Euro-Krise

Europa hat auf Zeit gespielt und zu lange getrödelt

Die Märkte haben ihr Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit europäischer Politik fast restlos verloren. Der EU bleibt nur noch die Wahl des Übels.

Es wird eng für die selbst ernannten Retter der europäischen Währungsunion. Ihr Konzept, die Euro-Zone mit immer neuen Milliardenkrediten und –garantien über Wasser zu halten, geht nicht auf, das wird immer deutlicher. Anfangs dachte man noch, es hänge nur vom guten Willen Kerneuropas ab, ein paar Kleinstaaten am äußersten geografischen Rand des Währungsgebiets vor dem Bankrott zu bewahren. Dann hieß es, solange Italien nur wankt und nicht fällt, werde alles noch einmal gut gehen. Und schließlich lautete die Erwartung, der aufgespannte Rettungsschirm werde schon wetterfest genug sein, solange Frankreich rasch und entschieden genug zur fiskalischen Tugend zurückfindet.

Nun, Italien ist noch nicht gefallen, und der französische Präsident lässt zumindest erahnen, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat. Und doch scheinen wir nach zwei Jahren Euro-Krise an einem neuen Punkt angekommen zu sein: Die Märkte – genauer: jene Investoren, die die Berge von Staatsanleihen weiter kaufen sollen – haben ihr Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der europäischen Politik fast restlos verloren. Wie sehr, das zeigt die Tatsache, dass jetzt schon selbst der Rettungsfonds EFSF Probleme hat, sich zu günstigen Konditionen Geld zu beschaffen.

Der Ansatz, einem Schuldenproblem mit neuen Schulden zu begegnen und so Zeit zu gewinnen, hätte funktionieren können – wenn die Zeit denn auch genutzt worden wäre. Das wurde sie nicht. Schon bald könnte Europa nun nur noch die Wahl haben zwischen großen Übeln und ganz großen Übeln.