Ferrari-Chef

"Ich bin bereit, mehr Steuern zu zahlen"

Ferrari-Boss Luca Cordero di Montezemolo werden politische Ambitionen nachgesagt. Höhere Steuern würde er zahlen, aber er stellt auch Bedingungen.

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Morgenpost Online: Mit Berlusconi sind Sie zuletzt hart ins Gericht gegangen. Wird mit der Expertenregierung Mario Montis nun alles besser?

Luca Cordero di Montezemolo: Das gestern war ein guter Tag für unser Land. Es ist positiv, dass wir eine kompetente Regierung haben und einen fähigen Regierungschef, der international geschätzt wird.

Morgenpost Online: Was muss die Regierung in den kommenden Monaten machen?

Montezemolo: Es steht mir nicht zu, der Regierung Vorgaben zu machen. Aber die Prioritäten sind klar und Europa hat sie Italien vorgegeben: Die Schulden müssen reduziert und das Wachstum angekurbelt werden. Kürzungen dürfen nicht allein die Schwachen treffen.

Morgenpost Online: Eine schwere Aufgabe. Italien gilt in Europa als Sanierungsfall.

Montezemolo: Wir sind ein großes Land, exportieren viel, unsere Firmen sind überall in der Welt präsent. Italien hat ein großes Potenzial. Es ist wichtig, dass wir all das nun verwerten und ein Klima der Geschlossenheit schaffen.

Morgenpost Online: Italiener gelten als reformscheu. Was ist mit Ihnen? Werden Sie die Reformen mittragen?

Montezemolo: Wir müssen die Wahrheit sagen. Wenn der Staat Opfer verlangt, dann muss er mit gutem Beispiel vorangehen: Verschwendung muss enden, Kosten der Politik minimiert werden, es muss das verkauft werden, was verkauft werden kann. 80 Prozent der Dinge, die getan werden müssen, muss der Staat tun.

Morgenpost Online: Es wird diskutiert, eine Vermögenssteuer einzuführen. Das würde Sie besonders treffen.

Montezemolo: Ich bin bereit, mehr Steuern zu zahlen. Wer mehr hat, muss mehr geben. Aber zwei Bedingungen habe ich: Der Staat muss voranschreiten. Zum zweiten möchte ich wissen, wohin mein Geld fließt: Wenn mein Geld zu Bedürftigen fließt oder Investitionen in Schulen und in die Zukunft – herzlich gerne. Nicht, wenn es verschwendet wird.

Morgenpost Online: Die Expertenregierung Monti soll nur bis 2013 im Amt bleiben. Wie verhindert man, dass der alte Trott dann wieder einreißt?

Montezemolo: Wir brauchen eine neue politische Klasse. Man kann nicht glauben, dass die Führungskräfte der zweiten Republik noch in der dritten Republik eine Führungsrolle übernehmen können.

Morgenpost Online: Eines der Grundprobleme Italiens ist, dass es wenig für Wettbewerb geöffnet ist. Wird sich das ändern?

Montezemolo: Monti hat immer für Wettbewerb geworben. Ich erwarte, dass es Privatisierungen und Liberalisierungen gibt.

Morgenpost Online: Sie sind Teilhaber der Bahngesellschaft NTV, die kommendes Jahr in Konkurrenz zur staatlichen Trenitalia tritt. Sie haben sich oft beschwert, dass NTV behindert wird.

Montezemolo: Bis heute haben wir große Schwierigkeiten. Wir fordern eine Wettbewerbsbehörde, die die Einhaltung der Regeln beaufsichtigt. Es ist derzeit so, als würde Juventus Turin gegen den AC Mailand spielen, doch der Trainer von Juve ist gleichzeitig Schiedsrichter. Das geht nicht.

Morgenpost Online: Wollen Sie mit NTV auch ins Ausland expandieren?

Montezemolo: Ja. Man kann grundsätzlich etwas in Europa machen. Doch wir haben noch nicht begonnen, daran zu arbeiten. Es wäre, als würde man an die Krawatte denken, aber noch kein Hemd anhaben. Wir ziehen jetzt das Hemd an.

Morgenpost Online: Ihre Krawatte ist Ferrari-rot heute.

Montezemolo: Ich bin in Feierstimmung. Am Dienstag habe ich mein 20-jähriges Jubiläum bei Ferrari gefeiert.

Morgenpost Online: Glückwunsch. Wird es einen Börsengang als Jubiläumsgeschenk geben?

Montezemolo: Das ist nicht vorgesehen. Wie viel ist Ferrari aus Ihrer Sicht wert?

Morgenpost Online: Sie behaupten, es seien fünf Milliarden Euro.

Montezemolo: Mindestens. Trotzdem: Es gibt keine Börsenpläne.