Europas Banken

Spaniens Notenbankchef ist sauer auf Sparkassen

Viele Geldinstitute in Spanien haben sich mit Immobilien überhoben. Doch die Bank-Vorstände genehmigen sich weiter fürstliche Privilegien.

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Da platzte jetzt sogar dem sonst so zurückhaltenden spanischen Notenbankchef Miguel Angel Fernández Ordoñez der Kragen. „Man kann verstehen, wenn die Leute sich aufregen. Es wäre noch schlimmer, wenn sie es nicht täten!“ Seine Kritik richtete sich gegen den üblen Führungsstil bei der Sparkasse Caja de Ahorros del Mediterráneo (CAM), einst das zehntgrößte Kreditinstitut des Landes, das heutzutage nur noch überlebt, weil es der Staat mit Kapitalgarantien vor der Pleite rettete. Sein Ärger war nur allzu verständlich.

Vorstände genehmigen sich fürstliche Vergütungen

Nachdem die Zentralbank im Sommer die Aufsicht über die Sparkasse übernommen hatte, stellte sich heraus, dass die Chefs trotz der enormen Schieflage des regionalen Finanzinstituts nur daran interessiert waren, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Fünf Vorstandsmitglieder sollen sich eine Pension von insgesamt 12,8 Mio. Euro verschafft haben, als längst klar war, dass die Bank rote Zahlen schrieb. Und die letzte Generaldirektorin Maria Dolores Amoròs (49) genehmigte sich trotz manifester Untätigkeit ein stattliches Jahresgehalt von 600.000 Euro und schrieb in den Statuten eine jährliche Rente auf Lebenszeit in Höhe von 370.000 Euro fest. Zuvor hatten die Inspektoren der Bank von Spanien bereits ein Bilanzloch von fünf Mrd. Euro bei der in Alicante und Valencia beheimateten Sparkasse festgestellt.

„Die CAM ist wohl das schlimmste aller spanischen Finanzinstitute“, polterte Ordoñez vor versammelter Presse, als er über dir Rettungsaktionen der spanischen Finanzinstitute Bilanz zog. Seit Ende Juli ist die CAM unter staatlicher Obhut. Im Herbst soll ein Käufer gesucht werden. Doch die Interessenten fordern hohe Garantien – die Rede ist von fast 20 Mrd. Euro – weil sie nicht auf den faulen Krediten der schwer angeschlagenen Sparkasse sitzen bleiben wollen.

Der Fall CAM ist symptomatisch für die Misere auf dem spanischen Bankenmarkt. Im Gegensatz zu den französischen oder deutschen Konkurrenten investierten die spanischen Sparkassen zwar nicht in griechische Staatspapiere, dafür aber gewährten sie Immobilienkredite auf dem Heimatmarkt in Milliardenhöhe auch dann noch, als die Blase längst geplatzt war. Heute sind viele dieser Kredite nur noch wenige Euro wert.

Zudem mussten sie, egal ob in Valencia, Kastilien La Mancha oder Katalonien auf Geheiß der jeweiligen Landespolitiker Milliarden in Megaprojekte stecken – wie etwa den Bau eines Großflughafens in Castellón, der 170 Mio. Euro kostete und bisher von keiner einzigen Fluggesellschaft angeflogen wird oder ein weiterer Airport im dünn besiedelten La Mancha, der bereits pleite ist. Kredite flossen auch in das Prestigeobjekt Ciudad de las Artes (Museen, Kunstpaläste und ein Riesenaquarium) in Valencia, obwohl von Anfang an klar war, dass hier nur Verluste erwirtschaftet werden.

Die CAM ist freilich nicht das einzige Sorgenkind von Ordoñez. Letzte Woche musste er für umgerechnet 4,7 Mrd. Euro noch drei weitere Sparkassen unter staatliche Obhut nehmen. Die drei Institute CatalunyaCaixa, NovocaixaGalicia und die ebenfalls katalanische Unnim wurden vom iberischen Bankenrettungsfond FROB verstaatlicht, nachdem sie es in der von den Aufsichtsbehörden gesetzten Frist nicht geschafft hatten, ihre Eigenkapitalquote auf zehn Prozent zu erhöhen. Übrigens: Auch bei NovocaixaGalicia bedienten sich die Chefs vor ihrem Ausscheiden und kassierten „Pensionsgelder“ von mehr als 23 Mio. Euro.

