Fluglinien

Billigableger soll Iberia Gewinn bringen

Die verlustreiche spanische Airline versucht es jetzt mit einem Billigkonzept. Die Fusion mit British Airways brachte hingegen nur Verluste.

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Immer wieder am Monatsanfang, wenn die spanischen Flughäfen ihre Passagierzahlen bekanntgeben, herrscht gedrückte Stimmung in der Iberia-Zentrale in Madrid. Fast alle Airlines melden kontinuierliche Zunahmen, ausgenommen die Spanier. Dabei hatten sie so sehr gehofft, nach der Fusion mit British Airways (BA) richtig durchstarten zu können.

Neun Monate ist es jetzt her, dass das einstige Staatsunternehmen mit British Airways fusionierte und in der Holding IAG (International Airlines Group) aufging. Damals, hieß es, sei dies ein Zusammenschluss „unter gleichen Partnern“, der beiden Airlines ordentliche Wachstumszahlen bescheren würde.

Gewachsen ist seit damals allerdings nur British Airways – und das nicht zuletzt auf den Routen von und nach Spanien. Nach Angaben des Flughafenverwalters Aena wuchs das Passagieraufkommen der Briten auf den spanischen Flughäfen zwischen Januar und August um 23 Prozent, Iberia hingegen verlor im gleichen Zeitraum 15 Prozent an Kunden. Auch bei den Erträgen haben die Briten die Spanier längst abgehängt. Während Britisch Airways im ersten Halbjahr 2011 einen Gewinn von 210 Mio. Euro einflog, erlitt Iberia einen herben Verlust von 78 Mio. Euro.

„So haben wir uns das nicht vorgestellt“, schimpft Justo Peral, Sprecher der Pilotengewerkschaft Sepla. „Die Briten schlucken uns ja förmlich. Wenn das so weiter geht, ist British Airways im Jahr 2016 dreimal so groß wie Iberia.“ Tatsächlich haben die Briten jetzt ein ehrgeiziges Flottenerneuerungsprogramm im Wert von fünf Mrd. Euro gestartet und 800 Piloten eingestellt.

Bei Iberia hingegen versucht man, das Problem der sehr ungleichen Entwicklung abzuwiegeln. „British Airways hatte sich in den letzten Jahren gesund geschrumpft, jetzt ist eben wieder Expansion angesagt“, heißt es. Soweit ist die spanische Airline, die sich 125 Topmanager und 104 Flugzeuge leistet, noch nicht. Obwohl die Iberia-Belegschaft, derzeit 21500 Menschen, in den letzten zehn Jahren um knapp ein Drittel gekürzt wurde, haben die Spanier nach wie vor ein gewaltiges Kostenproblem. Die Personalkosten machen 26 Prozent von den Gesamtkosten aus. Bei den Briten sind es vier Prozentpunkte weniger.

Unter anderem aus diesem Grund will Iberia Vorstandschef Rafael Sánchez Lozano jetzt um jeden Preis die Kosten senken. Nach einer langen Planungsphase gab er die Gründung einer eigenen Billigfluggesellschaft bekannt. Das Rezept ist nicht neu. In Asien betreibt etwa die Staatslinie Singapore Airlines mit Silkair eine eigene Billigfluggesellschaft und ist gerade dabei, eine zweite Gesellschaft für die mittleren und langen Strecken zu gründen.

Auch Air France und Lufthansa setzen auf Billigflieger

Die Air France setzt zudem auf massive Kostensenkungen im Flugbetrieb abseits ihres Megadrehkreuzes Charles de Gaulle in Paris. Auch die Lufthansa betreibt mit Germanwings seit Jahren einen eigenen Billigableger. Und auch Lufthansa-Konkurrent Air Berlin (AB) will mit einer Tochtergesellschaft namens Air Berlin Turkey die Kosten weiter senken. Die Gesellschaft ist ein Joint-Venture mit dem AB-Großaktionär Pegasus und soll ab Anfang November mit zwei Maschinen den Flugbetrieb aufnehmen. Die Flugzeuge stellt Air Berlin, die Crew besteht aus Türken. Insgesamt sollen demnächst sechs Maschinen in Antalya stationiert werden.

Für Iberia soll ab April kommenden Jahres eine neue Gesellschaft namens Iberia Express einen Teil der Spanien- und Europaflüge übernehmen. „Das ist eine große Chance für uns, so wachsen wir im Kurz- und Mittelstreckenbereich“, sagt Sánchez-Lozano. Ende 2012 sollen bereits 13 Flugzeuge im Einsatz sein, später soll die Zahl auf über 30 steigen.

Aus Lozanos Sicht ist die Gründung eines Ablegers der eigenen Marke überlebenswichtig. Denn im Sommer hatte Iberia zunächst mit Zubringerflügen mit dem traditionellen Billigflieger Vueling experimentiert. Doch viele Iberia-Passagiere waren entsetzt, vor allem die Geschäftskunden. Ihnen missfielen die langen Schlangen am Schalter und der fehlende Komfort an Bord auf den Flügen zur Drehscheibe Madrid.

Iberia Express behält die Business Class

Im Gegensatz zu herkömmlichen Billigfliegern wird Iberia Express den Gästen weiterhin die Wahl zwischen Business und Economy überlassen. Zum Einsatz kommen Maschinen des Airbus-Typs A320 aus der Iberia-Flotte. Das fliegende Personal will Iberia allerdings neu anheuern, zu Bedingungen, die schlechter sind als die des Stammpersonals.

Angesiedelt werden soll die neue eigenständige Fluggesellschaft in Madrid und dort auch Zubringerdienste für die Langstreckenflugzeuge der Iberia übernehmen. Die Iberia-Piloten und das Kabinenpersonal beobachten den neuen Vorstoß der Geschäftsführung mit Misstrauen und drohten bereits mit gerichtlichen Schritten und Streiks. Sie befürchten, dass künftig viele Stellen im Mutterkonzern wegfallen werden.

Iberia hat allerdings angesichts der schwachen Binnenkonjunktur wohl gar keine andere Wahl, als die Kosten radikal zu drücken. Erst vor wenigen Tagen zeichnete der Aufsichtsratsvorsitzende von IAG, Antonio Vazquez, ein düsteres Bild für das kommende Jahr. „Die Nachfrage ist schwach, die Gewinne sinken, das wird ein weiteres schweres Jahr werden“, sagte er.

Das spürt auch der direkte Iberia-Konkurrent Air Berlin. Die zweitgrößte deutsche Airline betreibt auf dem spanischen Flughafen Palma de Mallorca ein Drehkreuz. Von dort aus werden Passagiere aus Deutschland, aber auch viele Spanier aufs Festland transportiert. Air Berlin bedient derzeit von Palma aus 14 Ziele in Spanien und Portugal.

Zum Winterflugplan haben die Berliner allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 20 Prozent der Kapazität aus dem Markt genommen. Zwar werden fast alle Ziele in Spanien weiter angeflogen, allerdings nicht mehr so oft. Verbindungen etwa aus Basel oder Dresden werden von November bis Januar gar nicht mehr bedient, weil Mallorca im Winter vor allem für Urlauber nicht attraktiv genug ist.