EU-Währungskommissar

"Die Krise hat den Kern der Euro-Zone erfasst"

EU-Währungskommissar Rehn rechnet mit einem Übergreifen der Krise auf den Kern der Euro-Zone. Er dringt auf den schnellen Abbau der Schulden.

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Die Euro-Schuldenkrise zieht EU-Währungskommissar Olli Rehn zufolge inzwischen auch den harten Kern der Euro-Länder in Mitleidenschaft. „Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen machen“, sagte Rehn bei einer Konferenz in Brüssel.

Das Vertrauen der Finanzmärkte könne auf Dauer nur über einen Abbau der Staatsverschuldung zurückgewonnen werden. Dazu gebe es keine Alternative. „Man kann keine Wachstumsstrategie auf weiter steigenden Schulden aufbauen, wenn die Fähigkeit, die Schulden zu bezahlen, an den Märkten infrage gestellt wird“, ergänzte er.

Die meisten deutschen Unternehmen befürchten trotz der Euro-Schuldenkrise im kommenden Jahr keine scharfe Rezession. Rund die Hälfte setze für 2012 auf eine stabile Produktion, etwa 31 Prozent auf Zuwächse und 19 Prozent auf ein Minus, wie aus einer Umfrage des arbeitgebernahen IW-Instituts unter rund 2600 Firmen hervorgeht. Damit sei die Zahl der Optimisten binnen sechs Monaten deutlich gesunken.

Deutlich nachlassende Dynamik

Unterm Strich sieht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für 2012 zwar eine deutlich nachlassende Dynamik und eine „gestiegene Rezessionsgefahr, aber noch keine Rezession“. Die Forscher sagen einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um ein Prozent voraus.

Die Firmen blicken wegen der erwarteten Konjunkturflaute deutlich pessimistischer auf das Exportgeschäft und geben sich per Saldo zurückhaltender bei ihren Investitionen. Der Arbeitsmarkt dürfte nach IW-Schätzung aber glimpflich davonkommen. Denn fast jeder vierte Betrieb plane für 2012, sein Personal aufzustocken, nur jedes siebte Unternehmen rechne mit Stellenabbau.

Verunsicherung an den Kapitalmärkten

An den Kapitalmärkten waren zuletzt nicht nur die Zinsen von Italien und Spanien, die wegen ihrer Fehlentwicklungen schon länger im Visier der Märkte sind, gestiegen. Auch Frankreichs Aufschlag bei zehnjährigen Anleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen erreichte mit fast zwei Prozentpunkten in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Bestehen der Währungsunion. Auch von Österreich und den bisher als grundsolide betrachteten Euro-Staaten Niederlande und Finnland verlangten die Investoren höhere Risikoprämien.

Die Ratingagentur Moody's warnte unterdessen erneut, Frankreich könnte die Bestnote „AAA“ verlieren. Die Kreditwürdigkeit des Landes könne sich verschlechtern, wenn es dauerhaft höhere Zinsen für seine Anleihen zahlen, während sich die Wachstumsaussichten gleichzeitig eintrüben. Moody's hatte bereits Mitte Oktober einen ähnlichen Warnschuss abgegeben, Frankreich bisher aber noch nicht auf einen negativen Ausblick gesetzt, was einer tatsächlichen Herabstufung vorangehen würde.