Griechisches Referendum

Merkel und Sarkozy organisieren eilig Krisengipfel

Beben an den Börsen, Hektik in der Eurozone: Griechenlands überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung über das Euro-Sparprogramm überrumpelte die Anleger an den Finanzmärkten. Die Aktienkurse vor allem von Banken und Versicherungen fielen teils um mehr als 15 Prozent. Nun gibt es auf die Schnelle einen Sondergipfel.

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Griechen verunsichern Finanzmärkte

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Deutschland, Frankreich und die Spitzen von EU, EZB und IWF wollen die neu aufgeflammte Griechenland-Krise auf einem Sonder-Spitzentreffen an diesem Mittwoch in Cannes besprechen. Das teilte die Bundesregierung in Berlin mit. Zuvor hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in einem Telefonat die Lage erörtert. An dem Sondertreffen in Cannes vor dem G20-Gipfel werden neben Merkel und Sarkozy auch die Spitzen von Europäischer Union, EU-Rat, Europäischer Zentralbank (EZB) sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) teilnehmen. Neben diesem Konsultationstreffen werde es auch Gespräche von Merkel und Sarkozy mit der griechischen Seite geben. Auslöser für die neuen Turbulenzen ist die überraschende Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou für eine Volksabstimmung über das jüngste Euro-Rettungspaket.

Der G20-Gipfel beginnt an diesem Donnerstag. Bei den Treffen sollen laut einer gemeinsamen deutsch-französischen Erklärung „alle erforderlichen Maßnahmen zur umgehenden Umsetzung“ der Beschlüsse des Euro-Gipfels von vergangener Woche getroffen werden. „Deutschland und Frankreich sind entschlossen, gemeinsam mit ihren europäischen Partnern die vollständige und umgehende Umsetzung der Gipfelentscheidungen zu gewährleisten, die heute notwendiger sind denn je“, heißt es.

Berlin und Paris seien überzeugt, dass das auf dem Brüsseler Gipfel vereinbarte Lösungspaket „Griechenland die Rückkehr zu einem dauerhaften Wachstum erlaubt“. Deutschland und Frankreich wünschten, dass in Abstimmung mit ihren europäischen Partnern und dem IWF bald ein Zeitplan zur Umsetzung dieser Vereinbarung angenommen werde, heißt es in der Erklärung von Regierungssprecher Steffen Seibert. Beide Länder seien weiterhin überzeugt, „dass diese Übereinkunft Griechenland die Rückkehr zu einem dauerhaften Wachstum erlaubt“.

Merkel wird nun bereits am Mittwoch nach Cannes reisen. Dort wird sie gemeinsam mit Sarkozy zu einem Gespräch mit den europäischen Institutionen und dem IWF zusammenkommen. Auch ein Treffen mit der griechischen Regierung ist geplant. Ursprünglich sollte Merkel erst am Donnerstag zu dem G-20-Gipfel aufbrechen. Dort wollten die Euro-Länder nach dem Brüssel Gipfel gestärkt auftreten. Die überraschende Ankündigung von Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou zu einer Volksabstimmung bringt die Euro-Länder nun in Bedrängnis. Die Börsen waren am Dienstag weltweit eingebrochen.

In der am Dienstag veröffentlichten deutsch-französischen Erklärung werden die Ergebnisse des Gipfels vor einer Woche in Brüssel nochmals hervorgehoben. Man habe sich auf ein „neues mehrjähriges Hilfsprogramm der EU und des IWF im Volumen von 100 Milliarden Euro verständigt“, heißt es. Eine Übereinkunft sei auch mit dem Privatsektor getroffen worden, die es erlaube, im Wege eines 50-prozentigen freiwilligen Forderungsverzichts seitens der privaten Gläubiger, die griechische Schuldentragfähigkeit zurückzugewinnen. Dies entspreche einem Forderungsverzicht von ungefähr 100 Milliarden Euro, wird in der Erklärung weiter betont. Die Mitgliedstaaten der Eurozone hätten sich zudem bereit erklärt, „zu der Gesamtheit der Maßnahmen in Bezug auf die Beteiligung des Privatsektors mit 30 Milliarden Euro beizutragen“.

Mit der Ankündigung einer Volksabstimmung über das Sanierungspaket hatte der griechische Ministerpräsident Papandreou am Dienstag ein Beben an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst. Besonders hart traf es die Finanzwerte. Der Eurostoxx50 der 50 größten Unternehmen der Eurozone, darunter viele Banken, verlor bis zum Nachmittag mehr als fünf Prozent. Im Eurostoxx50 vertreten sind unter anderem die Versicherungskonzerne Allianz SE (D), Assicurazioni Generali (I),AXA (F), NG Groep (NL), Münchener Rück (D), die Banken Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (E), Banco Santander (E), BNP Paribas (F), Crédit Agricole (F), Deutsche Bank (D), Intesa Sanpaolo (I), Société Générale (F), Unicredit Group (I) sowie die Deutsche Börse (D). Die Aktien der stark in Griechenland engagierte französischen Institute Societe Generale fielen um bis zu 17 Prozent. Der deutsche Aktienindex Dax verlor bis zum Nachmittag rund 4,6 Prozent.