Euro-Krise

Der Stresstest für die Banken ist längst überholt

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Sebastian Jost

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Es ist gerade einmal drei Wochen her, dass die EU zum Befreiungsschlag für die Banken ausholte. Jetzt zeigt sich, dass das nicht ausreichen konnte.

Die Serie der Demütigungen reist nicht ab. UniCredit, bis vor einigen Jahren als europäische Vorzeigebank gepriesen, musste einen Rekordverlust bekannt geben , ein dramatisches Sparprogramm steht an und die notwendige Kapitalerhöhung macht mehr als die Hälfte des Börsenwerts aus.

Und als wäre das noch nicht genug, kündigt Vorstandschef Federico Ghizzoni nun auch noch an, die EZB um einen einfacheren Zugang zu Zentralbank-Krediten zu bitten. Was sich nach einem technischen Detail anhört, ist ein Hilferuf. Offenbar droht manchen Akteuren der Finanzbranche das Geld auszugehen.

Da mag es in Europa eine hitzige Debatte darüber geben, ob die EZB endgültig zum Rettungsfinanzierer für klamme Staaten werden sollte, zum „lender of last resort“ – doch für viele Banken des Kontinents übernimmt die Zentralbank diese Funktion schon längst.

Weil es an Vertrauen fehlt, können sich viele Banken der Euro-Zone kaum noch Geld am Markt leihen. Die Zentralbank springt seit drei Jahren mal mehr, mal weniger in die Bresche, indem sie praktisch unbegrenzte Darlehen vergibt.

Einzige Bedingung ist, dass die Banken im Gegenzug Sicherheiten hinterlegen, in Form von Wertpapieren mit ausreichender Bonität. Schon länger wird gemunkelt, dass einzelnen Banken diese Sicherheiten bald ausgehen könnten. Lockert die EZB aber die Vorgaben und akzeptiert auch weniger sichere Wertpapiere, holt sie sich neue Risiken ins Haus.

Befreiungsschlag für die Banken

Dabei ist es gerade einmal drei Wochen her, dass die EU-Regierungen zum Befreiungsschlag für die Banken ausholten. Eine schnelle Erhöhung der Kapitalpolster sollte die Geldhäuser in den Augen der Investoren sicherer machen und das Misstrauen ausräumen.

Doch die Probleme der Euro-Zone haben die Szenarien dieses Stresstests längst überholt. Die Schieflage eines Landes wie Italien und die damit einhergehenden Verwerfungen könnten viele europäische Banken auch mit noch mehr Eigenkapital nicht überstehen.

Mit der kurzfristigen Verschärfung der Kapitalquoten hat sich Europa einen Kraftakt auferlegt. Viele Banken werden ihr Kreditgeschäft drosseln müssen, was die bereits angeschlagene Konjunktur belastet und die Überwindung der Krise somit weiter erschweren kann.

Der positive Effekt höherer Kapitalquoten wird sich dagegen erst langfristig bemerkbar machen. Europas Schuldenkrise bleibt zugleich eine Bankenkrise. Und die Probleme, die die Politik zu lösen hat, sind größer statt kleiner geworden.