Immobilienboom

Die Verkaufslügen profitgieriger Makler in China

Um ihre Immobilien zu verkaufen, finden Chinas Verkäufer ganz eigene Versprechen. Kritiker sprechen von einer schockierenden Makler-Kultur.

Foto: picture alliance / Jin guo bj - / picture alliance / Jin guo bj

Wer möchte nicht auch so wohnen? In "barocken oder gothischen Häusern". Solche Lockangebote chinesischer Makler entpuppen sich vor Ort als ordinäre Neubauten, bei denen nur ihr Dach entweder rund (barock) oder spitz (gotisch) verläuft.

Das Versprechen, ein zum Verkauf stehendes Haus sei "verkehrsmäßig ideal angebunden" bedeutet nur, dass in der Nähe eine Bahn vorbeifährt. Käufer würden "nachbarschaftlich und in engster Harmonie" wohnen, umschreibt, dass zwischen den Häusern kaum Abstand gelassen wurde.

Chinas Immobilienwirtschaft verspricht das Blaue vom Himmel herab. "Schockierende Makler-Kultur" schrieb jetzt das Parteiorgan Volkszeitung auf einer vollen Zeitungsseite und klopft die 25-gängigsten Verkäuferlügen ab: "Nobel mit Butlerservice" heiße, dass die Siedlung einen Torwächter hat. Eine Müllkippe vor der Haustür wird als "menschenfreundliches Umweltmanagement" umschrieben.

Große Sorge, wenn die Immobilienblase platzt

"Supergrünes Paradies" stehe für "überwuchertes Brachland." Profitgierige Immobiliengesellschaften, die weder umweltschonend noch kostensparend bauen, ist jede Verkaufslüge recht. Alle Welt sorgt sich, wann Chinas gigantische Immobilienblase platzt.

Peking fürchtet, dass falsche Reklame die von den überteuerten Preisen frustrierten Bürger zusätzlich provoziert. Schon im März verbot das Industrie- und Handelsamt reißerische Immobilienwerbung. Parolen wie "Wohnen wie die Superreichen", oder wie früher "unsere Kaiser", würden Sozialneid schüren.

Die Volkszeitung illustriert ihren augenzwinkernden Appell zu mehr Werbe-Ehrlichkeit auch mit Karikaturen. Auf einer bläst ein Makler, der ein für sich allein stehendes unförmiges Gebäude verkaufen will, sein Objekt zum erschlossenen Neubaukomplex in der Form eines Ochsen auf. "Chuiniu" (einen Ochsen aufblasen) heißt im Chinesischen so dick auftragen und angeben, dass es selbst bei den geduldigen Chinesen auf keine Kuhhaut mehr passt.