Georg Fahrenschon

Wie ein Bayer das Sparkassen-Image aufpolieren soll

Nach siegreichem Zweikampf geht die Arbeit erst los: Die Sparkassen erhoffen sich viel von Bayerns Ex-Finanzminister Georg Fahrenschon.

Foto: dpa

Woran mag er gedacht haben, als er seinen Rücktritt als bayerischer Finanzminister verkündete? Georg Fahrenschon leistete sich dabei einen freudschen Versprecher: Er lege „das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten nieder“, sagte er. Vielleicht, weil der 43-Jährige insgeheim die Hoffnung begrub, einmal erster Mann im Freistaat zu werden?

Denn bisher war die CSU die berufliche Heimat des künftigen Sparkassenpräsidenten. Sein Abschied aus der Politik ist für ihn „emotional hoch belastet“. Im Alter von 20 Jahren trat er in die Partei ein und kletterte danach die Karriereleiter vom Bürgermeister bis zum Bundestagsabgeordneten empor.

2008 machte ihn der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer zum Finanzminister und damit zum stärksten Mann im Kabinett . Spätestens seit dieser Zeit galt Fahrenschon als potenzieller Ministerpräsident – vor allem bei denen, die seine ruhige Art und sein Fachwissen schätzten. Eine klassische, zielstrebige und ungebrochene Parteikarriere.

Dennoch passte Fahrenschon nie ins Klischee des polternden CSU-Politikers. Er war aber auch nie das eitle politische Alpha-Tier, das sich mit Brutalität seinen Weg bahnt. Dazu ist der Vater zweier kleiner Kinder zu kopfgesteuert. Deshalb blieb er politisch eher blass, deshalb machte ihn Seehofer aber auch zum Krisenmanager der Bayerischen Landesbank.

Als sich in der Ära Stoiber das staats- und (damals noch) sparkasseneigene Geldinstitut zum Global Player aufschwang und Milliarden Euro verbrannte, war Fahrenschon weit weg in Berlin. Derart unbelastet sollte er die Bank unter Seehofer in die Zukunft führen. Dass Fahrenschon als junger Diplom-Ökonom bei der Landesbank einmal das Fachreferat Risiko- und Controllingprozesse geleitet hatte, erschien wie eine ironische Volte.

Die Landesbank-Untersuchungsausschüsse überstand er unbeschadet, selbst die Opposition zollt ihm Respekt. Dennoch blieb das Verhältnis zu Seehofer nicht spannungsfrei. Der CSU-Chef verdonnerte Fahrenschon jüngst aus parteitaktischen Gründen dazu, eine Absenkung des Solidarbeitrags durchzurechnen, obwohl auch er der kalten Progression in Einkommensteuertarif den Kampf angesagt hatte.

So erschien es nur plausibel, dass Fahrenschon die Signale aus dem Sparkassenverband gern hörte. Alles passte: Die Aussicht, der eigene Chef zu sein, mehr Zeit für die Familie zu haben und mehr zu verdienen. Dafür nahm er – gegen seine Art – in Kauf, seinen Chef in der Staatskanzlei zu verärgern. Fahrenschon wirkt nicht unglücklich dabei.

Sparkassen erhoffen sich Fingerspitzengefühl

In Berlin wird er mit offenen Armen empfangen. Die Funktionäre im Sparkassenverband atmeten tief auf, als die Kampfkandidatur zwischen dem Bayern und seinem Kontrahenten Rolf Gerlach in dieser Woche ein schnelles Ende fand. Der 58-Jährige Westfale hatte das Feld geräumt, als abzusehen war, dass sich die Mehrheit der 24 Stimmberechtigten für den Bayern entscheiden würde.

Für Gerlach sprach, dass er 17 Jahre lang an der Spitze der westfälischen Sparkassen stand und die komplexe Organisation wie seine Westentasche kennt. Doch seine rigorose Verhandlungsführung im WestLB-Debakel hat in der Politik viel verbrannte Erde hinterlassen. Genau da erhofft man sich von Fahrenschon Fingerspitzengefühl: Er soll den Sparkassen in Brüssel zu einem besseren Ansehen verhelfen.

Welche eigenen Schwerpunkte er für das Amt setzen will, ist noch unklar. Eine öffentliche To-do-Liste hat er allerdings schon mit auf den Weg bekommen – ausgerechnet von seinem Konkurrenten Gerlach: Einen Tag nachdem er seine eigene Kandidatur zurückgezogen hatte, stellte bei einem Kongress in Frankfurt jenes Konzept vor, das er selbst als Präsident hätte umsetzen wollen: Konsolidierungen bei den Landesbausparkassen, Versicherern und Servicegesellschaften, Optimierung der IT und eine sektorübergreifende Produktion der Sparkassencard – unter dem Strich wollte Gerlach mehr als 1,5 Milliarden Euro einsparen.

„Er spricht damit die richtigen Baustellen an, aber indem er es genau einen Tag nach seinem Rückzug bekannt gab, sieht es so aus, als ob er Fahrenschon eins auswischen wollte“, sagt ein Sparkassenfunktionär. Ohne Gegenkandidaten wird Fahrenschons Wahl am 30. November wohl unspektakulär. Die größere Hürde dürfte da die Abstimmung am Küchentisch gewesen sein: Als ihm das letzte Mal ein Job in Berlin angeboten wurde, soll seine Frau ihr Veto eingelegt haben – dieses Mal dürfte sich Fahrenschon ihre Zustimmung im Vorhinein gesichert haben.