Top-Banker Profumo

"Die Super-Mark wäre ein Desaster für Deutschland"

Deutschland verdankt seine Stärke dem Euro, findet der italienische Top-Banker Profumo. Eine Abkehr vom Euro wäre das Ende des Exporterfolgs.

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Trotz der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi taumelt das hoch verschuldete Italien immer tiefer in die Krise. Der bevorstehende Abgang des skandalumwitterten Regierungschefs vermochte die Finanzmärkte nicht zu beruhigen und die Ängste vor einer Eskalation der Schuldenkrise nicht einzudämmen.

Der ehemalige Chef der italienischen Großbank UniCredit, Alessandro Profumo, sieht Italien vor allem in einer Vertrauenskrise. " Die Märkte haben recht ", sagte er dem Handelsblatt auf die Frage nach den hohen Risikoaufschlägen. "Aber nicht aus ökonomisch-finanziellen Gründen, sondern wegen der Glaubwürdigkeit des Landes." Die Renditen für italienischen Staatspapiere liegenaktuell bei 7,35 Prozent.

Der Starbanker setzt weiter auf den Euro. Auf die Frage, ob es den Euro bald nicht mehr gebe, antwortete Profumo der Zeitung: "Vor einem Jahr hätten alle noch geantwortet, dass die Wahrscheinlichkeit bei Null liegt. Aber wenn dies geschehen sollte, wäre es ein Desaster, vor allem für Deutschland. Deutschland hat seinen Außenhandelsüberschuss nicht zuletzt dem Euro zu verdanken. Eine Rückkehr zur D-Mark würde die Investoren anlocken und zu einer Super-Mark führen - das wäre das Ende des deutschen Exports", sagte Profumo und fügte an: "Wir müssen alles daransetzen, dass der Euro nicht auseinander fällt."

Am Mittwoch hatte der Präsident des Deutschen Außenhandelsverbandes, Anton Börner , noch gesagt, der Wert einer gemeinsamen europäischen Währung für Deutschland werde überschätzt. „Wichtig für uns ist der freie Markt, wir brauchen nicht zwingend die gleiche Währung“, sagte Börner. „Wir können ohne den Euro leben.“

Sollte die Währungsunion auseinanderbrechen, würde Deutschland sich wahrscheinlich mit anderen europäischen Ländern mit ähnlichen Strukturen zusammentun, etwa Österreich, Finnland, die Niederlande und Dänemark, sagte Börner, der zugleich versicherte, er wünsche sich ein solches Ende des Euro nicht.