Warenhauskette

Ex-KarstadtQuelle-Chef will für Kaufhof bieten

Der Bieter-Wettstreit um Kaufhof weitet sich aus. Jetzt hat sogar Ex-KarstadtQuelle-Chef Urban seinen Handschuh in den Ring geworfen.

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Im Bieter-Rennen um den Kauf der Warenhauskette Kaufhof hat ein weiterer Investor sein Interesse angemeldet. Neben Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen und dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko will auch ein Konsortium um Ex-KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban die 109 Waren- und 15 Sporthäuser erwerben. Vergangene Woche reichte Urban bei Metro ein Übernahmeangebot für die 2,4 Milliarden Euro schwere Kaufhof-Kette ein.

Ein Metro-Sprecher bestätigte, dass Urban im Namen eines Konsortiums ein Angebot abgegeben und mit Konzernchef Eckhard Cordes gesprochen habe. Dies meldete am Wochenende zunächst die „Bild am Sonntag“. In der schriftlichen Offerte sei ein Kaufpreis genannt, das Papier sei ernst zu nehmen. Dem Vernehmen nach bezieht sich das Angebot allerdings zunächst nur auf einen Anteil von 51 Prozent der Warenhauskette.

Es gebe zudem die Option auf die Ausweitung auf 100 Prozent. Hinter dem Angebot sollen zwei namhafte deutsche Familien aus dem Immobilien- und dem erweiterten Handelsumfeld stehen. Zu Namen oder zum kolportierten Kaufpreisangebot von 2,4 Milliarden Euro sagte der Sprecher nichts. Dieselbe Summe war bereits im Zusammenhang mit dem Angebot der österreichisch-griechischen Signa-Gruppe für den Kaufhof genannt worden.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass das Urban-Konsortium mit seinem 51-Prozent-Angebot eine Chance hat. Schließlich könnte Metro an die anderen beiden Bieter Berggruen und Signa die gesamte Kette abgeben und somit deutlich höhere Erlöse erzielen. Somit müssen Urbans Geldgeber wohl nachlegen, wenn sie im Rennen bleiben wollen. Mit Wolfgang Urban kehrt einer der umstrittensten deutschen Warenhausmanager auf die große Bühne zurück. Zu den erfolgreichsten indes gehörte er nicht: Sowohl bei Kaufhof/Metro als auch bei Karstadt musste er vorzeitig gehen.

Controller Urban war Chef des Kaufhof und hatte es sogar bis zum Co-Chef der Muttergesellschaft Metro gebracht – bis Ende der neunziger Jahre seine Karriere im Metro-Konzern plötzliches zu Ende war. Über die Gründe gibt es keine offiziellen Erklärungen. Nach dem Rausschmiss wollte Urban offenbar beweisen, dass er das Metier sehr wohl beherrscht.

Urban hat Konzerkrise laut Experten verschlimmert

Er wechselte zur Schickedanz-Holding , der bald bestimmenden Macht beim Handels- und Touristikkonzern KarstadtQuelle. Dort übernahm Urban später die Leitung der Warenhauskette Karstadt, also des Konkurrenten seines ehemaligen Arbeitgebers Kaufhof. Nachdem sein Vorgesetzter, KarstadtQuelle-Chef Walter Deuss, im Jahr 2000 gehen musste, bekam Urban seine Chance.

Als Chef des 100.000-Mitarbeiter-Konzerns KarstadtQuelle schaffte es allerdings auch Urban nicht, die seit langem schwächelnden Kerngeschäfte des Universalhandels mit Quelle und Neckermann sowie die Karstadt-Warenhäuser wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Entschlossene Sanierungsbemühungen blieben aus. Daneben kaufte Urban für KarstadtQuelle Randgeschäfte hinzu, wie eine Beteiligung von 85 Prozent an der neu gegründeten Deutschland-Tochter der US-Kaffeehauskette Starbucks. Sie brachte KarstadtQuelle nur Verluste ein.

Auch stieg der Konzern unter Urban in den Sportsender DSF ein, übernahm Fitnessstudios und von Schickedanz für einen hohen Preis die Textilkette SinnLeffers. Die Konzernkrise hat Urban nach Ansicht vieler Experten mit seinen Einkaufszügen eher verschlimmert.

Fünf der Warenhaus-Immobilien verkaufte Urban zudem an den Projektentwickler Josef Esch, der daraus zusammen mit der Kölner Bank Sal. Oppenheim Steuer sparende Fonds machte, in die wohlhabende Familien einstiegen. Dazu zählten auch spätere KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff und seine Frau. Karstadt mietete die Häuser anschließend zurück. Allerdings zu derart hohen Mieten, dass der Konzern später eine Rückstellung im dreistelligen Millionenbereich schaffen musste, um die Mieten zahlen zu können.

Im Frühjahr 2004 wurde der bisweilen sehr emotionsgeladene Manager Urban – gerade mit einem neuen Millionen-Vertrag ausgestattet – an der Konzernspitze abgelöst, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Ein Jahr später verkaufte das neue Management im Existenzkampf nahezu alle Neuerwerbungen aus der Urban-Zeit wieder.

