Gewinnplus bei Ryanair

Konjunkturflaute treibt Reisende in Billigflieger

Die sich abzeichnende Abschwächung der Konjunktur hilft Billigfliegern wie Ryanair. Sie jagen teureren Airlines mehr Geschäftskunden ab.

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Dieeuropäischen Billigflieger profitieren von der heraufziehenden Konjunkturschwäche. Offenbar steigen auch wieder mehr Geschäftsreisende in die Maschinen von Ryanair oder Easyjet um. Beide Billigfluggesellschaften konnten im Oktober die Auslastung ihrer Flugzeuge erheblich steigern.

Aber auch die letzten Monate liefen nicht schlecht. Vor allem Ryanair schafften es in den vergangenen Monaten, dem widrigen Marktumfeld zu trotzen. Ryanair-Chef Michael O’Leary schraubte die Gewinnerwartungen hoch. Er erhöhte die Prognose für den Vorsteuergewinn im laufenden Geschäftsjahr um zehn Prozent auf 440 Millionen Euro.

Bislang hat Ryanair nach eigener Darstellung nichts von einer Verbraucherzurückhaltung zu spüren bekommen. Allerdings will der Konzern wegen des hohen Ölpreises im Winter 80 Flugzeuge am Boden lassen, was sich auf die Zahl der Flüge auswirken werde.

Im Halbjahr bis September verdiente Ryanair den Angaben nach 452 Millionen Euro und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz lag bei 2,18 Mrd. Euro. Im abgelaufenen Quartal ergab sich ein Nettogewinn vor Steuern von 404 Millionen Euro.

Der Luftfahrtverband Iata fürchtet, dass sich die Geschäfte der Fluggesellschaften vor allem in Europa zum Ende des Jahres merklich verschlechtern werden . Der Verband hatte auf das vielerorts rückläufige Verbrauchervertrauen, die hohen Kerosinkosten sowie ein Eintrübung der Aussichten für die Weltwirtschaft verwiesen.

Lufthansa hatte deshalb vor einigen Wochen eine Gewinnwarnung herausgegeben und legte zuletzt Neun-Monatszahlen vor, die deutlich vom hohen Ölpreis gekennzeichnet waren. International Airline Group IAG, der aus British Airways und Iberia fusionierte Konzern, verbuchte ein Drittel weniger Gewinn im Quartal.

Ryanair strotzt dagegen vor Optimismus: „Wir sind gut gebucht in den nächsten Monaten“, sagte Finanzchef Howard Millar. „Bislang spüren wir keinerlei Auswirkungen durch die Rezession.“ Im Vergleich zum Vorjahresoktober konnte Europas größter Low Cost Carrier erneut vier Prozent mehr Fluggäste an Bord seiner Flugzeuge begrüßen.

Ryanair-Aktien legen stark zu

Im Oktober 2011 flogen mit Ryanair 7,27 Millionen Fluggäste. Die Auslastung der Flugzeuge ging verglichen mit dem Vorjahresoktober aber um einen Punkt auf 84 Prozent zurück. Im laufenden Geschäftsjahr wird die Airline mit mehr als 75 Millionen Passagieren einen weiteren Rekord in ihrer Unternehmensgeschichte erreichen können.

Ryanair profitierte im abgelaufenen Halbjahr vor allem von einem höheren Umsatz pro Kunde. Dieser machte die hohen Kerosinkosten mehr als wett. Die Ticketpreise stiegen um 13 Prozent, das Passagieraufkommen legte um zwölf Prozent zu. Die Kosten stiegen allerdings auch um 13 Prozent, vor allem wegen des Ölpreises. Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen: Ryanair-Aktien legten zeitweise um fast vier Prozent zu.

Auch Easyjet hat im Oktober deutlich mehr Fluggäste befördert als im Vorjahresmonat. Wie die Airline jüngst mitgeteilt hat, wurden rund 4,94 Millionen Passagiere gezählt. Dies ist ein Anstieg um 7,8 Prozent im Vergleich zum Oktober 2010. Die Auslastung der Flugzeuge kletterte den Angaben zufolge zugleich um 0,6 Prozentpunkte auf 88,8 Prozent und lag damit höher als bei Ryanair.

Die Commerzbank hat die Einstufung trotz der guten Zahlen für Ryanair auf „Hold“ mit einem Kursziel von drei Euro belassen. Beim Überschuss habe die Fluggesellschaft seine Erwartungen etwas übertroffen, schrieb Analyst Johannes Braun in einer Studie. Zudem habe Ryanair die Ziele für das Geschäftsjahr 2011/12 erhöht. Eine Überraschung sei dies allerdings nicht. Aus Bewertungsgründen ziehe er das Papier von Wettbewerber Easyjet vor.

Komplettübernahme untersagt

Was den Verkauf der Ryanair-Beteiligung am irischen Rivalen Aer Lingus in Höhe von 29 Prozent angeht, dürfte nach den Worten von Millar vorerst nichts geschehen. Bislang habe Ryanair mit niemandem über einen möglichen Verkauf gesprochen. Die europäische Kommission hatte bereit im Jahr 2007 aufgrund von wettbewerbsrechtlichen Bedenken eine Komplettübernahme von Aer Lingus durch Ryanair untersagt.

Das Unternehmen wolle nun erst einmal abwarten, an wen die Regierung ihre 25-prozentige Beteiligung abstößt. „Bislang hat sich niemand interessiert, den Anteil der Regierung zu übernehmen“, sagte Millar. Ryanair hat mehrfach vergeblich versucht, Aer Lingus zu übernehmen. Im Zuge der Sanierung der irischen Staatsfinanzen nach den Leitlinien der Troika muss Irland staatliche Beteiligungen im Wert von zwei bis fünf Milliarden Euro privatisieren.

Der irische Nationalcarrier hat unterdessen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres bemerkenswert gute Zahlen vorgelegt. Demnach konnte die Fluglinie ihren Umsatz auf über eine Mrd. Euro steigern und den operativen Gewinn um elf Prozent auf rund 67 Millionen Euro deutlich ausbauen. Für das Gesamtjahr erwartet Aer-Lingus-Chef Christoph Müller nun einen Gewinn in Höhe von rund 40 Millionen Euro.