Zinssenkung

EZB senkt Leitzins überraschend auf 1,25 Prozent

Als erste Amtshandlung des neuen EZB-Präsidenten Mario Draghi hat die Europäische Zentralbank überraschend den Leitzins gesenkt. Analysten reagierten überrascht, der Dax zog kräftig an.

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Auf der ersten Ratssitzung unter dem neuen Präsidenten Mario Draghi kappte die Europäische Zentralbank (EZB) das Zinsniveau auf 1,25 Prozent.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen gesenkt, weil sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Flaute im Euroraum verdichten. Das sagten Ökonomen, die mit der unerwarteten Zinssenkung auf 1,25 Prozent von 1,50 Prozent noch nicht gerechnet hatten, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Zuvor hatte die Notenbank nach einer Ratssitzung ihre Zinsentscheidung bekanntgegeben.

Der Dax reagierte mit einem kräftigen Kursplus auf die Zinssenkung. Unmittelbar nach Bekanntgabe der EZB-Entscheidung erreichte er ein Tageshoch von 6.193 Punkten.

Zwar hatten einige Volkswirte erwartet, dass die EZB bald auf die konjunkturelle Eintrübung reagieren würde. Die meisten hatten aber ausgeschlossen, dass die Zinssenkung ausgerechnet in der ersten vom Italiener Mario Draghi geleiteten Zinssitzung kommen würde. Draghi hatte das Amt am Dienstag vom Franzosen Jean-Claude Trichet übernommen, der nach acht Jahren an der EZB-Spitze ausgeschieden war.

Weil niedrigere Zinsen besonders den Schuldensündern Spanien, Portugal, Irland, Griechenland und Italien helfen, könnte die Zinssenkung den neuen EZB-Präsidenten als von der Politik gelenkte Figur erscheinen lassen. Besonders in Deutschland könnte jetzt Kritik auf Draghi zukommen.

„Die überraschende Zinssenkung zeigt, wie ernst die EZB Anzeichen nimmt, dass sich die Wirtschaft im kommenden Jahr eintrüben könnte,“ sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er hatte mit einer Zinssenkung frühestens in der Dezembersitzung gerechnet.

„Die Zinssenkung hilft ganz besonders den Immobilienmärkten in Portugal, Irland und Spanien“, sagte der Münchner UniCredit-Ökonom Andreas Rees. Er glaubt, dass die Inflation im Euroraum in den nächsten Monaten nicht steigen wird.

In der Pressekonferenz nach der Ratssitzung dürften neben der Zinssenkung Fragen zu einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion im Mittelpunkt stehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwochabend nach einem Krisentreffen in Cannes nicht mehr ausgeschlossen, dass Griechenland die Eurozone verlassen könnte.

Der Leitzins ist der Satz, zu dem Banken sich bei der EZB Geld leihen können, um es an die Wirtschaft weiter zu geben. Er bildet damit eine Untergrenze für alle in Euro vergebenen Kredite.