CPD

Düsseldorfer Modemesse zieht nach Berlin

Berlin schlägt Düsseldorf: Die Rheinmetropole verliert die CPD, die einst die größte Modemesse der Welt war. Doch zuletzt sprangen immer mehr Aussteller ab. Die Branche zieht es stattdessen an die Spree.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ein Stück deutscher Modegeschichte verabschiedet sich: Die einst größte Modemesse der Welt, die Collections-Premieren Düsseldorf (CPD), wird im Februar 2012 das letzte Mal stattfinden. „Wir wissen alle, wie schwierig das Produkt CPD war“, sagt Mirjam Dietz aus der Geschäftsführung der Igedo Company. Die Veranstaltungsgesellschaft der CPD verzeichnete im Jahr 2002 noch rund 2000 Aussteller, zuletzt waren es im Juli nur noch 430.

Während des anhaltenden Niedergangs der Düsseldorfer Schauen, erfreuen sich Berliner Modemessen, wie Bread&Butter für junge Mode und Premium für gehobene Kleider über immer mehr Zulauf. Für Premium-Leiterin Anita Tillmann liegt das Problem auf der Hand: „Aus meiner Sicht haben die Stadt Düsseldorf und die Igedo nur eins falsch gemacht: sie haben sich nicht wirklich weiterentwickelt. Das passiert in der Regel dann, wenn alle satt sind und es keine Notwendigkeit zu handeln gibt.“

Auf Erfolg ausgeruht

Zu lange hatte sich Veranstalter Igedo auf dem Messe-Erfolg ausgeruht. 1949 gründeten mehrere Modemacher, die hauptsächlich wegen der Berlin-Blockade aus der geteilten Stadt nach Düsseldorf gekommen waren, die „Interessengemeinschaft Damenoberbekleidung“ (Igedo). Um ihre Kleider an die Einzelhändler zu bringen, veranstaltete die Igedo die weltweit ersten Modemessen ausschließlich für Fachpublikum. Da sich die Branche mit den Jahren frühere Ordertermine wünschte, führte das Unternehmen 1982 die CPD als Vorab-Schau zur bisherigen Igedo-Messe ein. Diese „Collections-Premieren“ entwickelten sich zur weltweit größten Veranstaltung ihrer Art.

Getan hatte sich seither wenig – gerade in der sich stets verändernden Modebranche ist das fatal. Die CPD blieb eine nüchterne Handelsmesse. Neues bot hingegen ab 2003 die Berliner Konkurrenz. Sie verzichtet etwa auf herkömmliche Messehallen, die Premium findet einem stillgelegten Postgüterbahnhof statt und die Bread&Butter im ehemaligen Flughafen Tempelhof. 2006 initiierte Premium-Chefin Anita Tillmann die Berliner Fashion Week – als Dachmarke für das Modetreiben in der Hauptstadt. Dazu zählen jede Saison Modenschauen, Partys und Messen.

2010 peppte die Igedo ihre Messe zwar auf, verpasste ihr ein modernes Design und mit „CPD Signatures“ einen neuen Namen – doch die Branche nahm diese Veränderungen nicht mehr an. Nun möchte die Igedo ebenfalls in Berlin mitmischen und während der Fashion Week kommenden Januar die Messe „The Gallery“ veranstalten. Es soll eine kleine Ausstellung von 80 Kollektionen im ehemaligen Café Moskau in Berlin-Mitte werden.

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels, Jürgen Dax, sieht diese Pläne skeptisch: „Berlin ist da schon gut besetzt. Ich bin sehr gespannt, ob sich eine weitere Messe dort durchsetzen kann.“

Denn die Igedo drängt nicht als einziger Veranstalter auf den Berliner Messemarkt. Die Frankfurter Muevo GmbH möchte im Januar etwa die „Wow“, eine neue Unterwäsche-Messe veranstalten – obwohl mit der „5 Elements“ erst kürzlich eine solche Lingerie-Schau eingestellt wurde. „Wenn man mit Händlern darüber spricht, fragen sich viele, ob das funktioniert“, sagt Jürgen Dax zu den Wäsche-Messe-Plänen.

Premium-Geschäftsführerin Anita Tillmann zeigt sich zuversichtlicher: „Wir sagen grundsätzlich: Je mehr, desto besser.“ Sie arbeitet selbst an der Panorama mit, einer neuen Messe für mittelteure Mode, die im Sommer 2012 starten soll. Es wird die erste Messe sein, die im neuen Berlin ExpoCener Airport am neuen Flughafen stattfinden wird. Anita Tillmann weiß, dass der Berliner Modemesse-Markt schwierig ist: „Jedes neue Format muss etwas wirklich Neues bieten; etwas, was es bisher in Berlin noch nicht gibt – alles andere wird sich sowieso zerschlagen.“

In der Rheinmetropole hat man offenbar längst die Waffen gestreckt. Düsseldorfs zweiter Bürgermeisterin Gudrun Hock (SPD) würdigt in ungewöhnliche Worten das Berlin-Engagement der Igedo in der Hauptstadt: „Dadurch erhoffen wir uns den Modestandort Düsseldorf in Berlin zu stärken“, sagt die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Igedo-Muttergesellschaft, Messe Düsseldorf.

Berlin aber noch umsatzschwach

Eine Einschränkung bei aller Berlin-Begeisterung gibt es dennoch. Dort macht die Modebranche nämlich kaum Umsatz: „Der Umsatz wird da gemacht, wo die Showrooms sind. Und nirgendwo gibt es so viele davon und in so einer hohen Dichte, wie in Düsseldorf“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Modeverbands GermanFashion, Thomas Rasch. Die Branche ist nämlich nicht nach Berlin abgewandert, sondern hat am Standort Düsseldorf Showrooms gegründet. In rund 800 solcher Ausstellungsräume verteilt im Stadtgebiet, wickeln Modeunternehmen mittlerweile ihren Vertrieb ab.

Der Berliner Fashion-Week-Termin, hat sch zusätzlich im Branchenkalender neben den Düsseldorfer Ordertagen eingereiht. Er liegt in der Herbst-/Winter- und Frühjahr-/Sommersaison je zwei Wochen vorm Düsseldorfer Termin. Das ist vielen Modehändlern zu früh. In Berlin holen sich die meisten deshalb erst Inspiration und nutzen die dortigen Events zum gegenseitigen Austausch, bevor sie dann in Düsseldorf ordern. Thomas Rasch sagt: „Grundsätzlich gilt zur Zeit immer noch: Geschäft in Düsseldorf, Show in Berlin.“

Dass die CPD in Düsseldorf nun jedoch wegfällt, sieht Showroom-Betreiber Sandro Rath jedoch skeptisch:„Düsseldorf verliert damit einen wichtigen Markennamen“, sagt der Unternehmer, der die Mode seines Ehemanns, „Germany's Next Topmodel“-Juror, Thomas Rath vertreibt.