Italien

Mario Monti fordert radikalen Reformkurs ein

In Italien gilt es als abgemacht, dass Mario Monti die Führung einer Expertenregierung übernimmt. Monti dürfte einen radikalen Wandel einleiten.

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Es herrscht große Verwirrung im Flug von Mailand nach Berlin, als Mario Monti in der Kabine Platz nimmt. Der frühere EU-Wettbewerbskommissar wird an diesem Mittwoch in allen Zeitungen als möglicher Premierminister bezeichnet. Es wird getuschelt. Ein Passagier spricht ihn schließlich an: Ob er sich mit dem Flug vertan habe und nicht in die Hauptstadt Rom eilen wolle, fragt er. Monti beruhigt ihn: Er müsse ja nur schnell auf eine Konferenz.

Mittlerweile ist Monti in Rom eingetroffen und führt dort allerlei politische Gespräche. Es gilt in Italien als fest abgemacht, dass der 68 Jahre alte Wirtschaftsprofessor die Führung einer Expertenregierung übernimmt, die in Italien grundlegende Wirtschaftsreformen einleiten soll. Bereits am Wochenende könnte es soweit sein. Regierungschef Silvio Berlusconi will zurücktreten, sobald ein Reformpaket das Parlament passiert hat.

Die Erwartungen sind enorm. Die Chancen stünden gut, dass in Rom zumindest auf kurze Sicht wieder politische Stabilität einkehrt, schreiben Analysten der Commerzbank. Diplomaten, die zuvor Italien noch hart wegen mangelnder Reformbereitschaft kritisierten, sind erwartungsfroh.

Monti dürfte als Premier einen radikalen Wandel einleiten. Er ist in vielen seiner Eigenschaften das krasse Gegenteil Berlusconis. Er ist kein Menschenfänger. Intellektuell, reserviert, fast schon spröde kommt er rüber. Das sind klassische Eigenschaften, die Bewohnern der norditalienischen Wirtschaftsmetropole Mailand so nachgesagt werden.

Monti ist nur ein seltener Gast in den großen Fernsehtalkshows. Stattdessen schreibt er Kommentare für den „Corriere della Sera“ oder die „Financial Times“. In den vergangenen Jahren profilierte er sich als Wirtschaftsliberaler. Monti fordert harte Reformen ein. „Wachstum verlangt strukturelle Reformen. Man muss praktisch jeder gesellschaftlichen Gruppe Privilegien entreißen“, erklärte er in Berlin.

Er greift direkt Italiens Finanzminister Giulio Tremonti an, dessen vorsichtige wirtschaftspolitische Philosophie er ablehnt. „Es wurde versäumt, Italiens Produktivität und Wachstum anzukurbeln und soziale Ungleichgewichte zu korrigieren”, klagte er jüngst in einem Gastbeitrag für die „Financial Times“.

Monti verfügt über die notwendige Durchsetzungsstärke und den Handlungswillen, um Dinge zu ändern. Als EU-Wettbewerbskommissar in den Jahren 1999 bis 2004 hat er sich einen Ruf wie Donnerhall erarbeitet. Unvergessen ist, wie er den Microsoft-Konzern in die Schranken verwies und zur Zahlung der Rekordstrafe von 497 Mio. Euro verdonnerte. Als europäisches Muskelspiel wurde auch gewertet, als Monti die Fusion von General Electric und Honeywell verhinderte, die zuvor von den US-Behörden durchgewinkt worden war.

Kritische Worte gegenüber Europa, wie sie zuletzt Berlusconi gebrauchte, sind von Monti nicht zu erwarten. Im Gegenteil. „Falls Italien nicht Teil des Euro-Raums geworden wäre, hätten wir eine zwölfjährige Geschichte von hoher Inflation, weniger politischer Disziplin und weniger Respekt für kommende Generationen erlebt. Wir wären irrelevant“, sagte Monti. Er wird demnach alles tun, um den Verbleib Italiens in der Euro-Zone zu sichern – mehr wird von ihm auch nicht verlangt.

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