Hackerangriffe

Adidas fahndet mit Hochdruck nach Cyberkriminellen

Die von Hackern attackierten Adidas-Internetseiten gehen schrittweise wieder online. Konzernchef Hainer will die Angreifer schnell finden.

Foto: dapd

Der Sportartikelhersteller Adidas fahndet nach einer groß angelegten Hackerattacke auf verschiedene Internetseiten des Konzerns nach den Angreifern. „Fakt ist, dass wir es mit einer kriminellen Tat zu tun haben. Wir wissen aber jetzt noch nicht, wer es war“, sagte Unternehmenschef Herbert Hainer "Morgenpost Online“. Wie es heißt, prüft die Rechtsabteilung des Konzerns juristische Schritte und hat zusätzliche Maßnahmen zur Datensicherung ergriffen.

Der Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach war nach eigenen Angaben vom vergangenen Donnerstag Ziel einer kriminellen Cyberattacke geworden und hatte daraufhin zahlreiche Seiten vom Netz genommen. Betroffen waren unter anderem www.adidas.de und www.reebok.de , aber auch sämtliche Online-Shops mit Ausnahme des wichtigsten Internet-Ladens in den USA. Betroffen war darüber hinaus die Seite www.micoach.com , auf der Nutzer persönliche Daten hochladen, etwa dazu, mit welchem Puls sie welche Joggingstrecken laufen. Die betroffenen Internetseiten wurden seit Sonntag nach und nach wieder freigeschaltet.

Hacker-Angriffe auf Unternehmen werden immer häufiger. Im Frühjahr hatte der Elektronik-Konzern Sony Schlagzeilen gemacht, weil persönliche Daten von 77 Millionen Nutzern der Spielekonsole PlayStation abgegriffen worden waren. Unter anderem Versicherer warnen davor, dass solche Attacken zu einer zunehmenden Bedrohung für Firmen werden. Pro gestohlenen Datensatz werden oft 200 Dollar angesetzt. Schäden gehen so schnell in die Millionen.

In den vergangenen Monaten hatte zudem die Internetbewegung Anonymus Aufsehen erregt. Die Bewegung war eigentlich ins Leben gerufen worden, um gegen die Scientology-Sekte vorzugehen, verübte aber schon bald zahlreiche Angriffe auf große Unternehmen und Behörden.

Sie legte etwa zeitweise die Seiten des Internetbezahldienstes Paypal sowie der US-Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard lahm, um dagegen zu protestieren, dass sie Spenden an die Betreiber der Internetseite Wikileaks blockierten, die zuvor geheime Dokumente des US-Militärs sowie des US-Außenministeriums veröffentlicht hatte.

Keine Kundendaten gestohlen

Was genau die Motive für den Angriff auf Adidas waren, ist bislang noch nicht bekannt. Adidas zufolge wurden keine Kundendaten gestohlen. „Das oberste Gebot für uns ist, dass wir keine Kundendaten verlieren. Dazu gibt es laut unseren bisherigen Untersuchungen auch keine Anhaltspunkte“, sagte Hainer.

Das Thema Internet ist für Adidas enorm wichtig. Hainer hat sich für die kommenden Jahre eine deutliche Steigerung der Verkäufe vorgenommen. Bis ins Jahr 2015 soll der über das Internet erzielte Umsatz bei Adidas auf mindestens 500 Millionen Euro steigen.

Hainer bestätigt nun das Ziel: „Wir sehen sehr gute Chancen dafür, das auch zu erreichen. Derzeit wachsen wir deutlich zweistellig.“ Darüber hinaus verankert sich das Unternehmen auch stark in sozialen Netzwerken. Bei der Präsentation der Quartalszahlen sagte Hainer vergangene Woche stolz, Adidas habe 20 Millionen Fans bei Facebook. Zudem hätten sich 15 Millionen Nutzer bereits einen Werbefilm auf der Internetseite Youtube gesehen. Der Vorfall kommt dem Unternehmen ungelegen. Adidas wird in der kommenden Woche den Verkauf des neuentwickelten Fußballschuhs F50 miCoach starten.

Der Schuh hat in der Sohle einen Sensor eingebaut, der während eines Fußballspiels verschiedene Daten, etwa zu den gelaufenen Metern, abspeichert. Auf diese Weise sollen sich Hobbykicker mit Profispielern wie dem Werbeträger Lionel Messi vergleichen können. Die Internetseite miCoach.com soll bis Dienstagabend wieder online sein.