Dienstleistungskonzern

Dussmann trotzt der Euro-Krise

Seit etwa einem halben Jahr führt Dirk Brouwers die Geschäfte des Berliner Dienstleistungskonzerns Dussmann. Trotz allgemeiner Anzeichen einer Konjunktureintrübung gibt es bei der Servicegruppe keine Anzeichen einer Krise.

Foto: Reto Klar

Morgenpost Online: Herr Brouwers, vor Kurzem wurde bekannt, dass Dussmann jetzt die Pilger in Mekka verpflegen will. Klingt exotisch. Wie kam es dazu?

Dirk Brouwers: Es war eine Anfrage, die unsere Tochtergesellschaft in Abu Dhabi bekam. In den Emiraten sind wir schon länger aktiv. Offenbar hält man uns für kompetent, und jetzt werden wir eine Machbarkeitsstudie erstellen.

Morgenpost Online: Wie kann die Verpflegung funktionieren, eine große Wüstenzelt-Kantine?

Dirk Brouwers: Es ist eine erhebliche Herausforderung. In Mekka herrscht heißes Wüstenklima, also stellt sich zum Beispiel die Frage, wie man die Hygiene in den Griff bekommt. Die Pilger kommen zudem aus zahlreichen Ländern mit unterschiedlichen Essgewohnheiten. Es ist schon ein einmaliges Projekt. Mir ist kein Ort auf der Welt bekannt, wo so viele Menschen auf einmal verpflegt werden. Pro Jahr sind es bis zu acht Millionen. In unserem Konzept geht es daher nicht nur um Rezepte, sondern auch um Einkauf, Kühlketten, Verteilung, Nachschub und Entsorgung.

Morgenpost Online: Nun sind wir Deutsche im Ausland weniger für Service bekannt als für Ingenieurs-Produkte wie Autos und Maschinen. Wieso lassen sich Institutionen von einem deutschen Unternehmen säubern oder bekochen?

Dirk Brouwers: Wir profitieren schon davon, dass man uns Deutschen gewisse Attribute wie Verlässlichkeit und Pünktlichkeit zuschreibt. Es geht in unserem Geschäft fast immer um die Organisation von Abläufen. Und das traut man uns als deutscher Firma besonders gut zu. Dieselben Tugenden, die ein gutes Auto garantieren, führen auch zu guten Dienstleistungen. Wir definieren die Qualitätsstandards und planen die Abläufe der Dienstleistung selber. Aber das Kochen wird dann zum Beispiel von lokalen Kräften gemacht. Kurz: organisiert und erprobt nach deutschen Tugenden und dann landestypisch umgesetzt.

Morgenpost Online: Gleichzeitig gilt Dussmann als Paradebeispiel für ein Unternehmen des Niedriglohnsektors. Das sorgt nicht für das beste Image.

Dirk Brouwers: Wir bieten vielen Menschen, die nicht über hohe formale Qualifikationen verfügen, Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und man kann sich bei uns hocharbeiten und qualifizieren. Dann steigt auch das Einkommen.

Morgenpost Online: Nehmen wir Reinigungskräfte. Wo fängt es an mit dem Verdienst, und bis wohin kann man kommen?

Dirk Brouwers: Der Grundlohn beträgt sieben Euro pro Stunde in den neuen Bundesländern und 8,55 Euro pro Stunde in den alten. Sie können Ihren Meister machen und dann über den Objektleiter bis zum Bereichsleiter aufsteigen. Da verdienen Sie dann zwischen 2500 und 4000 Euro je Monat. Das sind dann schon interessante Perspektiven. Dafür bieten wir gezielte Weiterbildung in unserem Dussmann Campus an. Das lohnt sich sowohl für Arbeitnehmer als auch für das Unternehmen. Das gilt in besonderem Maße für die Pflege. Da wünschen wir uns von der Politik, dass die Ausbildung optimiert wird.

Morgenpost Online: Sie wollen die Ausbildungszeiten für Pfleger verkürzen?

Dirk Brouwers: Ja. Sehen Sie, wenn jemand schon viele Jahre als Pflegehilfskraft arbeitet, dann eignet er sich viel praktisches Wissen an. Dann macht es Sinn, die Ausbildungszeiten zur Fachkraft zu verringern.

