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Der Mann, der Google-User glücklich macht

Daniel M. Russell hat eine bemerkenswerte Visitenkarte, auf der "Director of User Happiness" steht. Damit ist er bei Google für glückliche Nutzer zuständig und erforscht, wie Menschen die Suchmaschine nutzen – und an welchen Hürden sie scheitern.

Foto: Google

Morgenpost Online: Wofür hat Google einen Director of User Happiness?

Daniel M. Russell: Meine Aufgabe ist es eigentlich zu sehen, wie Menschen über Google suchen, wie effektiv sie dabei vorgehen und welche Probleme sie haben. Es ist schon merkwürdig, welche Vorstellungen einige Nutzer haben.

Morgenpost Online: Was meinen Sie damit?

Daniel M. Russell: Nicht wenige denken, dass es bei Google wirklich jemanden gibt, der die Antworten zu den Suchanfragen eintippt. Viele haben aber den Eindruck, dass es magisch zugeht in unserer Suchmaschine.

Morgenpost Online: Ist das ein Problem?

Daniel M. Russell: Ja, weil sie dann auch nicht wissen, wie die Suchmaschine richtig zu bedienen ist. Wir mühen uns daher, genau das zu vermitteln.

Morgenpost Online: Auf Ihrer Startseite sieht man nur den Google-Schriftzug und ein Suchfeld.

Daniel M. Russell: Ich bemühe mich, das zu ändern und etwas mehr Erklärung auf die Seite zu bekommen. Wir bieten schon heute Lehrgänge für Lehrer an, die das Wissen zur Internetsuche dann an Schüler weitergeben können. Die richtige Suche im Netz sollte heute eigentlich Teil der Allgemeinbildung sein.

Morgenpost Online: Warum mühen Sie sich so, Ihre Nutzer zu verändern? Wäre es nicht besser, Google entsprechend anzupassen?

Daniel M. Russell: Wir machen das. Ich arbeite in beide Richtungen. Sie können sicher sein, dass ich meine Erkenntnisse an unsere Software-Ingenieure weitergebe und sie in unserer Suchtechnologie berücksichtigt werden. Aber wir können nicht hellsehen. Wenn Sie nach Jaguar suchen, können Sie das Tier, das Auto oder auch das Apple-Betriebssystem meinen.

Morgenpost Online: Warum fragen Sie die Nutzer nicht einfach, was sie meinen?

Daniel M. Russell: Wir haben das versucht und festgestellt, dass die meisten Nutzer das nicht mögen. Wir experimentieren viel auf unseren Antwortseiten, um zu sehen, womit die Nutzer am glücklichsten sind. Wir beobachten jeden Tag, ob sich die Geschwindigkeit ändert, in der die Anwender fündig werden.

Morgenpost Online: Was ist der häufigste Fehler Ihrer Nutzer?

Daniel M. Russell: Viele sind zu technisch. Sie denken zu kompliziert und nutzen plötzlich in ihrer Suche Wörter, die sie normalerweise nie aussprechen, und die häufig auch nicht treffend sind. Bei einem Armbruch wird plötzlich nach Frakturierung gesucht. Besser ist es, allgemein verständliche Begriffe aus der Schriftsprache zu benutzen.

Morgenpost Online: Bei welchen Fragen muss Google passen?

Daniel M. Russell: All die Angelegenheiten, die deutsche Philosophen auf den Tisch gebracht haben, sind für Google eher schwierig, darunter die Frage nach dem Sinn des Lebens. Es kann immer mal passieren, dass jemand bei seiner Suche nicht weiterkommt. Ein guter Google-Anwender sollte erkennen, wann es besser ist, mit einem Experten zu sprechen.

Morgenpost Online: Kann Google die Zukunft voraussehen?

Daniel M. Russell: In gewisser Weise kommen wir dem schon sehr nah. Wir haben festgestellt, dass die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe Anhaltspunkt für die Häufigkeit von Grippefällen sein kann. Google sagt vielleicht nicht die Zukunft voraus, aber es gibt gute Hinweise.

Morgenpost Online: Wie geht es mit Euro weiter?

Daniel M. Russell: Da muss auch Google passen.

Morgenpost Online: Auf wie viele Suchanfragen kommt ein durchschnittlicher Nutzer?

Daniel M. Russell: Die meisten Nutzer schicken eine bis drei Suchanfragen täglich ab.

Morgenpost Online: Macht uns Google dumm, wenn wir unser Gedächtnis nicht mehr anstrengen?

Daniel M. Russell: Natürlich macht uns Google nicht dumm. Es gibt so viel, das wir mit unserer Suchmaschine nicht erfassen können. Viele Fragen werden Google auch erst gar nicht gestellt, weil es sinnlos wäre. Hatte nicht Plato darüber geschrieben, dass die Schrift uns dazu verleitet, nicht mehr kritisch zu denken? Jede Technologie hat Befürchtungen hervorgerufen. Filme sollten unsere Vorstellungskraft zerstören. All dies ist nicht geschehen.