei Städten sein, nachher muss ich nach Hannover.

Morgenpost Online: Ist das jeden Tag so?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Die Hälfte meiner Zeit bin ich in Frankreich, wo mein Mann ist. Die andere Hälfte hier. Immer, wenn ich in Berlin bin, geht es – wie Ihr Deutschen sagt – zack, zack, zack. Heute ist es mal wieder crazy. Nachher habe ich in Hannover eine Beiratssitzung. Da werde ich in der Kaffeepause die Männer zum Reden bringen.

Morgenpost Online: Werden Sie ernst genommen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Wissen Sie, das ist der schwierigste Teil meines Jobs: diese Männerwelt zu knacken. Ich habe schnell gemerkt: Männer müssen sich noch daran gewöhnen, dass sie mit uns Frauen sprechen, dass sie uns ernst nehmen. Aber Sie beide sprechen ja mit mir (lacht).

Morgenpost Online: Wie war das 2008? Nachdem Ihr Mann einen zweiten Schlaganfall erlitten hatte, kamen Sie in den Aufsichtsrat, begannen sich um das Unternehmen zu kümmern. Wie hat der Vorstand reagiert, als Sie das erste Mal als Aufsichtsrätin reinmarschiert kamen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Na, ja, die wussten ja, wer ich bin. Sie kannten mich als Begleitung meines Mannes.

Morgenpost Online: Haben die Sie ernst genommen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Ich glaube, am Anfang nicht. Die waren auch verunsichert. Also habe ich mir überlegt, was mache ich gegen ihre Skepsis? Ich habe ihnen gezeigt, dass ich ein richtiges Arbeitstier bin.

Morgenpost Online: Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Zuvor waren Sie jahrelang die klassische Unternehmergattin, ohne Aufgabe in der Firma. Und bevor Sie Peter Dussmann kennen lernten, haben Sie als Schauspielerin gearbeitet.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Ja, aber ich weiß schon, was es bedeutet, Unternehmer zu sein. Schon als Kind, mit 12 Jahren, habe ich in meiner Heimatstadt St. Louis Hüte für Damen entworfen. Die wurden in einem feinen Geschäft, Women's Exchange hieß es, verkauft. Das waren meine ersten Erfahrungen. Später habe ich Ohrringe entworfen und als Schauspielerin habe ich immer nebenher Sachen designt und verkauft.

Morgenpost Online: Sie waren also Kleinunternehmerin und Schauspielerin?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Mal haben Sie einen Job im Film, dann ist wieder zwei Monate lang Flaute. Danach spielen Sie dann eine unterbezahlte Rolle auf einer Theaterbühne. Das Geld hat nie gereicht, und ich wollte unbedingt in Beverly Hills wohnen. Also musste ich was tun. Vor allem, nachdem mein Vater gestorben war. Ich war ja „Daddy's Girl“, er hat mir fast alles gegeben, was ich wollte.

Morgenpost Online: Aber es ist ein Unterschied, ob Sie selbstständige Designerin sind oder ein Unternehmen mit fast 57000 Mitarbeitern führen.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Ja, aber ich will damit etwas klarstellen. Ich bin nicht völlig unbeschlagen. Ich habe früher mein eigenes Geld verdient. Jetzt habe ich Verantwortung für das Unternehmen meines Mannes. Weil ich in meinem Leben schon mal selbstständig war, weiß ich, was es heißt, Geschäfte zu machen. Im Grunde bin ich davon überzeugt: Die Größe des Unternehmens ist nicht entscheidend.

Peter Dussmann hat seine spätere Frau 1980 in Kalifornien kennengelernt. Ihre Ambitionen als Schauspielerin stellte sie für ihren Mann zurück; das hatte Peter Dussmann von ihr verlangt. Beide haben eine Tochter, Angela. Das Verhältnis zwischen ihr und der Mutter gilt als belastet. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie das Leben als Gattin eines reichen Unternehmers genoss. Die Dussmanns besitzen Häuser auf der ganzen Welt. In Zeuthen, vor den Toren der Stadt, steht ein schlossähnliches Anwesen. Dies wird heute vor allem als Fortbildungszentrum genutzt. Dazu kommen Häuser in der Nähe von München, Südfrankreich und Kalifornien. Ihre geliebten Pferde stehen in dem Anwesen bei München. Aber derzeit komme sie kaum noch zum Reiten.

