BayernLB-Prozess

Der große Formel-1-Guru ist plötzlich ganz kleinlaut

Der große Zampano ganz klein: Bernie Ecclestone präsentiert sich im Münchener Formel-1-Prozess als Opfer des früheren BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky.

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Der mächtigste Sportmanager der Welt präsentiert sich vor Gericht bescheiden, fast schon schüchtern. Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone ist 81 Jahre alt, ein Mann im Anzug mit schneeweißem Haar. Der Brite sitzt in einem schmucklosen Verhandlungssaal im Münchener Oberlandesgericht und spricht mit heißerer Stimme.

Wenn er etwas sagt, beugt er sich nach vorne, um ans Mikro zu kommen. Dabei senkt er unweigerlich seinen schmächtigen Oberkörper zu einer Verbeugung. Es ist als, würde er den Demütigen spielen wollen, den unbescholtenen, ja, fast schon verwirrten alten Mann. Das Opfer in einem Gerichtsprozess.

Freies Geleit zugesichert

Dabei geht es in diesem Verfahren auch um Ecclestones Haut . Angeklagt ist zwar nur Gerhard Gribkowsky, ein früherer Vorstand der Landesbank BayernLB. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem vor, Geld veruntreut und vor der Steuer hinterzogen zu haben. Doch die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Ecclestone, wegen dessen Verwicklung in das Geschäft. Die Münchener Behörde musste dem mächtigen Formel-1-Mananger freies Geleit zusichern, damit er überhaupt in den Privatjet stieg, um nach Bayern zu fliegen.

Dass Ecclestone in diesem etwas heruntergekommenen Gerichtsgebäude auftauchen muss, ist die Folge eines Zusammenpralls zweier Welten, die bis zuletzt nicht zusammenpassen wollten. Es begann damit, dass die biedere bayerische Landesbank im Zuge der Pleite des Kirch-Medienkonzerns im Jahr 2002 in den Besitz eines Anteils an der Formel 1 kam.

Der damalige Risikovorstand Gribkowsky wurde beauftragt, den Anteil schnellstmöglich zu einem guten Preis zu verkaufen. Im Jahr 2005 gelang ihm das. Allerdings setzte er im Rahmen dieses Geschäfts eine Sonderprovision an Ecclestone in Höhe von 41 Millionen Dollar durch, sowie eine Zahlung in Höhe von 25 Millionen Dollar an dessen Familienholding Bambino. Wenig später bekam er über Beraterverträge 21 Millionen Dollar von Bambino und 22 Millionen Dollar von Ecclestone überwiesen. Ein kriminelles Kreislaufgeschäft also? Die Staatsanwaltschaft wirft Gribkowsky Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor.

Ecclestone bestätigt Millionen-Zahlung

Ecclestone macht in dem Verfahren keinen Hehl daraus, dass er den Millionenbetrag an Gribkowsky überwiesen hat . "Es lag daran, dass ich zu der Zeit wirklich keine andere Möglichkeit sah", erklärt er vor Gericht. Er habe vermutet, Gribkowsky wolle ihn bei den Steuerbehörden anschwärzen. Die hätten, so Ecclestones Befürchtung, möglicherweise geglaubt, dass in Wirklichkeit er über das Vermögen der Bambino-Stiftung verfüge und nicht seine Frau, auf deren Namen die Stiftung läuft. Dass er das Geld also aus steuerrechtlichen Gründen seiner Frau übertragen habe.

Mit der Stiftung sei zwar alles in Ordnung, sagt der Sportmanager jetzt. Trotzdem fürchtete er eine Untersuchung. "Die Prozesse hätten ewig gedauert und viel gekostet", rechtfertigt er sich. Zwei Milliarden Pfund seien auf dem Spiel gestanden, ihm "wäre nicht einmal eine Armbanduhr geblieben." Also zahlte er.

Ecclestone zeichnet ein schlechtes Bild von Gribkowsky . Der frühere BayernLB-Manager habe vor der vermeintlichen Erpressung stets versucht, sich bei ihm anzubiedern. So habe er mehrfach Ecclestone zu einer Partnerschaft zu überreden versucht. Sein mögliches Ziel: Ein eigenes Formel 1-Team zu managen. Ecclestone habe damals nur ausweichend geantwortet. Vielleicht sei er ja nicht ausreichend deutlich gewesen. "Sehen wir mal", habe er immer wieder gesagt. "Das heißt auf Englisch: Nein."

Gribkowsky blickt konsterniert

Gribkowsky verzieht keine Miene, als Ecclestone das alles erzählt. Noch vor wenigen Stunden hatte er sich lachend präsentiert. Da hatten seine Anwälte den Start der Befragung mit einem Befangenheitsantrag an den Richter um dreieinhalb Stunden blockiert. Jetzt, als Ecclestone über ihn herzieht, scheint Gribkowsky wieder zurückgestutzt zu werden. Heimlich kaut er auf etwas, den Nachschub versteckt er unter der Bank. Sein Blick fixiert ein Papier vor ihm.

Ecclestone macht keinen Hehl daraus, dass er sich niemals ernsthaft eine Beratung als Gegenleistung für die Millionenzahlungen erhofft habe. "Ich bin noch heute so arrogant zu sagen, dass ich so eine Hilfe nicht brauche", sagt er. "Er konnte mir nicht dabei helfen, bei dem was ich in der Formel 1 mache. Er hatte in der Vergangenheit versucht, zu helfen. Und ich gebrauche bewusst das Wort versuchen."

Den Vorsitzenden Richter Peter Noll scheint das alles nicht zufriedenzustellen. Immer und immer fragt er nach. "Ich höre immer nur englische Neins, irgendwann muss es doch zum Ja gekommen sein", sagt er schließlich. Wann genau hätten denn Ecclestone und Gribkowsky den Betrag vereinbart, den der Sportmanager am Ende überwies? Der greise Brite überrascht mit seiner Antwort: "Wir sind übereingekommen, dass ich die Zahlung leiste und dass wir später schon auseinanderklamüsern, wofür das gedacht ist." Schallendes Gelächter im voll besetzten Zuschauerraum.

Für Ecclestone ist die Aussage eine schwierige Gratwanderung. Er muss zum einem verhindern, sich selbst zu belasten. Zum anderen will er bei den britischen Steuerbehörden nicht den Verdacht aufkommen lassen, dass er doch die Bambino-Stiftung kontrolliert. Am heutigen Donnerstag soll das Fragespiel in die nächste Runde gehen.