Traditionsbank

Sal. Oppenheim macht plötzlich wieder Gewinne

Früher als geplant kann die Traditionsbank Sal. Oppenheim Gewinne verbuchen. Vorstandschef Haller stellt sogar Zukäufe in Aussicht.

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Das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim ist ein Jahr früher als geplant zurück in der Gewinnzone. "Wir sind profitabel und werden bereits in diesem Jahr einen Gewinn ausweisen", sagte Vorstandschef Wilhelm von Haller im Gespräch mit Morgenpost Online.

Bislang war dieses Ziel erst für 2012 ausgegeben. 2010 verbuchte das Traditionshaus noch einen deutlichen Verlust. Mittlerweile sieht von Haller die Bank, die vor zwei Jahren nur durch die Übernahme in den Deutsche-Bank-Konzern vor der Pleite bewahrt werden konnte, sogar bereit, selbst über kleinere Zukäufe nachzudenken. "Wir sind in der Lage zu wachsen und neue Segmente zu erschließen", sagte der 59-Jährige.

Positive Schlagzeilen in Zusammenhang mit der 222 Jahre alten Bank waren in den Vorjahren selten. Nachdem die einstigen Eigentümer mit riskanten Geschäften das Geldhaus fast haben zusammenbrechen lassen, war viel von Beraterabgängen, unzufriedenen Kunden und Hausdurchsuchungen der Ermittlungsbehörden die Rede. Das ist für von Haller längst Vergangenheit. Vor allem bei den Kundenbetreuern hat sich nach seinen Worten die Lage stabilisiert.

Geschäftsanforderungen steigen

"Im dritten Quartal hatten wir keinen einzigen Abgang mehr", sagte er. Noch im Vorjahr musste das Bankhaus trotz ausgelobter Halteprämien stetig Abgänge verkraften. "Das war ein Problem, aber wir konnten es auch dank der vielen internen Talente auffangen." Zudem habe die Bank in den vergangenen zwei Jahren mehr als 30 Berater von außen geholt, darunter für die neu eröffneten Standorte in Bielefeld und Hannover. Unter dem Strich habe Sal. Oppenheim in der Zeit keine Kundengelder verloren.

Die allgemein deutlich gestiegenen Anforderungen an das Geschäft mit vermögenden Kunden bekommen allerdings auch die Kölner zu spüren. Viele Kunden halten sich angesichts der Turbulenzen an den Kapitalmärkten zurück. Auch die immer neuen regulatorischen Änderungen, wie das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll, ließen die Margen in der Branche zuletzt sinken.

Umso mehr war von Haller seit seinem Amtsantritt im Dezember 2009 damit beschäftigt, den großen Kostenapparat zu reduzieren, auch auf der Personalseite. Ganz am Ende ist er damit noch nicht. "Die mittelfristige Zielgröße sind unverändert 900 Mitarbeiter", sagte von Haller. Hatte Sal. Oppenheim beim Einstieg der Deutschen Bank 2300 Mitarbeiter, sind es aktuell noch rund 950 – der größte Teil fiel mit der Veräußerung des Investmentbankings und anderer Beteiligungen weg. Weitere Effizienzprogramme, wie dies in der Managersprache heißt, schloss von Haller nicht aus. Größere Abbaupläne gebe es aber nicht.

Seit der Übernahme durch die Deutsche Bank steht die Frage im Raum, ob die Marke Sal. Oppenheim dauerhaft am Markt bleibt oder die Adresse doch irgendwann in das Private-Wealth-Management der Großbank integriert wird, so wie es einst dem Privatbankhaus Grunelius erging.

Bankhaus punktet mit Kundennähe

"Wir sind und bleiben eine Bank mit einem vollkommen eigenständigen Auftritt", so von Haller. Sal. Oppenheim zeichne sich durch seine Kundennähe und seine vollkommen unabhängige Anlagestrategie aus, etwa bei der Gestaltung der Kundenportfolien, sagte von Haller und übte sich damit in der Kunst, das eigene Haus zu positionieren, ohne den gleichen Bereich des Mutterkonzerns schlecht zu reden.

Den Verdacht, dass Sal. Oppenheim als Vertriebsarm für die Anlageprodukte der Deutschen Bank genutzt werde, wies der Manager weit von sich. "Es existiert keine Vertriebsvereinbarung mit der Deutschen Bank", so von Haller.

Sal. Oppenheim-Kunden hätten nicht ein Deutsche-Bank-Produkt mehr in ihren Depots als vor der Übernahme. Die Bank nutze lediglich neben der Kompetenz im Risikomanagement einzelne Dienstleistungen der Eigentümerin, etwa in den Bereichen IT und Compliance. Anders sei die mittelfristig angestrebte Aufwands-Ertrags-Quote von 75 bis 80 Prozent auch kaum zu erreichen. Die Zahl besagt, dass für jeden Euro, der erlöst wird, die Bank 75 bis 80 Cent einsetzen muss. Heute betreibt die Bank noch einen höheren Aufwand.

Nachdem die private Vermögensverwaltung nach von Hallers Worten "sehr gut durch die stürmische See gekommen ist", liegt ein Wachstumsfokus im kommenden Jahr auf dem in Köln und Luxemburg angesiedelten Geschäft mit institutionellen Kunden.

2012 könnte die Staatsanwaltschaft neuen Ärger bringen

Auch hier werde die Zahl der Betreuer weiter aufgestockt. "Wir wollen in diesem Bereich mehr und mehr auch ausländische Märkte abdecken", sagte er. Sowohl in der Anlagestrategie für private und institutionelle Kunden als auch im dritten Geschäftsbereich, dem Publikumsfondsgeschäft, setzt Oppenheim verstärkt auf marktunabhängige Absolute-Return-Strategien. Mit diesen Fondskonzepten wird versucht, auch bei anhaltend turbulenten Börsen Geld zu verdienen.

Trotz des verbreiteten Optimismus dürfte Haller mit etwas Sorge auf 2012 blicken. Dann drohen der Bank neue Negativschlagzeilen. Denn es wird erwartet, dass die Kölner Staatsanwaltschaft im nächsten Jahr ihre Ermittlungen gegen die einst Verantwortlichen abschließt und möglicherweise Anklage erhebt.

Die unrühmliche Vergangenheit würde erneut in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. "Das hat mit der heutigen Bank nichts mehr zu tun", sagte von Haller. Die Reputation sei mittlerweile wieder so gefestigt, dass ihr dies nichts anhaben könne. Die Kunden wüssten sehr wohl zwischen damals und heute zu unterscheiden. Es schwingt Hoffnung mit in diesen Worten.