Morgenpost Online: Ärgert es Sie heute, dass Ihr Mann Sie nicht schon früher mit seinem Unternehmen vertraut gemacht hat?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Ich wollte es ja seinerzeit nicht anders. Mir hat es gereicht, seine Frau zu sein und ihm ein schönes Leben zu machen. Peter hat ja viel gearbeitet. Ich habe Cookies gebacken, mich um die Haustiere, Pferde, Katzen, gekümmert. Hausfrau ist ein guter Job. Wenn Du einen erfolgreichen Mann hast und Du Dich so kümmerst, dass er nicht wegrennt, dann ist das Erfolg (lacht).

Morgenpost Online: Das Leben hätte so weitergehen können.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Ja, aber 2006 war der Wendepunkt. Damals saßen mein Mann und ich in Frankreich mit unserem Nachbarn zusammen, einem reichen Russen. Der erzählte von diesem Arzt in Monte Carlo und seiner Röhre (MRT), in der man durchleuchtet wird. Er empfahl meinem Mann, das auch zu tun. Peter wollte nicht, sagte, ‚ach Quatsch'. Dann habe ich ihm die Untersuchung zu Weihnachten geschenkt. Peter ging zu dem Doktor und wurde in die Röhre geschoben. Diagnose: Arteriosklerose. Der Doktor sagte: ‚Sie haben zwei bis fünf Jahre und dann kommt was. Entweder Sie sterben oder sitzen dann im Rollstuhl'. Diese Nachricht war ein Schock.

Morgenpost Online: Wie sind Sie beide damit umgegangen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Wir wollten nach der Diagnose das Leben doppelt genießen. Wir sind an all die Orte gefahren, die uns etwas bedeuten, waren viel unterwegs. Gleichzeitig hat mein Mann angefangen, mich vorzubereiten. Das fing damit an, dass er plötzlich zuhause nur noch Deutsch gesprochen hat. Vorher war es immer Englisch, das war unsere Love-Language, unsere Sprache der Liebe. Und dann zu Hause diese harten deutschen Wörter. Peter sagte mir: ‚Wenn Du arbeiten gehst, wirst Du Dich daran gewöhnen müssen.' Dann war er sehr hinterher, dass ich Geschäftsberichte und all diese Zahlenwerke lese. Es war eine intensive Zeit.

Morgenpost Online: Dann kam 2008 in Rom der zweite Schlaganfall.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Schrecklich. Diese Ungewissheit, was mit meinem Mann wird. Dann wurde ich ganz schnell Aufsichtsrätin. Das alles wenige Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers, als allen schon klar war, es kommt eine Rezession. Ich habe Tag und Nacht gelernt und gelesen, habe hier an der Friedrichstraße gewohnt und bin ständig zur Charité, wo mein Mann im Koma lag.

Morgenpost Online: Wie geht es Ihrem Mann jetzt?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Er hat die Grippe, ist aber auf dem Weg der Besserung.

Morgenpost Online: Stimmt es, dass er nur noch „ja“ oder „nein“ sagen kann?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Es ist schrecklich. Stellen Sie sich vor: Sie sitzen, wie jetzt hier am Tisch, und Sie bekommen alles mit. Doch Sie können nur „Ja“ oder „Nein“ sagen. Sie schauen mich an, sind aber gefangen in Ihrem Körper. Das Faszinierende ist: Mein Mann hat so viele Nuancen, wie er „ja“ oder „nein“ sagt. Als ich ihm von der Idee unseres Kulturkindergartens erzählte, sagte er laut „nein“. Wir haben es trotzdem gemacht und gerade den zweiten eröffnet.

