Georg Fahrenschon

Bayerns Finanzminister gewinnt Duell um Sparkasse

Abruptes Ende im Showdown um die Sparkassen-Spitze: Weil sein Rivale aufgegeben hat, ist der Weg frei für Ex-Minister Fahrenschon.

Foto: dpa

Es war ein kurzer Showdown. Erst seit vergangener Woche war klar, dass es überhaupt einen Machtkampf im Sparkassenlager geben würde. Bis dahin hatte es nur einen Kandidaten für das Spitzenamt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (dsgv) gegeben: Rolf Gerlach, den Chef der westfälischen Sparkassen.

Doch dann wagte sich der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon aus der Deckung. Als er erklärte, Gerlach das Amt strittig machen zu wollen, rieben sich einige Sparkassenvertreter verwundert die Augen. Eine Kampfkandidatur bei den Sparkassen? Und dann auch noch ausgerechnet der wuchtiger Westfale gegen den geschmeidigen Bayern? Klarer kann man den Riss, der sich durch das Sparkassenlager zieht, kaum illustrieren.

Eigentlich klügelt der Verband Personalien lieber hinter verschlossenen Türen aus. Nicht so in diesem Jahr. Gerlach hatte die Vorstellungsrunde bei einer Sitzung der Chefs der regionalen Sparkassenverbände an diesem Montag als Auftakt zum Wahlkampf verstanden. Erst am 30. November wird offiziell gewählt.

Stattdessen hatten ihm die regionalen Sparkassenfürsten im Voraus klar gemacht, dass sie sich längst für den anderen entschieden hatten. Konsequenterweise warf Gerlach zu Beginn der Sitzung hin.„Nur so kann jetzt noch Schaden von der Sparkassenorganisation ferngehalten werden“, teilte der Westfale per Presseaussendung mit. Dafür wurde er vom amtierenden Verbandspräsidenten Heinrich Haasis mit lobenden Worten verabschiedet. Sein Verhalten sei „honorig“. Doch offensichtlich war Gerlach nicht honorig genug, um den Präsidenten zu mimen.

Stattdessen wird den Posten nun Georg Fahrenschon übernehmen. Bis zum vergangenen Donnerstag war er noch bayerischer Finanzminister, doch die Ankündigung für das Sparkassenamt kandidieren zu wollen, löste eine sofortige Kabinettsumbildung in München aus.

Für den 43-jährigen CSU-Politiker ist der Sprung nach Berlin durchaus verlockend: Der Deutsche Sparkassen und Giroverband (dsgv) ist einer der wichtigsten Bankenverbände Deutschlands. Zur Sparkassengruppe gehören rund 600 Institute. 429 davon sind Sparkassen, hinzu kommen die Landesbanken, Landesbausparkassen, die Deka-Bank sowie Versicherer und Leasinggesellschaften. Rund 250 000 Mitarbeiter sind für die rote Gruppe tätig.

Am Hauptsitz in der Berliner Charlottenstraße laufen die Fäden der roten Gruppe zusammen: Hier werden Grundsatzentscheidungen gefällt, hier wird die Lobbyarbeit koordiniert und am Marketingkonzept gefeilt. Es ist ein attraktiver Posten, der dem Vernehmen nach fürstlich entlohnt wird: Rund eine Million Euro soll ein dsgv-Präsident im Jahr verdienen.

Bis zum April hat Heinrich Haasis den Posten inne. Viele im Sparkassenlager hatten gehofft, dass er seine Amtszeit um mindestens zwei Jahre verlängert. Doch der 65-Jährige lehnte ab. Ein interner Kronprinz war weit und breit nicht in Sicht.

Kurzer Machtkampf legt tiefen Riss offen

Der kurze Machtkampf legten offen zu Tage, dass ein tiefer Riss durch das Sparkassenlager geht: Auf der einen Seite die Anhänger Gerlachs, die in dem wuchtigen Westfalen den besten Garanten für eine durchsetzungsstarke Vertretung in Berlin sahen – und auf der anderen Seite jene, die den Aufstieg Gerlachs um jeden Preis verhindern wollten, aber keinen besseren internen Kandidaten aufbieten konnten.

