Allianz

Versicherungen fürchten das italienische Virus

Abschreibungen auf griechische Anleihen haben die Allianz viel Geld gekostet. Verschärft sich die Krise in Italien, wackelt die ganze Branche.

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Wenn Oliver Bäte über Italien spricht, wird er fast emotional. Die Spekulation sei „völlig überzogen“, sagt der Finanzvorstand des größten deutschen Versicherungskonzerns Allianz in einer Telefonkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen sichtlich verärgert. Italien sei wirtschaftlich kerngesund . Die Politik müsse endlich den Spekulanten einen Riegel vorschieben.

Das sind ungewöhnlich klare Worte für einen Konzern, der selbst als einer der größten Investoren der Welt auftritt. Doch Italien ist ein sensibles Thema für die Allianz. Schließlich ist sie am italienischen Markt die Nummer Zwei unter den Versicherern. Bäte zeigte sich optimistisch, dass die Situation in den Griff zu bekommen ist.

Und augenzwinkernd fügte er hinzu: „Nein, ich bekomme keine Provision von der italienischen Regierung, um ihr Land schönzureden.“ Wenig schönzureden gibt es allerdings auch bei den Quartalszahlen, die der Konzern vorlegte: Der Überschuss brach um satte 80 Prozent auf nur mehr 258 Millionen Euro ein – im Vorjahresquartal hatte die Allianz noch 1,2 Milliarden Euro verdient. Verursacht hatten den Rutsch hohe Abschreibungen auf Aktien und Wertpapiere sowie auf griechische Staatsanleihen. Hinzu kommt eine höhere Steuerquote.

Sollte Italien das gleiche Schicksal wie Griechenland ereilen, kämen auf den Münchner Dax-Konzern extreme Belastungen zu. „Einen ähnlichen Abschlag wie auf griechische Anleihen könnten die Versicherungen nicht verkraften“, sagt Carsten Zielke, Versicherungsstratege der Großbank Société Générale. Das gilt in besonderem Maße für die Allianz, denn sie hat mit 25 Milliarden Euro das größte Italien-Portfolio der deutschen Versicherungen.

Aber auch die anderen Häuser würde Italien in die Bredouille bringen. In Griechenland hielt die deutsche Assekuranz laut Zahlen des Finanzministeriums vom Juni 2011 nur 0,22 Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen – in Italien halten sie 1,6 Prozent.

Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Eigenbestände und beinhalten nicht jene Bestände, die Versicherer für ihre Kunden halten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV zeigt sich dennoch gelassen: „Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der aktuellen Ereignisse in Italien für die deutschen Versicherer überschaubar sind.“

Hohe Abschreibungen nach Börsencrash

Doch die Anleihen sind nur die eine Seite der Medaille. Probleme könnte auch das direkte Geschäft der Versicherer in Italien bringen: Denn Sparprogramme und schlechte Konjunkturaussichten könnten das Kundengeschäft bremsen. 2010 nahm die Allianz über 13 Prozent des Prämienvolumens in der Lebensversicherung dort ein. Konkrete Zahlen, in welchem Ausmaß die italienische Konzerntochter zum Gewinn beiträgt, weist das Unternehmen nicht aus.

Bäte glaubt nicht, dass Italien zum Problemfall werden kann. Man habe deswegen weder das Portfolio abgebaut, noch Abschreibungen vorgenommen. Griechische Anleihen hat der Konzern hingegen nur mehr mit 39 Prozent ihres Nennwertes in den Büchern stehen. Ursache des Gewinneinbruchs im abgelaufenen Quartal waren neben einer ungewöhnlich hohen Steuerquote Abschreibungen auf Aktien . Schließlich seien die Börsen um 25 Prozent und der Finanzsektor um 40 Prozent und mehr abgesackt, so Bäte. Das habe die Beteiligungen an der Commerzbank und der italienischen UniCredit getroffen.

Auch die Beteiligung am US-Versicherer Hartford brachte Verluste. Das operative Geschäft brachte hingegen kaum Enttäuschungen: Hier fiel das Quartalsergebnis um sieben Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Vor allem niedrigere Anlageerträge in der Lebens- und Krankenversicherung wirkten sich mit 224 Millionen Euro negativ aus. Das größte Segment, die Schaden- und Unfallversicherung, blieb stabil.

Größte Schäden waren im dritten Quartal drei Stürme in Deutschland, die zusammen 230 Millionen Euro Belastung brachten. Die Vermögensverwaltung konnte ihr Ergebnis sogar leicht steigern. Händler sagten, im Tagesgeschäft sei es besser gelaufen als erwartet. Deswegen legten die Allianz-Aktien, die seit Mitte Februar rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt haben, im Tagesverlauf des Freitags zu. Für dieses Jahr bekräftigte das Management, auf einen operativen Gewinn von 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro kommen zu wollen. Der Überschuss dürfte 2011 deutlich unter den gut fünf Milliarden aus dem Vorjahr liegen.

Bis Ende September waren es erst 2,24 Milliarden Euro. Das könnte eine sinkende Dividende nach sich ziehen. Bäte wollte noch nicht konkret werden. Er sagte aber, dass die Allianz nicht wie sonst üblich nur 40 Prozent des Gewinns an die Aktionäre ausschütten werde.

Dank der guten Kapitalausstattung sei 2011 – zumindest relativ gesehen – mehr drin. Gutes erwartet sich die Versicherung auch an anderer Stelle. Da die Bankenkrise manche Portfolien verkaufen müsste, könnten attraktive Schnäppchen abfallen: „Da könne wir profitieren“, hofft Bäte.