An den Kindergärten entzündete sich der Streit mit dem früheren Dussmann-Vorstandschef Thomas Greiner. Er wollte eine bereits existierende Kette übernehmen, Catherine von Fürstenberg-Dussmann bestand darauf, dass man das Konzept des „Kulturkindergartens“ selbst entwickelt. Greiner musste im April seinen Posten räumen, mit ihm ging die Finanzchefin der Dussmann-Gruppe, Christine Jaap. Damals horchte die Öffentlichkeit so richtig auf. Es war der erste Machtkampf, den die Ehefrau des Gründers erfolgreich ausfocht. Hinzu kam, dass Greiner jahrelang von ihrem Mann protegiert worden war. Der erste Kulturkindergarten eröffnete im Frühjahr am Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn, vor wenigen Wochen ein zweiter an einem Klinikum im hessischen Wetzlar.

Morgenpost Online: Wie wichtig war es Ihnen zu zeigen, ich, Catherine von Fürstenberg-Dussmann, kann in meiner neuen Rolle auch Akzente als Unternehmerin setzen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Wissen Sie, mein Mann war ein brillanter Unternehmer. Ich kann nicht in seine Fußstapfen treten. Sehen Sie (hält ein Bein hoch) meine Schuhe sehen auch ein bisschen anders aus. Trotzdem muss ich hier entscheiden. Und von der Idee einer Kindergarten-Kette war ich von Anfang an überzeugt. Das ist mein Baby.

Morgenpost Online: Wer berät Sie denn in Ihrer Rolle, erst als Aufsichtsratschefin, jetzt als Vorsitzende des Stiftungsrates?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Das sind die klugen Männer Dr. Giuseppe Vita, der ehemalige Schering-Chef, und Dr. Tessen von Heydebreck, früher Deutsche-Bank-Vorstand. Die beiden sind meine Mentoren, vor allem Vita. Und dann sind da noch Wolfgang Clement und Dr. Horst Schiessl. Wenn ich Fragen habe, dann rufe ich sie an. Die stehen immer mit Ratschlägen bereit. Das ist eine große Hilfe.

Morgenpost Online: Kommt Ihnen im Unternehmerleben Ihre Ausbildung als Schauspielerin zugute?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Sehr sogar. In meiner Ausbildung habe ich viel über Körpersprache gelernt. Ich kann gut beobachten und habe Freude daran, Menschen zu beobachten. Ich glaube auch, dass jeder Mensch im Grund gut ist. Doch wehe, es stellt sich das Gegenteil heraus. Jeder soll wissen: Ich heiße Dussmann und ich kämpfe für die Ideen meines Mannes (schlägt mit Hand auf den Tisch).

Morgenpost Online: Chefin sein, heißt auch: Leute entlassen. Im Frühjahr haben Sie ordentlich durchgegriffen und Ihren Vorstandschef Thomas Greiner geschasst. Die Finanzchefin, einziges weibliches Vorstandsmitglied, musste auch gleich gehen. Wie finden Sie diese Seite Ihres Jobs?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Also ich habe es nicht so gemacht wie Donald Trump in seiner Fernsehshow (spricht mit tiefer Stimme): You're fired – Sie sind gefeuert. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin Amerikanerin, bei mir zuhause sagt man „hire and fire“, man trennt sich schnell, wenn es nicht passt. In Deutschland geht das natürlich nicht. Aber wenn es sein muss, bin ich konsequent. Als Reiterin weiß ich: Wenn das Pferd scheut, muss man etwas tun, sonst fällt man schnell. Diese Firma hier, Dussmann, darf nicht zu Boden gehen. Also muss man auch beim Führungspersonal konsequent handeln.