Längst ist das Sparkassenlager nicht mehr so homogen wie früher. Von den 12 Chefs der regionalen Sparkassenverbände haben nur noch fünf ein schwarzes Parteibuch – in früheren Jahren war der Anteil der konservativen Funktionäre stets höher. Heute dulden sie mit dem hessischen Sparkassenpräsidenten Gerhard Grandke sogar einen SPD-Politiker in ihren Reihen.

Dass es das konservative Lager im Verband war, dass den CSU-Minister bevorzugte, gilt als offenes Geheimnis. Es waren aber nicht in erster Linie die Befürworter Fahrenschons, sondern vielmehr die Verhinderer Gerlachs, die den Ausschlag bei der Wahl gaben. Dem Westfalen haftet der Makel der WestLB-Debakels an. Er habe zu viel verbrannte Erde hinterlassen, sagen seine Gegner.

Immerhin war Gerlach jahrelang Aufsichtsratschef der Landesbank, die in der Finanzkrise mit Milliardensummen gerettet werden musste. Die westfälischen und die rheinischen Sparkassen waren gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen Eigentümer der Landesbank. Das Debakel kam allen Beteiligten teuer zu stehen. Als Brüssel wegen der Milliardenhilfen ein Beihilfeverfahren eröffnete, saß Gerlach mit am Verhandlungstisch. „Durchsetzungsstark“ beschreiben ihn seine Unterstützer.

Zudem kennt er die Organisation wie seine Westentasche: Seit 17 Jahren steht er den westfälischen Sparkassen vor. Er habe vieles für die Institute erreicht und sich mit vollem Gewicht für deren Interessen eingesetzt. Manchen war gerade das zu viel: Er sei wie ein Elefant im Porzellanladen aufgetreten, sagen seine Kritiker. Sie heben hervor, dass er sich damit keine Freunde in der Politik gemacht hat.

Opposition kann mit Fahrenschon leben

Ein Lobbyist ohne Freunde in der Politik? Genau an diesem Punkt setzte Fahrenschon an: Als Finanzpolitiker ist er in Berlin gut vernetzt. Er galt lange als Hoffnungsträger der CSU. 2002 zog er für die Partei in den Bundestag ein, 2007 holte ihn der damalige Ministerpräsident Kurt Beckstein zurück nach Bayern. Vom Staatssekretär stieg er schon ein Jahr später zum Finanzminister auf.

Im Gegensatz zum konfrontativen Gerlach gilt er als bedächtig. Selbst die Opposition könne mit ihm leben, heißt es bei seinen Anhängern. „In Zeiten, in denen die Regulierung der Finanzmärkte neu ausgestaltet wird, ist es wichtig, dass man nah an der Politik dran ist“, sagt einer, der ihm seine Stimme geben wird. Schon bisher habe Fahrenschon eine gute Figur in den Verhandlungen mit Brüssel gemacht, heißt es an anderer Stelle.

Als bayerischer Finanzminister war er in die Verhandlungen um das Beihilfeverfahren der BayernLB involviert. Der Ausgang des Verfahrens ist noch immer offen. Hinter den Kulissen heißt es, dass es Fahrenschon geschafft habe, das schlimmste für die bayerischen Sparkassen zu verhindern. Das hat sich herumgesprochen. Auch bei der Bankenabgabe sei er positiv aufgefallen, betonen seine Anhänger aus anderen Bundesländern. Fingerspitzengefühl wird Fahrenschon reichlich brauchen, wenn er die Sparkassen auch in Brüssel gut vertreten will. Denn dass die kleinen Institute häufig kommunale Eigentümer haben, sieht man in Brüssel skeptisch.

„Es muss es schaffen, dieses Misstrauen zu überwältigen“, heißt es aus dem Sparkassenlager. Eine Herausforderung hingegen dürfte er schon gemeistert haben: Als er das letzte Mal einen Job in Berlin antreten hätte können sagte er ab, mit Hinweis auf seine Frau, die lieber in Bayern bleiben wollte. Offensichtlich hat er sie diesmal überzeugt.