Rating-Panne

Frankreich-"Herabstufung" durch S&P lässt tief blicken

Der Mythos der Unfehlbarkeit der Ratingagenturen ist dahin. Bei Standard & Poor's drängt sich der Eindruck auf, da spiele jemand absichtlich mit dem Feuer.

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Spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist die Legende von der Unfehlbarkeit der Ratingagenturen dahin. Verantwortungslose Analysten vergaben hochspekulativen Finanzderivaten Bestnoten. Als die Derivate den Bach runtergingen, sahen die Agenturen keine Schuld bei sich.

Das ist Geschichte. Nur gelernt haben einige daraus nichts. Wie sonst kann es passieren, dass Standard & Poor's eine Mail an Kunden sendet, wonach Frankreichs Bonitätsnote geändert wurde? Da die Franzosen bisher ein "AAA" haben, kann es sich nur um eine Herabstufung handeln.

Seit wann schreiben Computer selbstständig Mitteilungen?

Dass S&P den Vorfall nun als Fehler bezeichnet, lässt tief blicken. Institutionen, die mit ihrem Urteil über den Kapitalmarktzugang von Staaten mitentscheiden, dürfen solche Fehler nicht passieren. Schlimmer aber ist, dass sich der Eindruck aufdrängt, bei S&P spiele jemand absichtlich mit dem Feuer. Denn seit wann schreiben Computer selbstständig solche Mitteilungen?

Investoren, die wegen dieses "Fehlers" Geld verloren haben, sollten S&P auf Schadensersatz verklagen. Das wäre die richtige Reaktion auf solch einen Patzer. Vielleicht führen harte Strafen für nachweisbare Fehler ja zu einer grundlegenden Verbesserung der Arbeitsprozesse bei Standard & Poor’s.