Lehrstellenmarkt

Auch schwache Schüler verdienen eine Chance

Der demographische Wandel macht es möglich: Früher waren Lehrstellen knapp, heute sind es die Lehrlinge. Jetzt sind Schulen und Unternehmen gefordert.

Foto: Infografik Welt Online

Wer in diesem Jahr eine Lehrstelle gesucht hat, hatte so gute Chancen wie seit dem Wiedervereinigungsboom nicht mehr. Mehr als eine halbe Million Ausbildungsverträge wurden abgeschlossen und die Wirtschaftsverbände rechnen damit, dass in diesem Jahr 75.000 Plätze nicht besetzt werden können. In nur wenigen Jahren hat sich der Lehrstellenmarkt komplett gedreht: Waren früher die Ausbildungsplätze knapp und wurden dringend gesucht, sind es heute die Lehrlinge.

Sicherlich: Nicht jeder Jugendliche wird in jeder Region seine Traumlehrstelle bekommen haben. Viele Jugendliche haben Mobilität und Flexibilität gezeigt und Kompromisse bei der Berufswahl geschlossen. Kompromissbereitschaft muss man aber auch von den Unternehmen erwarten können Sie müssen auch schwächeren Schülern mit mäßigen Noten eine Chance geben.

Jugendliche schlicht als „nicht ausbildungsfähig“ auszusortieren wird sich die Wirtschaft in Zeiten von sinkenden Bewerberzahlen und von wachsendem Fachkräftemangel nicht länger leisten können. Hier sind aber auch die Schulen gefragt: Sie müssen die jungen Leute noch besser auf den schwierigen Übergang ins Berufsleben vorbereiten.

Die Partner im Ausbildungspakt haben in den letzten Jahren eine Menge erreicht. Mit einer „Fata Morgana“ und „Rechnetricks“, wie die Gewerkschaften meinen, hat der Erfolg am Lehrstellenmarkt nichts zu tun. In einigen europäischen Nachbarländern, in denen die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 20 Prozent liegt, dürfte man Deutschland um diese Art von „Fata Morgana“ beneiden.