Sabine Lautenschläger

Bundesbank wehrt sich gegen Banken-Zerschlagung

Die Vize-Präsidentin der Bundesbank kritisiert die Aufspaltung von Investment- und Geschäftsbanken. Gefahren für das Finanzsystem seien nicht gebannt.

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Die Bundesbank hat Forderungen nach einer Zerschlagung deutscher Banken widersprochen. Eine Aufspaltung in Investment- und Geschäftsbanken würde das Risiko für das Finanzsystem nicht verringern, schreibt Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger in einem Beitrag für die „Financial Times Deutschland“.

„Tatsächlich wird man – die Möglichkeit einer sauberen Trennung beider Geschäftsarten unterstellt – für klassische Banken einige Gefahren reduzieren können. Gleichzeitig steigen aber andere Risiken“, schrieb Lautenschläger.

Auch nach solch einer Aufteilung könne daher der Staat gezwungen sein, Banken durch Milliardenhilfen zu retten. Lautenschläger bezweifelte, dass ein „Trennbankensystem“ vereinbar sei mit der Struktur der deutschen Wirtschaft.

"Nicht nur große Unternehmen, sondern der deutsche Mittelstand benötigt eine Vielfalt unterschiedlicher Dienstleistungen, auch solche, die dem Investmentbanking zugerechnet werden", so Lautenschläger. "Diese Vielfalt kann zu stabileren, langfristig angelegten Geschäftsbeziehungen zwischen Kunde und Bank führen, die der Bank und dem Kunden in schlechten Zeiten nutzen sollten."

Zudem sei in der Praxis die Trennung einer klassischen Bank vom Investmentbanking mit größten Schwierigkeiten verbunden. Es klinge einfach, Banken den Eigenhandel zu untersagen. Schwieriger werde es dann bei der Frage, was der Bank im Kundengeschäft erlaubt sein soll.

Bundesbank will Schattenbanken stärker regulieren

Die Deutsche Bundesbank will Schattenbanken stärker unter Kontrolle bringen lassen. Ihnen sollte es künftig nicht mehr möglich sein, wie Investmentbanken an den Märkten zu handeln, sich jedoch teilweise der Kontrolle zu entziehen, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret vor Bankern auf der Euro-Finanzwoche in Frankfurt am Main.

„Die Krise hat auf schmerzliche Art gezeigt, dass Schattenbanken ein systemisches Risiko darstellen“, sagte Dombret. Es sei daher an der Zeit, Regulierungslücken zu schließen und Licht ins Dunkel zu bringen. Zahlen des Bundesfinanzministeriums zufolge haben Schattenbanken einen Anteil von 25 bis 30 Prozent am Markt.

Als Schattenbanken werden in der internationalen Diskussion solche Finanzakteure bezeichnet, die nicht von der Finanzmarktregulierung erfasst werden. Gemeint sind damit vor allem Geldmarktfonds, Verbriefungen, Wertpapierleihen und Hedge-Fonds.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte in der Debatte um die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken vorgeschlagen. Dadurch sollten die Auswirkungen von Krisen auf den internationalen Finanzmärkten Verbraucher und Unternehmenskunden der Geldinstitute weniger stark treffen.