Solarunternehmen

Neuer Investor soll Berliner Firma Solon retten

Das verschuldete Berliner Solarunternehmen Solon verhandelt mit ausländischem Interessenten. Außerdem sollen Banken auf Forderungen verzichten.

Foto: Amin Akhtar

Das größte Solarunternehmen der Hauptstadt ist wohl nur durch einen neuen Eigentümer vor der Insolvenz zu retten. Nach Informationen von Morgenpost Online verhandelt Solon derzeit mit einem Interessenten aus dem Ausland über einen möglichen Einstieg. Gleichzeitig versucht das hoch verschuldete Unternehmen bei seinen Gläubigern einen Forderungsverzicht zu erreichen. Beide Fragen – ein neuer Investor und eine Linderung der Schuldenlast – müssen in den verbleibenden Wochen des Jahres gelöst werden. Sonst droht die Pleite einer Firma, die einst als Hoffnungsträger startete.

Vorstandschef Stefan Säuberlich sagte im Gespräch mit Morgenpost Online, dass es „solarinteressierte Institutionen“ gebe, die einen Einstieg bei Solon erwägen. Nach Informationen von Morgenpost Online soll es ein ausländischer Investor sein, der sein Interesse bekundet hat. Mit ihm wird dieser Tage verhandelt.

Solon ist seit mehr als einem Jahr in einer existenzbedrohenden Krise. Das Unternehmen hat rund 400 Millionen Euro Schulden.

Zudem läuft das Geschäft nicht gut, wie die aktuellen Quartalszahlen vom Dienstag zeigen. Demnach verbuchte die Firma in den ersten neun Monaten des Jahres einen operativen Verlust von 113 Millionen Euro. Ein Großteil kommt durch Abschreibungen zustande, die das Unternehmen auf Beteiligungen tätigen musste. Der Umsatz sank zwischen Januar und September 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 358 Millionen Euro. Bis Ende des Jahres soll ein Umsatz von rund 500 Millionen Euro erreicht werden.

Hartes Sanierungsprogramm

Allerdings ist das Unternehmen für eine ganz andere Größenordnung ausgelegt. Personal und Maschinenkapazität reicht für eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr – davon ist Solon jedoch weit entfernt. Derzeit setzt das Management um Vorstandschef Säuberlich und den Sanierungsexperten Walter Bickel, der im Oktober in den Vorstand aufrückte, einen harten Sparkurs um. So werden in der Adlershofer Zentrale knapp 70 Arbeitsplätze abgebaut. Zudem wickelt Solon gerade seinen Fertigungsstandort in den USA ab. Im hart umkämpften Solarmarkt versucht Solon sich jetzt als Spezialist für die Belegung mit Sonnenmodulen auf Industriedächern zu etablieren. Doch all dies reicht nicht aus.

„Eine Einigung mit unseren Kreditgebern allein reicht nicht aus. Wir brauchen auch neues Eigenkapital“, sagt Säuberlich. Es ist eine herkulische Aufgabe. Denn ein Unternehmen, das sich mit eigenem Geld an Solon beteiligt, wird dies nur tun, wenn der Schuldenberg abgetragen wird. Kurzfristig sind es rund 250 Millionen Euro. Für einen Teil der Summe, insgesamt 146 Millionen Euro, gibt es eine Bürgschaft des Bundes sowie der Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Diese Bürgschaft läuft am Jahresende heraus.

Nach Informationen der Morgenpost wird jetzt auch über einen Schuldenschnitt verhandelt. Konkret geht es darum, ob das Bankenkonsortium um die Deutsche Bank auf einen Teil der Forderungen verzichtet. Das aber werden die Geldhäuser nur tun, wenn sie überzeugt sind, dass mit dem neuen Investor das Überleben mittelfristig gesichert ist.

Zur Frage, ob mit den Banken über einen Schuldenverzicht verhandelt wird, wollte sich Säuberlich nicht äußern. Man sei mit den Verhandlungen innerhalb des gesteckten Zeitplans. Unklar ist bislang, ob im Falle eines teilweisen Kreditausfalls die Bürgschaft greift, die Solon im Jahr 2010 gewährt wurde. Ausgeschlossen ist es jedenfalls nicht, dass der Bund, der den Löwenanteil der Bürgschaft trägt, sowie die Länder Berlin und Mecklenburg dann in Anspruch genommen würden.

Solon leidet wie alle Unternehmen der deutschen Solarbranche unter einer Nachfrageschwäche. Daraus resultiert ein Verfall der Preise für die Sonnenmodule, in denen Strom produziert wird. Zudem heizen asiatische Firmen in Deutschland den Preiskampf an. Bereits am Montag legten Unternehmen wie Q-Cells und Solarworld teils verheerend schlechte Zahlen vor. Immerhin ist Solon nur zum Teil vom deutschen Markt abhängig. 83 Prozent des Umsatzes wird jenseits der Grenzen gemacht. In den ersten neun Monaten war Italien wichtigstes Absatzgebiet. Dort erzielten die Berliner einen Umsatz von fast 140 Millionen Euro, danach folgen mit 101 Millionen Euro die USA. Allerdings ist auch in diesen Ländern das Solargeschäft in hohem Maße von politisch definierten Förderprogrammen abhängig. Speziell in Italien kann keiner vorhersagen, wie es dort angesichts der Schuldenkrise weitergehen wird.

Die schlechte Geschäftslage führt auch dazu, dass in der Produktion in Adlershof nicht genug zu tun ist. Für die rund 100 Mitarbeiter aus der Fertigung gilt Kurzarbeit. Zwar wird weiterhin in drei Schichten gearbeitet; die Wochenarbeitszeit schrumpft jedoch auf 20 Stunden. Und das wird vorerst so bleiben. „Die Kurzarbeit werden wir bis ins erste Quartal 2012 beibehalten“, sagt Vorstandschef Säuberlich.