Argentinien

Gigantisches Ölvorkommen in Patagonien entdeckt

Das staatlich kontrollierte Unternehmen Repsol hat ein gigantisches Erdölvorkommen entdeckt. Es löst die Energieproblemes Landes nur zum Teil.

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Die argentinische Regierung atmet auf. Denn die Gefahr zunehmender Abhängigkeit Argentiniens von teuren Energieimporten scheint vorerst gebannt zu sein. Die von der Regierung kontrollierte Erdölfirma Repsol YPF hat ein riesiges Erdölfeld in Patagonien entdeckt . Es handelt sich angeblich um den bedeutendsten Fund in der Firmengeschichte; die Aktien von Repsol stiegen daraufhin um zeitweise über fünf Prozent.

Den Angaben zufolge entdeckte die Firma im Süden Argentiniens auf einem 428 Quadratkilometer großen Gebiet in der patagonischen Provinz Neuquen ein Vorkommen von 927 Mio. Barrel – 741 Mio. seien Öl, der Rest Gas. Derzeit würden aus 15 Probebrunnen bereits mehrere hundert Fass täglich gefördert.

Argentinien gilt einer Studie des US-Energieministeriums zusammen mit China und den USA als eines der Länder mit den größten wahrscheinlichen Vorkommen an Erdöl und Erdgas. In einem zweiten, rund 500 Quadratkilometer großen Gebiet, lägen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere große Vorkommen.

Die Region namens Vaca Muerta, wo Repsol nach Erdöl sucht, umfasst insgesamt 30.000 Quadratkilometer; auf 12.000 Quadratkilometer besitzt Repsol exklusive Explorations-Lizenzen.

Berater sprechen von "möglichen Erdölreserven"

Repsol stützt sich Analysen der Beraterfirma Wood Mackenzie, wonach das Vorkommen von Vaca Muerta „eines der weltweit besten“ sei.

Die Berater räumten allerdings ein, dass die Vorkommen noch nicht „erwiesen“ seien. Im Fachjargon unterteilt man in „mögliche Erdölreserven“, die geologisch nachgewiesen sind wie in diesem Falle, und „erwiesene Funde“, die mit der derzeit verfügbaren modernen Technologie zu ökonomisch vernünftigen Bedingungen abgebaut werden können.

Den Angaben zufolge handelt es sich um eine Kombination aus Leicht- und Schweröl sowie Gas, das in versteinerten Kapseln eingeschlossen ist. Die Investitionen, um das schwefelhaltige Schweröl zu fördern und anschließend zu verarbeiten, sind enorm. Momentan gibt es weltweit nur zwei Schwerölfelder: die Schwerölsände im Norden Kanadas und das Schwerölvorkommen im venezolanischen Orinoco-Delta.

Erdölexperten zeigten sich entsprechend zurückhaltend. Es handele sich zunächst nur um mögliche Reserven, sagt der Mitarbeiter des Fachportals Petroleumworld, Victor Flores.

Auch die von der Firma genannte Menge sei nicht wirklich enorm; Venezuela verfüge laut Opec über 296 Mrd. Barrel erwiesener Erdölreserven; Kanada über 178 Mrd. Barrel. Argentinien läge etwa weltweit an 40. Stelle, würden die Funde bestätigt werden.

Die Förderung von Schweröl sei technisch komplex, sehr kostenintensiv und stoße wegen der Umwelt- und Grundwasserverschmutzung selbst in Nordamerika zunehmend auf Widerstand, sagte Jim Flanagan, Erdölexperte der Beraterfirma IHS Cera.

Der Fund verdoppelt die Reserven von Repsol

Auch wenn die Menge weltweit eher gering anmutet, ist der Fund für YPF-Repsol ein Meilenstein und verdoppelt die Reserven. Auch für Argentinien ist der Fund eine Erleichterung. Er deckt mehr als das doppelte des jährlichen Ölverbrauchs des Landes.

Die unter staatlicher Kontrolle stehende YPF fördert derzeit rund die Hälfte des argentinischen Öls, die Vorkommen sind aber langsam erschöpft, deshalb sank die Fördermenge in den vergangenen Jahren.

Argentinien konnte daher den wachsenden einheimischen Energiebedarf nicht selber decken und musste unter anderem Erdgas aus Bolivien importieren. „Zwei Jahresreserven zu haben ist eine gute Nachricht, löst aber nicht das Energieproblem Argentiniens“, gab der argentinische Energieexperte Eduardo Fernández zu bedenken.

Politische Beschränkungen hatten zuletzt die Suche nach neuen Vorkommen stark behindert. Die Regierung hat unter anderem Höchstpreise für Energie festgesetzt und schmälert damit die Gewinne Energiefirmen. Das hemmt wiederum deren Investitionsbereitschaft. Nun verkündete Präsidentin Cristina Kirchner zwar, sie wolle die Energiepreise langsam an den Markt „anpassen“, aber gleichzeitig drohte sie, die Energie- und Bergbaukonzerne zur Rückführung ihrer Gewinne zu zwingen. Die meist ausländischen Konzerne transferieren den Großteil ihrer Gewinne derzeit noch in die Unternehmenszentralen.