Milliardenübernahme

Universal Music schluckt Beatles-Label EMI

Das kriselnde Kultlabel EMI wird aufgespalten. Für die berühmten Tonträger seines Rivalen greift Universal Music richtig tief in die Tasche.

Das jahrelange Ringen um die Zukunft des britischen Musikkonzerns EMI ist vorbei: Die Plattenfirma Universal Music übernimmt das Tonträgergeschäft des Londoner Rivalen, der in den 60er-Jahren die Beatles groß herausgebracht hat, für 1,2 Milliarden Pfund (1,4 Milliarden Euro). Das bestätigte am Freitag der französische Universal-Mutterkonzern Vivendi.

Der andere Geschäftszweig des Unternehmens, der lukrative Musikrechte-Katalog, soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters an ein Konsortium unter der Führung des japanischen Elektronikkonzerns Sony gehen. Experten gehen von einem Kaufpreis von 2,2 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) aus. Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann geht damit in letzter Minute doch leer aus. BMG Music Publishing, ein Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann und dem Finanzinvestor KKR, galt lange als aussichtsreichster Bieter.

Zu EMI Music gehören unter anderem die Labels Blue Note und Virgin Records. Bekannte Künstler sind Katy Perry, Norah Jones und Snoop Dogg, aber auch Bands wie die Beatles, Coldplay, Depeche Mode und die Gorillaz. Seit das 114 Jahre alte Musikunternehmen vor vier Jahren vom britischen Finanzinvestor Terra Firma übernommen wurde, war der Konzern in der Krise. Terra Firma hatte kurz vor Ausbruch der Finanzkrise mit 4,2 Milliarden Pfund viel zu viel für EMI gezahlt und die Musikfirma anschließend mit hohen Schulden belastet, die das Unternehmen zu erdrücken drohten .

Viele bekannte Künstler wie die Rolling Stones, Snow Patrol und Mando Diao verließen das Label. Im Februar konnte Terra Firma die Zinsen für EMI nicht mehr bezahlen. Der Musikkonzern fiel an die US-Gläubigerbank Citigroup . Diese machte sich daran, EMI so schnell wie möglich zu verkaufen. Weil die Gebote für EMI als Ganzes zu niedrig waren, hatte Citigroup beschlossen, den Konzern aufzuspalten.

„Wir glauben, dass die Transaktion Citis Bestreben entgegen kommt, den Wert von EMI zu maximieren“, sagte Stephen Volk, EMI-Verwaltungsratchef und Vize-Verwaltungsratchef der Citigroup. Universal wisse EMIs „reiches, kulturelles Erbe“ zu würdigen.

Marktführer Universal baut Vorsprung aus

EMI ist das kleinste der vier großen, weltweit agierenden Plattenfirmen nach Universal, Sony Music und Warner. Marktführer Universal kann seinen Vorsprung gegenüber den Rivalen damit noch weiter ausbauen. Universal-Chef Lucian Grange zeigte sich erfreut über den englischen Zuwachs für seinen Konzern.

„Für mich als Engländer war EMI die unübertroffene Musikfirma, mit der ich groß geworden bin.“ Die Künstler von EMI und ihre Alben seien „der Soundtrack meiner Teenagerjahre“ gewesen. Er versprach, EMIs kulturelles Erbe und die künstlerische Vielfalt zu erhalten. Universal wolle „in die Künstler und Mitarbeiter investieren“ um EMI fit für die Zukunft zu machen.

Während bei Universal am Freitag Feierstimmung herrschte, gab es lange Gesichter bei Bertelsmann. Für BMG wäre die Übernahme ein Sprung in die erste Liga der Musikverlage gewesen. Mit 1,3 Millionen neuen Titeln hätte der Konzern seine Rechtebibliothek vervielfachten können.

EMI hält unter anderem die Rechte an Dauerbrennern wie „New York, New York“ oder dem aktuellen Adele-Hit „Rolling in the Deep“. Am Ende bekam offenbar doch Sony den Zuschlag. Der Elektronikkonzern konnte in letzter Minute seine Offerte erhöhen. Die Schweizer Großbank UBS hatte Sony mit einem Milliardenkredit unterstützt.

Für das Tonträgergeschäft war Universal ebenfalls lange nicht der eigentliche Favorit. Die besten Kaufchancen wurden dem Milliardär Len Blavatnik eingeräumt, dem der EMI-Rivale Warner Music gehört. Blavatnik hatte aber offenbar wegen eines Streits um die Pensionsverpflichtungen bei EMI einen Rückzieher gemacht. Das Problem ist Gerüchten zufolge nun offenbar geklärt. Verhandlungskreise bestätigten, Citigroup werde die Altersvorsorge der EMI-Mitarbeiter übernehmen.