Im Gegenzug für die Kapitalspritze will der Bankenrettungsfonds 90 bis 100 Prozent am Kapital der schwächelnden Finanzinstitute halten. Die EU-Kommission billigte die Hilfen vorläufig, will sich jetzt aber den Sanierungsplan der drei Sparkassen aus Katalonien und Galizien genau ansehen, bevor sie definitiv grünes Licht gibt.

Wirtschaftskrise hat Spanien fest im Griff

Nicht einmal der Notenbankchef glaubt, dass der Rekapitalisierungsprozess der spanischen Kreditinstitute jetzt abgeschlossen ist. Schließlich hat die Wirtschaftskrise Spanien noch immer fest im Griff. Denn in diesem Jahr ist das Land weit davon entfernt, das angestrebte Wirtschaftswachstum, ohnehin bescheidene 1,3 Prozent, zu erreichen.

„Die Märkte misstrauen der Solvenz des spanischen Banksystems. Grund sind die 110 Mrd. Euro Kredite, die für Bauland gewährt wurden“ befindet die spanische Tageszeitung „El País“ und zitiert Aristóbulo de Juan, einen ehemaligen Generaldirektor der Bank von Spanien, der den Wert vieler dieser Kredite mit „gleich Null“ ansetzt. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass man endlich mal eingesteht, wie schwerwiegend das Problem ist“, so Luis Garicano, Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics. „Das Misstrauen der Märkte gegenüber Spanien zeigt sich daran, dass seit dem Frühjahr der Interbankenmarkt für unsere Kreditinstitute geschlossen ist und dass die Garantien, die bei der EZB hinterlegt werden können, immer weniger werden“.

Wie verzweifelt die Lage ist, beweisen Berichte, denen zufolge die Bankia, zu der auch Caja Madrid, eine der führenden Sparkassen des Landes zählt, die Fernsehrechte an den Einkünften der beiden Fußballstars Cristiano Ronaldo und Kaká als Sicherheiten für Darlehen der EZB verpfändet haben soll . Insgesamt hat der spanische Finanzsektor bei seinen Rückstellungen ein Defizit von 36 Mrd. Euro, so die Broker des Analysten N+1 aus Madrid. Nur die Großbanken wie Santander, BBVA oder die Sparkasse La Caixa stünden recht gut da, kleinere Banken wie Banco Popular, Banco Sabadell oder die Santander-Tochter Banesto seien verletzlicher.

Dringender Handlungsbedarf bestünde aber weiterhin bei den Sparkassen. Bei der CAM liegt die Kreditausfallrate mittlerweile bei 19 Prozent, im ersten Halbjahr fuhr die Sparkasse einen Verlust von 1,14 Mrd. Euro ein. Angesichts der beunruhigenden Nachrichten aus Spanien forderte nun gar der Internationale Währungsfonds, die Bilanzen der spanischen Finanzinstitute müssten fortan von unabhängigen Wirtschaftsprüfern durchleuchtet werden. Dieses Ansinnen wurde von Wirtschaftsministerin Elena Salgado und der Bank von Spanien empört zurückgewiesen.

Dies würde die Glaubwürdigkeit der Zentralbank erschüttern, hieß es. Die Bank von Spanien weiß allzu gut, dass viel auf dem Spiel steht. Schon jetzt hatte der staatliche Rettungsfonds Mühe, die Gelder für die Sparkassenrettung aufzutreiben. Denn der spanische Bankenrettungsfonds FROB ist jetzt schon klamm. Er musste bereits eine Kreditlinie bei spanischen Großbanken von drei Mrd. Euro in Anspruch nehmen, um für die neuen Hilfen aufkommen zu können.