Entsorgung

Gelbe Tonne und gelber Sack werden abgelöst

Bei der Mülltrennung kommen auf die Bürger Veränderungen zu. Gelbe Tonne und gelber Sack werden durch eine neue Wertstofftonne ersetzt.

Foto: ddp

Mülltrennen ist den Deutschen wichtig. 90 Prozent der Bundesbürger sehen in der strengen Verteilung ihrer Abfälle in grüne, gelbe, blaue und graue Tonnen ihren größten persönlichen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Das zeigen Untersuchungen von Meinungsforschern. Entsprechend aufgeschlossen stehen die Deutschen der geplanten Einführung der sogenannten Wertstofftonne gegenüber. Laut einer aktuellen Umfrage von Forsa im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) halten knapp 80 Prozent der 1000 Befragten die Wertstofftonne für sinnvoll.

Spätestens 2015 soll sie in jedem Haushalt zur Verfügung stehen. So sieht es der Entwurf des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes vor, über das Ende des Monats im Bundesrat verhandelt wird. Eine neue Tonne muss dabei nicht aufgestellt werden, der Wertstoffbehälter ersetzt vielmehr das Sammelsystem mit gelber Tonne und gelbem Sack . Statt wie bislang nur die Verpackungen mit dem Grünen Punkt können die Bundesbürger dann auch andere Kunststoffe und Metallgegenstände – etwa altes Spielzeug – in die neue Tonne einwerfen. Rund sieben Kilogramm zusätzliches Recyclingmaterial sollen dadurch pro Einwohner und Jahr zusammenkommen.

Mit dem neuerlichen Ausbau des Recyclings will Bundesumweltminister Norbert Röttgen Deutschlands Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren. „Die Abfälle von heute sind die wertvolle Sekundärrohstoffe von morgen“, sagt der CDU-Politiker. Der Opposition allerdings gehen die Ziele des Ministers noch nicht weit genug. Aktuell sieht der Gesetzentwurf eine Recyclingquote von 65 Prozent bis zum Jahr 2020 vor. Im Moment liegt der Wert bei rund 64 Prozent. „Wir brauchen ein ernst gemeintes Primat für die stoffliche Verwertung“, schimpft Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Ähnlich argumentieren auch die Entsorger. „Die Quote ist viel zu niedrig“, sagt BDE-Präsident Peter Kurth. Ziel müsse sein, 100 Prozent der wieder verwertbaren Materialien auszusortieren. Und recyclingfähig seien am Ende bis zu 90 Prozent des Abfalls. Durch die wenig ambitionierte Quote der Regierung werde hierzulande noch zu viel wertvoller Müll verbrannt. „Diese Ressourcenverschwendung kann sich Deutschland aber nicht leisten“, meint der Lobbyist.

Mit intensiven Sammlungen in Deutschland ist es nach Ansicht des BDE aber nicht getan. Der Verband plädiert, für Müll die Grenzen zu öffnen: Aktuell sind Abfall-Importe nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich – trotz des Grundsatzes der Warenfreiheit innerhalb der Europäischen Union. „Wenn wir tatsächlich das Potenzial heben wollen, das im europäischen Abfallberg steckt, muss die Politik ein konsequentes Verständnis für die Ressource Abfall als Ware entwickeln“, fordert Kurth.

In etlichen Ländern Süd- und Osteuropas liege die Recyclingquote gerade mal im einstelligen Bereich. „Dort wird noch immer viel auf Deponien gebracht“, weiß Kurth. Da seien Müll-Transporte nach Deutschland die bessere Lösung. Die Bundesbürger allerdings sehen das anders. In der Forsa-Umfrage jedenfalls lehnen 45 Prozent der Befragten erleichterte Importregelungen für Müll ab.