Bankenkrise

Verluste der Deutschen Bank sind ein gutes Zeichen

Mit der Deutschen Bank verliert jetzt auch der Branchenprimus. Das ist keine Katastrophenmeldung, sondern vor allem ein überfälliger Warnschuss.

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Für Noch-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mag es schade sein: Er wird sich nun nicht Anfang 2012 mit dem plakativen Rekordergebnis von zehn Milliarden Euro verabschieden können. Ob es zumindest noch das beste Ergebnis in der Geschichte der Bank wird – wenn auch weniger als zehn Milliarden – werden die nächsten Wochen zeigen. Schon das wäre bemerkenswert. Für Häme ist so oder so an dieser Stelle kein Platz.

Wenn die Kurse an den Kapitalmärkten einbrechen und die tief verunsicherten Kunden sich mit Geschäften zurückhalten, kann auch die Deutsche Bank nicht so viel mehr verdienen. Das ist ein gutes Zeichen, kein schlechtes. Es spricht für eine gewisse Anpassung an die wirtschaftlichen Realitäten. Die Zeiten, in denen ein Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung einer Bank regelmäßig ein Eigenleben führte, nämlich der mit den oft waghalsigen Handelsgeschäften auf eigene Rechnung, sind vorbei. Auch die Deutsche Bank hat den Eigenhandel abgeschafft.

Ackermanns Kalkül

Ein Zehn-Milliarden-Ergebnis hätte noch aus einem anderen Grund nicht in die Zeit gepasst – und hier mögen taktische Überlegungen bei Vorstands-Chef Ackermann eine Rolle gespielt haben. Ein solches Ergebnis hätte die Forderungen an und von Politik und Regulatoren nach härteren Eingriffen in die Geschäftsmodelle der großen internationalen Banken erhöht.

Schon so werden die Stimmen kaum verstummen, die eine Trennung des riskanten Investmentbankings und der verhältnismäßig stabilen Privat- und Geschäftskundeneinheiten fordern. Mit der Rücknahme des Gewinnziels hat Ackermann seinen beiden Nachfolgern das Leben erleichtert – zumindest ein wenig.