Gläubigerbeteiligung

Griechen-Referendum erschüttert die Banken

Weitere Verhandlungen über das Griechen-Paket sind in der Branche umstritten. Die Geldhäuser fürchten, dass der Schuldenschnitt platzen könnte.

Foto: picture alliance / dpa

Kaum haben sich die Banken in zähen Verhandlungen bereit erklärt, sich an einem freiwilligen Schuldenschnitt in der Höhe von 50 Prozent zu beteiligen, könnte die ganze Mühe schon wieder umsonst sein: Die Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou ein Referendum über das Sparpaket durchführen zu wollen, könnte zu einem Scheitern der Gläubigerbeteiligung führen. Der internationale Bankenverband IIF versicherte zwar, weiter verhandeln zu wollen, hinter den Kulissen aber zeigten sich Vertreter der Branche höchst beunruhigt.

Experten sind sich einig: Lehnen die Griechen das Rettungspaket mitsamt seinen harten Sparauflagen ab, dann ist das auch ein Votum gegen den Euro. Die Staatspleite wäre unvermeidlich, mit unabsehbaren Ansteckungseffekten für andere Euro-Schuldenstaaten wie Spanien oder Italien. Banken und Fondsgesellschaften schlagen Alarm.

Der deutsche Bankenverband warnte sogar explizit, dass die Rettungsbemühungen scheitern könnten: „Wichtige Detailplanungen im Nachgang des Euro-Gipfels werden nun verzögert, schlimmstenfalls auf Eis gelegt“, sagte Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (bdb).

„Zudem ist vollkommen unklar, was passieren würde, wenn die griechische Bevölkerung das Hilfspaket ablehnt. Diese sich wahrscheinlich über Wochen hinziehende Unsicherheit ist für die Stabilisierung der nach wie vor schwierigen Lage alles andere als hilfreich.“ Der Vorstoß Griechenlands habe zu erheblichen Unsicherheiten in den Märkten geführt , so Kemmer weiter.

In der Branche wird der Vorstoß der Griechen mit Kopfschütteln quittiert. „Es würde uns nicht überraschen, wenn die Verhandlungen auf Eis gelegt werden“, heißt es in Finanzkreisen. Auch beim Landesbanken-Verband VÖB herrscht Unverständnis über die neuesten Meldungen aus Athen: „Das angekündigte griechische Referendum über den gerade erst beschlossenen Rettungsplan ist nicht geeignet, die nun erforderliche Ruhe in die Märkte zu bringen“, kritisierte Hauptgeschäftsführer Hans Reckers.

Grundzüge des Schuldenschnitts könnten hinfällig sein

Erst vergangene Woche hatten sich die Vertreter der Banken mit den Regierungen der Euro-Zone auf die Grundzüge eines Schuldenschnitts geeinigt. Demnach sollen die privaten Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten.

Allerdings sind die Details dieser Gläubigerbeteiligung noch völlig offen. Sie sollten in weiteren Gesprächen bis Jahresende geklärt werden. Unklar ist vor allem, wie die neuen Anleihen ausgestaltet sein sollen, die Banken und Investoren im Austausch für ihre bisherigen Papiere erhalten sollen.

Fest steht, dass ihr Nennbetrag nur noch halb so hoch sein soll. Wie viel diese Anleihen aber wirtschaftlich wert sind, hängt entscheidend von Zinsen und Laufzeiten ab. Hierzu gab es noch keinerlei Gespräche. Zu klären ist außerdem, wie die 30 Milliarden Euro eingesetzt werden sollen, die der EFSF als Garantien für die neuen Anleihen zur Verfügung stellen soll.

Von allen diesen Faktoren dürfte wiederum abhängig sein, wie viele Investoren sich überhaupt an dem freiwilligen Schuldenschnitt beteiligen werden. Bei Banken hofft der Verband IIF zwar auf eine Beteiligungsquote von mehr als 90 Prozent, wie Geschäftsführer Charles Dallara der „Morgenpost Online“ sagte.

Die internationalen Banken, in deren Namen der IIF verhandelte, halten nur ungefähr ein Fünftel der griechischen Schulden bei privaten Gläubigern, die insgesamt etwa 200 Milliarden Euro ausmachen. Inwiefern auch Versicherer, Pensionskassen, Investmentfonds und Privatanleger mitziehen, ist offen. Die Bereitschaft zu einem freiwilligen Verzicht dürfte durch die neuen Unsicherheiten hinsichtlich der politischen Stabilität Griechenlands nicht gerade wachsen.

Banken wollen klare Regelung mit Griechenland

„Es ist fraglich, ob die Banken unterschreiben, bevor die Griechen das Referendum durchgeführt haben“, sagt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim. Es sei zudem unklar, ob den Banken durch das Referendum nicht der Verhandlungspartner abhanden komme, wenn die Regierung die Abstimmung mit einer Vertrauensfrage verbinde, gibt Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der TU Darmstadt zu Bedenken.

Schiereck vermutet, dass die griechische Regierung in der Ausgestaltung der Gläubigerbeteiligung ein Problem sieht. Ein Stolperstein könnte der Umgang mit den griechischen Banken sein, die nach einem Schuldenschnitt rekapitalisiert werden müssen. „Die Details sind völlig intransparent“, so Schiereck. So lange unklar sei, woran sich die Griechen stoßen, seien Verhandlungen fast unmöglich.

Dennoch liege es im Interesse der Banken, zu einer klaren Regelung mit Griechenland zu kommen, meint Bankenprofessor Burghof. Viel spricht dafür, an der konkreten Ausgestaltung des Anleihetausches trotz allem weiter zu arbeiten.

„Es gibt ja auch die Chance, dass die Griechen mit Ja stimmen – dann muss das Rettungspaket schnell greifen“, sagte ein Branchenvertreter. Legen die Banken nun die Hände in den Schoß, könnte sich die Lösung der Griechenlandkrise um einige Monate verzögern. Das ist vor allem für Länder wie Spanien und Italien ein Problem , die durch die Unruhe an den Märkten als erste angesteckt werden dürften: Sie müssen erneut mit höheren Risikoaufschlägen rechnen.