Cordes hält Einigung noch in diesem Jahr für unwahrscheinlich

Im Jahr 2009 musste der inzwischen in Arcandor umbenannte KarstadtQuelle-Konzern Insolvenz anmelden. Einer der Gründe dafür waren nach Einschätzung von Firmenkennern auch die Fehler und Versäumnisse aus der Urban-Ära. Grotesk: Sollte der Manager – was anzunehmen ist – finanziell selber am Angebot seines Konsortiums für die Übernahme von Kaufhof beteiligt sein, könnte ein Teil seiner Investition aus der Auszahlung seines vorzeitig aufgelösten Vertrages beim Konkurrenten Karstadt stammen.

Nach Einschätzung des scheidenden Metro-Chefs Cordes wird die Warenhauskette aber voraussichtlich aber nicht mehr in diesem Jahr den Besitzer wechseln. „Wir sind dabei, die Angebote zu prüfen. Wir sitzen aber noch nicht am Verhandlungstisch“, sagte Cordes in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Kaufhof gehört zu dem Düsseldorfer Handelskonzern.

Mit Interessenten für den Kaufhof gebe es viele Detailfragen zu klären, beispielsweise die Eigentumsverhältnisse bei den einzelnen Häusern. „Das müssen sie alles wissen, bevor sie überhaupt zum Geld kommen“, verdeutlichte Cordes die Sicht von Interessenten. Die Metro AG ihrerseits müsse als Verkäuferin sicher sein, dass Erwerber den Kaufpreis in Milliardenhöhe stemmen werden, und dies auch schriftlich bestätigt erhalten. „Wir müssen uns überzeugen können, dass die Partner wirklich finanzieren können.“ Für Kaufhof gibt es nach Cordes’ Darstellung mehr als zwei Interessenten.

„Es sind noch nicht alle Namen in der Öffentlichkeit bekannt “, sagte er. Um wen es sich handelt, ließ er offen. Angesprochen auf die spanische Warenhauskette El Corte Inglés meinte der Metro-Chef lediglich, es gebe seit vielen Jahren Kontakte, die „mal intensiver, mal weniger intensiv“ seien.

Der Kaufhof-Verkauf sei auch deshalb nicht einfach, weil mit Berggruen ein direkter Konkurrent auf den Plan getreten sei. In dem Verkaufsverfahren gehe es immerhin um sehr intime Unternehmensdaten bis hin zu Zahlen einzelner Standorte. „Ich sage nicht, dass wir mit Berggruen keinen Deal machen können, aber wir sollten erst dann volle Transparenz und Einsicht in unsere Bücher geben, wenn wir sicher sind, dass wir mit ihm auch einen Deal machen können“, meinte der Metro-Chef. Man bleibe aber im Gespräch mit Berggruen.

Mit Signa sei man ebenfalls im Gespräch und habe der Gruppe um Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko eine „gewisse Transparenz“ in Bezug auf den Kaufhof gewährt. Es habe nicht nur zu Benko, sondern auch zu Wendelin Wiedeking Kontakte gegeben. Der langjährige Porsche-Chef soll einem Pressebericht zufolge im Fall der Kaufhof-Übernahme durch Signa in den Aufsichtsrat der Warenhauskette einziehen.

Einschnitte im Filialnetz möglich

Beim Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof seien Einschnitte in die Filialnetze zu erwarten. Die Metro habe 2010 beim Interesse an einem Teil der Karstadt-Filialen geprüft, ob in der Folge auch einige Kaufhof-Filialen zu schließen gewesen wären, sagte Cordes im Rückblick. Eine Kombination habe damals Sinn ergeben. Metro gehe es aber heute nur noch um einen Verkauf, nicht mehr um weitergehende Überlegungen.

Im Kaufvertrag würde er zwar einem Erwerber keine Auflagen im Zusammenhang mit späteren Überlegungen bezüglich Partnerschaften oder Zusammenschlüssen machen, erläuterte Cordes. Aber es sei eine wichtige Bedingung, dass „wir den Eindruck haben, dass ein Käufer den Kaufhof verantwortlich führen und weiterentwickeln wird“. Es gehe schließlich auch um eine „sichere Zukunft für unsere Mitarbeiter, für die wir eine hohe Verantwortung haben“.

Dass erst jetzt Bewegung in den Kaufhof-Verkauf kommt, sei früheren makroökonomischen Umständen und einigen Sonderfaktoren rund um die Karstadt-Krise geschuldet gewesen. Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers habe 2008 große Finanzierungen unmöglich gemacht. Die Wirtschaftskrise habe 2009 überschattet. Die Karstadt-Pleite habe 2010 dazu geführt, dass Interessenten die Entwicklung beim Kaufhof-Konkurrenten abwarten wollten. „Rein in die Krise, Krisenjahr, Karstadt-Jahr“, fasste Cordes zusammen. 2011 habe Metro dann einen neuen Anlauf genommen.

Wenn sowohl die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die Finanzierungsmöglichkeiten so bleiben wie sie derzeit sind, dann liege die Wahrscheinlichkeit bei über 50 Prozent, dass der Kaufhof- Verkauf im nächsten halben Jahr über die Bühne gehe.

Unter Zugzwang sieht sich der Vorstandschef, der Beobachtern zufolge noch in diesem Jahr bei der Metro ausscheiden könnte, dabei nicht. „Der Kaufhof wird auch 2011 ein Ergebnis über dem des Vorjahres haben“, betonte er.