Staatsanleihen

Fällt Italien, dann fallen auch die Banken

Italiens Finanzhäuser brauchen dringend mehr Kapital. Die Bundesbank fürchtet schon Auswirkungen auf die Stabilität in Deutschland.

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Es hat etwas für sich, wenn ein Manager immer leise und bedächtig auftritt. Denn so fällt es kaum auf, dass Federico Ghizzoni, der Chef der italienischen Großbank UniCredit, in diesen Tagen noch stiller als gewöhnlich ist.

Am kommenden Montag will die Muttergesellschaft der Münchner HypoVereinsbank ihre Zahlen zum dritten Quartal vorlegen. Mit noch größerer Spannung warten die Investoren aber auf eine andere Ankündigung: Ghizzoni muss erklären, wie er das Eigenkapital-Loch von mehr als sieben Milliarden Euro stopfen wird, das die europäische Bankenaufsicht EBA UniCredit vor wenigen Wochen attestiert hatte.

Experten erwarten, dass die Bank das Kapital nicht aus eigener Kraft aufbringen kann, sondern eine Kapitalerhöhung durchführen muss. Doch die derzeit starken Schwankungen an den Märkten sind Gift für derartige Vorhaben. In normalen Zeiten wären sieben Milliarden Euro zwar eine stolze Summe, aber kein riesiges Problem. Aber solange Italien von den Finanzmärkten getrieben wird, stellt eine Kapitalerhöhung dieser Größenordnung eine Herkulesaufgabe für den schmächtigen Manager dar.

In den vergangenen Tagen waren die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen zunächst dramatisch nach oben geschossen, um einen Tag später schon wieder zu sinken. Ausgelöst wurde die Nervosität von der politisch unsicheren Lage – und dem mangelnden Vertrauen der Investoren in den Sparwillen der italienischen Regierung.

Die Banken des Landes trifft die Sorge um die Bonität des Nationalstaates besonders hart: Die sechs größten Institute halten zusammen 123 Milliarden Euro in italienischen Staatsanleihen – das macht rund 75 Prozent ihrer Kapitaldecke aus. Würde sich die Krise weiter zuspitzen und würden Abschreibungen auf diese Papiere fällig, so käme das italienische Bankensystem empfindlich ins Wanken.

UniCredit hält Anleihen über 50 Milliarden

Nach den Zahlen der EBA trägt allein UniCredit knapp 50 Milliarden Euro der italienischen Schuldenlast. Mehr hält nur noch der Konkurrent Intesa: Mit 64 Milliarden Euro ist das Institut Spitzenreiter. Doch im Gegensatz zur UniCredit kann Intesa mit einer soliden Kapitaldecke aufwarten. Laut EBA-Blitz-Stresstest war sie die einzige italienische Großbank, die kein zusätzliches Kapital braucht. Die anderen Banken müssen insgesamt bis zum Juni 2012 zusätzliche 14,8 Milliarden Euro Kapital aufstellen, um den Vorgaben der Aufsicht gerecht zu werden.

Der dramatische Anstieg der Risikoprämien auf italienische Staatspapiere hat für die Banken schon jetzt unmittelbare Folgen: Sie müssen 4,9 Milliarden Euro an zusätzlichen Sicherheiten für jene Geschäfte nachschießen, für die sie als Sicherheit italienische Anleihen hinterlegt hatten. Das ergibt sich aus einer Erklärung des größten europäischen Clearinghauses LCH Clearnet.

„Das verschärft die Spirale nach unten noch weiter“, sagte ein Analyst von Bernstein. Schließlich würden die Finanzhäuser gleichzeitig an mehreren Fronten kämpfen: Zu den Problemen bei der Refinanzierung kämen höhere Kapitalanforderungen, Handelsverluste und die schlechten Konjunkturaussichten.

Deutsche Banken noch nicht betroffen

Durch die höhere Risikoeinstufung Italiens sind die Banken des Landes bereits von einigen internationalen Finanzierungsmärkten abgeschnitten und ihre Fremdkapitalkosten gestiegen. Das macht Handelspartner bereits vorsichtig: Immer mehr Banken kappen ihre Geschäftsverbindungen zu den italienischen Häusern. Die Refinanzierung müssen die Institute zunehmend über die Europäische Zentralbank stemmen.

Noch sind Auswirkungen der italienischen Krise bei den deutschen Banken nicht zu spüren. Dennoch blickt die Bundesbank sorgenvoll auf die heimischen Institute: „Die Risiken für das deutsche Finanzsystem haben in diesem Jahr deutlich zugenommen“, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten jährlichen Finanzstabilitätsbericht der Notenbank. „Die hohen Staatsschulden sind dabei auf absehbare Zeit die größte Belastung für die deutsche und europäische Finanzstabilität.“

Die deutschen Forderungen gegenüber dem italienischen Staat belaufen sich nach Angaben der Bundesbank auf knapp 42 Milliarden Euro, gegenüber Italiens Banken auf 54 Milliarden Euro. Das größte Portfolio weist dabei die Commerzbank mit knapp acht Milliarden Euro auf.