Streit um Regulierung

Industrie stellt sich auf Seite der Ratingagenturen

In den Streit um die Regulierung von Ratingagenturen hat sich die Industrie eingeschaltet. Sie fürchtet um die Qualität der Information.

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Nach dem Protest der Ratingagenturen gegen die Pläne der EU-Kommission, die Branche strenger zu regulieren, schlägt nun die Realwirtschaft Alarm. In einem Brief an die Kommissions-Vizepräsidentin Lady Catherine Ashton warnt die britische Association of Corporate Treasurers (ACT) vor einer Umsetzung der Pläne.

„Sie würden die (Rating-)Industrie in der gegenwärtigen Form zerstören und sie durch Ratings minderer Qualität ersetzen“, schreibt die Organisation. Sie vertritt diejenigen Manager, die für ihre Unternehmen den Kontakt mit dem Kapitalmarkt halten – weil sie für die Ausgabe von Anleihen verantwortlich sind oder dafür, Firmengeld anzulegen. Der Brief datiert auf den 4. November und liegt "Morgenpost Online“ vor.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will in der kommenden Woche seinen Gesetzentwurf vorstellen. Schon die bislang kreisende vertrauliche Vorabversion aber hat sowohl Ratingagenturen als auch die Nutzer ihrer Dienste aufgeschreckt. Die Mittel des Protests zeigen, wie sehr. So hat die Ratingagentur Moody’s den polnischen Finanzminister um Hilfe gebeten, den Vorsitzenden des Rates seiner europäischen Ressortkollegen.

Der Brief an Lady Ashton ist ein weiterer Beleg. Sie war einst Handelskommissarin und kommt, wie der Verband, aus Großbritannien. Fachlich zuständig ist sie als Außenbeauftragte der EU nicht. Die Wirtschaft fürchtet um die Qualität und Aussagekraft von Ratings, wenn Barniers Pläne Gesetz werden sollten. Seine Vorschläge seien „untauglich“, viele davon „kontraproduktiv“, heißt es – und bürdeten den Unternehmen sowohl „signifikant höhere Kosten“ auf als auch Arbeit, für die sie heute die Ratingagenturen bezahlen.

Zudem würden sie die Qualität der Informationen über Konzerne , die Investoren zur Verfügung stehen, „nennenswert verringern“. Gemeint ist, dass Firmen sensible Daten zwar den Ratingagenturen anvertrauen, nicht aber öffentlich machen – die Produktpipeline ist nur ein Beispiel.

Barnier will mehr Transparenz und Wettbewerb schaffen. Deshalb sollen Emittenten von Anleihen die Agentur nach ein bis drei Jahren wechseln müssen, deswegen soll es ein einheitliches Ratingmodell geben. Beides geht den Konzernfinanz-Managern gegen den Strich: Die Zwangsrotation nehme Anlegern die Gewissheit, dass eine Anleihe über ihre Laufzeit hin kontinuierlich bewertet werde. Und die vereinheitlichte Skala könne zu einer „einzigen, von den Behörden genehmigten Form des Ratings“ führen – ein Schreckensbild für Emittenten und Profianleger.