Morgenpost Online: Gewerkschaften beschweren sich mitunter auch über den Umgang von Dussmann mit seinen Mitarbeitern…

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Dafür gibt es keinen Grund. Wir haben immer für Mindestlohn gekämpft. Schon mein Mann hat das gemacht in einem seiner letzten Auftritte in einer Talkshow. Egal, ob Gebäudereinigung, Pflege, Wachschutz oder Catering: Wir sind überall für Branchen-Mindestlöhne, regional angepasst und flächendeckend kontrolliert. Ich kann in jede Talkshow gehen und es laut verkünden: Dussmann zahlt Mindestlöhne.

Morgenpost Online: Für eine ARD-Dokumentation haben Sie verkleidet das Dussmann-Reich von unten erkundet: als Putzfrau und Küchenhilfe. Was wollten Sie damit eigentlich bezwecken, PR für Ihre eigene Person?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Nein. Mir war wichtig, ein Zeichen an all unsere 57000 Mitarbeiter zu senden. Sie sollten sehen, das ist der neue Boss. Und ich wollte ihnen zeigen, ich bin mir nicht zu schade, öffentlich eine Toilette zu putzen. Es ist eine Botschaft an meine Leute: Seid stolz auf Eure Arbeit. Es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen, Reinigungskraft zu sein.

Morgenpost Online: Und Ihren Vorstand haben Sie auch auf Linie gebracht.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Das sind erfahrene Manager, die wir da haben. Ich habe auch veranlasst, dass sie am Gewinn und Umsatz beteiligt werden. Sie sollen ihre Bereiche wie Unternehmer führen.

Morgenpost Online: Welche deutschen Eigenheiten verwundern Sie als gebürtige Amerikanerin, wenn Sie geschäftlich oder gesellschaftlich unterwegs sind?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Deutsche denken gern negativ. Wirklich, Ihr seid so hart zu Euch selbst. Ein Deutscher guckt in den Spiegel und sucht nach dem Makel in seinem Gesicht, anstatt sich an den Vorzügen zu freuen. Dabei haben die Deutschen so viele Tugenden: Pünktlich, innovativ, clevere Geschäftsleute, gute Wissenschaft. Das ist doch was. Und hier in Berlin. Alle meckern, über den Dreck und über den Zustand der Kitas. Hey, hier gibt es die besten Kitas Deutschlands, glauben Sie mir.

Morgenpost Online: Also weniger meckern, mehr an uns selbst erfreuen. Wir versuchen es. Müssen aber eine deutsche Nörgelfrage stellen: Was muss denn Berlin besser machen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Holt die jungen Leute nach Berlin. Künstler und Kreative sind ja schon hier. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass die Mieten nicht so hoch werden.

Morgenpost Online: Ihr Mädchenname lautet von „von Fürstenberg“, Sie haben deutsche Wurzeln. Wieso ist Ihr adliger Vorfahre ausgewandert?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Das war 1847, ein Jahr vor der Revolution in Deutschland. Er hat die Unruhe gespürt und wollte weg. Er ist mit seiner Frau und vier Kindern nach Amerika gesegelt. Und jetzt erzähle ich Ihnen eine Geschichte, die in unserer Familien von Generation zu Generation weiter erzählt wird.

Morgenpost Online: Wir sind gespannt.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Während der Überfahrt wurden seine Ersparnisse geklaut. Sein kleiner Geldsack aus Wildleder mit Goldstücken drin, verschwand. Gott sei Dank waren in den Kleidern seiner Frau und seiner Kinder noch einige Edelsteine eingenäht.

Morgenpost Online: Was hat er dann in Amerika gemacht?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Das hat er sich auch gefragt. Er war ja in Europa Politiker am Königshof. Aber er hatte eine Gabe: Er konnte mit Pferden umgehen. Von dem Vermögen, das nach der Überfahrt übrig war, hat er eine Kaltblüterzucht aufgebaut. Das war äußerst lukrativ, denn zu der Zeit wurde die Bahnstrecke nach Kalifornien gebaut. Mein Urahn wurde ein reicher Mann. Zum Dank ließ er entlang der Bahnstrecke lauter Kirchen errichten. Einige stehen heute noch.

