Italien

Auch der Ferrari-Boss lauert auf Berlusconis Job

Ein politisches Projekt von Montezemolo wäre ernst zu nehmen. Ihn umgibt alles, was in Italien gut ankommt: wirtschaftlicher Erfolg, die Aura des Sports, Luxus und Eleganz.

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Wenn Luca Cordero di Montezemolo etwas besitzt, dann ein Gespür für Timing. Dem Präsidenten der italienischen Luxusschmiede Ferrari werden schon lange Ambitionen auf das Amt des Regierungschefs nachgesagt.

Vor wenigen Tagen wagte er sich so weit aus der Deckung wie noch nie zuvor. "Wir können keine Minute mehr verlieren. Auf dem Spiel stehen die Ersparnisse der Italiener, der soziale Zusammenhalt und Italiens Verbleib im Euro-Raum", schrieb Montezemolo in der Tageszeitung "La Repubblica" . Er verlangte die Einrichtung einer lagerübergreifenden Regierung unter der Führung eines unabhängigen Experten.

Ein geschickter Schachzug. Montezemolo setzte sich damit an die Spitze einer Bewegung. Es wird mittlerweile fest damit gerechnet, dass Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano eine solche Regierung einsetzen wird. Als heißester Kandidat für das Amt des Premierministers gilt zwar der frühere EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti . Doch das würde Montezemolo keine politischen Wege verbauen. Er braucht ohnehin noch Zeit, um sich als Spitzenkandidat zu empfehlen.

Ein politisches Projekt von Montezemolo wäre ernst zu nehmen. Ihn umgibt alles, was bei seinen Landsleuten gut ankommt: wirtschaftlicher Erfolg, die Aura des Sports, Luxus und Eleganz. Gleichzeitig kommt er bei Linksliberalen gut an, weil er sich zum Anwalt der Jugend erklärt, die wenig Aufstiegschancen sieht. Montezemolo ist der Unternehmer des Volkes.

Der Ferrari-Manager streitet zwar jegliche politische Ambitionen ab. Doch zu politischen Themen äußert er sich auffallend häufig. Schon als er von 2004 bis 2008 Präsident des Unternehmerverbands Confindustria war, übte er harte Kritik. Seit etwa zwei Jahren nimmt er über die Stiftung Italia Futura Einfluss auf die Tagespolitik des Landes.

Viele politische Kräfte hoffen, dass Montezemolo seinen Hut in den Ring wirft. Er könnte sich an die Spitze einer Koalition von enttäuschten Anhängern Berlusconis, gemäßigten Linken sowie der christdemokratischen UDC setzen. Er würde einem solchen Bündnis den Hauch von Unabhängigkeit und Sachverstand geben. Meinungsforscher bescheinigen dem Ferrari-Manager eine enorme politische Zugkraft.

Frei von Kritik ist der Adelsspross aber nicht. Viele weisen darauf hin, dass Montezemolo mit denselben Eigenschaften wirbt, die einst mit Berlusconi verbunden wurden: Unabhängigkeit von der Politik und Wirtschaftskompetenz. Zudem habe man von ihm bislang nur wenige konkrete Reformvorschläge gehört.

Es sei schwierig, den "banalen" Aussagen nicht zuzustimmen, sagt Alberto Mingardi, Gründer des liberalen Forschungsinstituts Bruno Leoni in Mailand. Aber auch das war schließlich ein Schlüssel zu Berlusconis Erfolg.

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