Staatsanleihen

Was Anleger in der Italien-Krise bedenken sollten

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Silvio Berlusconi hat sich dem politischen Druck gebeugt und seinen Rücktritt angekündigt. Doch das ändert nichts daran, dass die Rendite für zehn Jahre laufende Staatsanleihen aus Rom erstmals seit der Euro-Einführung auf über sieben Prozent gestiegen ist. Morgenpost Online verrät, was Anleger angesichts der Italien-Krise tun können.

Trotz der Rücktrittsankündigung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi verlieren die Staatsanleihen des Landes weiter an Wert. Die Renditen für die italienischen Schuldpapiere erreichten am Mittwoch einen neuen Rekordwert: Investoren verlangten beim Kauf der Anleihen zwischenzeitlich 7,16 Prozent Rendite. Es war das erste Mal seit Einführung des Euros, dass dieser Wert sieben Prozent überschritt.

„Die Rücktrittsankündigung Berlusconis ist nicht von einem Zeitplan begleitet, es bleibt alles sehr unklar“, sagte Laurent Geromini von Swiss Life. Manoj Ladwa von Extcapital äußerte die Befürchtung, die hohen Renditen – die zu vergleichbar hohen Zinsen führen können, wenn Italien neue Staatsschulden aufnimmt – erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass Italien die anderen Euro-Länder um Hilfe bitten könnte. Berlusconi hatte am Dienstagabend angekündigt, sein Amt niederzulegen, sobald das Parlament in Rom seine Spar- und Reformpläne verabschiedet habe.

Was genau passiert an den Finanzmärkten?

Die Nachfrage nach italienischen Staatsanleihen sinkt, das Angebot nimmt wegen der steigenden Schulden aber zu. In der Konsequenz sinkt der Wert der Anleihen, die bereits im Umlauf sind. Die Papiere sind weniger beliebt, weil die Zweifel der Anleger wachsen, dass sie ihr an Italien verliehenes Geld wie vereinbart zurückbekommen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Italien muss immer höhere Zinsen auf neu ausgegebene Anleihen zahlen, um überhaupt noch Geld zu bekommen. Wegen der steigenden Zinslast schwindet aber das Vertrauen, dass Rom mit der Krise fertig wird.

Was bedeutet die Krise der italienischen Anleihen für das Vermögen der Anleger?

Die stärksten Auswirkungen sind außer auf Rentenfonds vor allem auf die Vermögensbestände von Versicherungen zu erwarten. Versicherungen legen Geld vor allem in Staatsanleihen an. Da italienische Papiere bis vor nicht allzu langer Zeit als sehr sicher galten, investierten viele Gesellschaften in sie. Die gegenwärtige Krise kann zur Folge haben, dass Versicherungen ihre Anlagen niedriger bewerten müssen, wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt. Da die Gesellschaften ihre Anlagen streuen, dürften sich die kurzfristigen Auswirkungen aber in Grenzen halten.

Wie schlimm ist die Schuldenkrise auf die lange Sicht?

„Die Situation ist extrem ernst“, sagt Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau (IVA). Die Politik habe noch nicht einmal ansatzweise auf das dahinter liegende Problem reagiert. Mit Spekulation hätten die Schwierigkeiten Italiens nichts zu tun, das Problem sei viel einfacher zu erklären: „Die Anleger kaufen halt keine Anleihen mehr.“

Beck spricht von einer Nachfragelücke, die mit der Überalterung Europas zu tun habe. Die Versicherungsgesellschaften müssten immer mehr von dem angelegten Geld auszahlen, weil die Anleger das Rentenalter erreicht hätten. Deshalb hätten die Versicherungen weniger Geld zur Verfügung, mit dem sie Anleihen kaufen könnten.

Was können Anleger jetzt tun?

Sowohl Verbraucherschützer Nauhauser als auch Geldanlage-Experte Beck raten zu einer alten Strategie, nämlich das Vermögen auf verschiedene Länder und Anlageformen zu streuen. „Dann kann ein Anleger gelassen zuschauen, weil er noch viele andere Eier in vielen anderen Körben hat“, sagt Nauhauser. Wer seine Anlagen schon diversifiziert habe, sollte nun nicht in Hektik verfallen.

Beck hat indes keine große Hoffnung, dass sich die Bürger den Folgen einer eskalierenden Schuldenkrise entziehen könnten. „Der Bürger bürgt“, sagt er. Auch zum Beispiel eine Investition in Immobilien sei kein großer Schutz. In der Vergangenheit seien es oft gerade die Hausbesitzer gewesen, die zur Sanierung der Staatsfinanzen hätten herhalten müssen.