Morgenpost Online: In jedem Fall geht die Nachfrage für Ihre Pflegeheimkette Kursana ganz unabhängig von der Konjunktur stetig nach oben.

Dirk Brouwers: Wir machen überschaubare Schritte: Jedes Jahr kommen eine Handvoll Häuser dazu. Derzeit sind es 116 Domizile, Residenzen und Villen. Und wir denken darüber nach, mit Kursana weiter ins Ausland zu expandieren.

Morgenpost Online: Welche Länder kommen noch?

Dirk Brouwers: Wir haben gerade ein Haus in Italien eröffnet und können uns vorstellen, dort weiter zu wachsen. Auch die Schweiz ist ein interessanter Markt.

Morgenpost Online: Registrieren Sie in den anderen Sparten wie Reinigung, Kantinen- und Gebäudeservice bereits eine Konjunkturabkühlung?

Dirk Brouwers: Glücklicherweise sind wir breit aufgestellt und in 21 Ländern unterwegs. Wir sind in Schwellenländern und in reifen Märkten Westeuropas. Die Spannweite unserer Auftraggeber reicht von Kliniken, Schulen, Museen bis hin zu Hochtechnologieunternehmen. Das heißt: Selbst wenn es einen Rückschlag für die Weltwirtschaft geben sollte, wird er Dussmann nicht überall in voller Härte treffen. Das ist unsere Erfahrung aus dem Krisenjahr 2009. Auch in dieser Zeit sind wir gewachsen. Grundsätzlich bereiten wir uns auf mögliche Szenarien vor. Derzeit nehmen wir aber keine negativen Signale wahr.

Morgenpost Online: Welche Entwicklung trauen Sie sich denn für dieses und nächstes Jahr zu?

Dirk Brouwers: Wir wollen 2011 um ungefähr fünf Prozent beim Umsatz wachsen. Das wird uns in etwa auch gelingen. Damit haben wir eine gute Zielvorgabe für die nächsten Jahre – auch wenn wir uns von eventuellen Entwicklungen, etwa als Folge der Euro-Krise, nicht vollends abkoppeln können.

Morgenpost Online: Gibt es denn jenseits der bestehenden Sparten von Dussmann neue Geschäftsfelder, die Sie beackern wollen? Jüngst waren es Kitas. Was kommt noch?

Dirk Brouwers: Ein Bereich ist ganz sicher Gesundheit. Wir können uns vorstellen, beispielsweise die Reinigung von medizinischen Geräten für Krankenhäuser zu übernehmen. Zudem wollen wir in Bereichen wie der Lebensmittelindustrie stärker wachsen, und wir kümmern uns verstärkt um die Pflege von Kulturgütern in Museen und historischen Gebäuden, wie etwa im Schloss Sanssouci in Potsdam, wo eine Tochtergesellschaft die historischen Böden reinigt.

Morgenpost Online: Aber als ein Gesellschafter der Charité-Servicegesellschaft CFM macht Ihnen der Bereich Gesundheit gerade keinen Spaß.

Dirk Brouwers: Bei diesem Thema haben wir keine Sprecherfunktion. Traditionell ist Gesundheit bei uns sehr stark, und wir sind als Lösungsanbieter in der Branche anerkannt.

Morgenpost Online: Neben dem Streik bei der Charité: Wie laufen die Geschäfte in Berlin?

Dirk Brouwers: Erfreulich. Wir haben hier 450 Leute in diesem Jahr neu eingestellt, 5600 sind es nun insgesamt. Wir haben zahlreiche Aufträge gewonnen, etwa für die Humboldt-Box. Zudem hoffe ich, dass Berlin weitere Unternehmen anziehen kann. Das sind schließlich alles potenzielle Kunden für uns.

Zur Person Dirk Brouwers

Dirk Brouwers (45) ist seit 2005 im Dussmann-Vorstand. Davor war der studierte Maschinenbauingenieur für ThyssenKrupp tätig. Im April rückte er an die Vorstandsspitze von Dussmann.

Sein Vorgänger Thomas Greiner musste das Unternehmen verlassen, weil er sich mit der Vorsitzenden des Stiftungsrates, Catherine von Fürstenberg-Dussmann, überworfen hatte.