Morgenpost Online: Es ist aber ungewöhnlich, dass über so lange Zeit der deutsche Adelsname erhalten blieb.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Nein, da gibt es eine ganze Reihe in den USA. Nur im 2.Weltkrieg haben wir das „von“ weggelassen.

Beim Gespräch mit Frau Dussmann muss man hellwach sein. Sie redet schnell, wechselt mitten im Satz vom Deutschen ins Englische und wieder zurück. Wie die meisten Amerikaner, ist sie stolz auf ihre „roots“, die Wurzeln ihrer Familie. Sie erzählt, dass ein Onkel mit dem Namen Fürstenberg sich im Zweiten Weltkrieg weigerte, für die US-Luftwaffe als Bomberpilot Angriffe auf Deutschland zu fliegen. Schnell kommt sie im Gespräch auf solche Anekdoten. Aber den Faden verliert sie nicht. Und man merkt deutlich: Hier sitzt eine ausgebildete Schauspielerin, was nicht negativ gemeint ist. Sie gibt sich kokett, wenn sie es will oder gefällt sich im Mädchencharme. Sie weiß Gesprächspartner zu umgarnen, kann aber auch konfrontativ sein.

Morgenpost Online: Frau Dussmann, Sie betonen ja stets die Förderung von Frauen. Können Frauen sich jetzt eigentlich mehr Chancen bei Dussmann ausrechnen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Sie werden es kaum glauben. Aber 46,9 Prozent unserer Führungskräfte, also Leute, die Personalverantwortung haben, sind Frauen. Leider habe ich keine Frau in meinem Vorstand. Aber ich will ja meine guten Männer nicht rausschmeißen.

Morgenpost Online: Zumal die Vorstände über Ihre Führungsstiftung durchaus eng von einer Frau, von Ihnen, geführt werden. Diese Konstruktion hat ja für einige Verwirrung gesorgt.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Es ist ganz einfach. Die Führungsstiftung hält keinerlei Anteile am Unternehmen. Der Eigentümer ist zu 100 Prozent mein Mann. Ein Treuhänder, Rainer Lorz, ebenfalls Mitglied im Stiftungsrat, verwaltet treuhänderisch sein Vermögen. Ich habe nichts mit dem Geld meines Mannes zu tun. Ich lebe von dem, was ich hier verdiene und habe keinen Zugriff auf das Vermögen meines Mannes.

Morgenpost Online: Aber was passiert mit dem Unternehmen, wenn Ihr Mann eines Tages stirbt?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Nichts; es geht einfach weiter. Dafür ist ja die Führungsstiftung da, deren Rechtmäßigkeit im Übrigen gerichtlich genehmigt wurde. Ich werde, solange es meine Kraft zulässt, für dieses Unternehmen arbeiten.

Morgenpost Online: Aber wem gehört dann das Unternehmen?

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Die künftigen Erben werden dann, wie mein Mann jetzt, alleinige Gesellschafter sein. Die Stiftung bleibt, und zwar völlig unabhängig von den Eigentümern, Komplementärin. Das heißt: Mit ihren Organen, Stiftungsrat und -vorstand, wird das Unternehmen geführt.

Morgenpost Online: Dennoch ist es ja nicht ganz unerheblich, wem das Unternehmen dann gehört.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann: Meine Tochter und ich sind die Erben. Die Regelung sieht vor, dass keiner vor dem Ablauf einer Zehn-Jahres-Frist seine Anteile verkaufen darf. Will ein Gesellschafter verkaufen, dann hat der andere ein Vorkaufsrecht. Ich würde dieses Vorkaufsrecht in jedem Fall ausüben. Sie sehen: Alles ist bis ins kleinste Detail geregelt. Am wichtigsten ist, dass der Wille meines Mannes umgesetzt wurde: Es wird keine Aufteilung des Unternehmens geben. Mir geht es darum, hier zu arbeiten. Das macht mich happy. Ich würde nie verkaufen.