Kostenabbau

Credit Suisse will weitere 1500 Stellen streichen

Die Schweizer Bank Credit Suisse (CS) baut noch einmal rund 1.500 Stellen ab. Bereits im Juli hatte die Großbank die Streichung von 2.000 Stellen angekündigt. Der Abbau trifft vor allem das Investmentbanking, das die CS verkleinert, von Risiken befreit und neu ausrichtet.

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/epa Keystone

Nach einem Verlust im Investment-Banking und einem Gewinnrückgang in der Vermögensverwaltung im dritten Quartal drückt die Schweizer Großbank Credit Suisse beim Kostenabbau aufs Tempo. Zusätzlich zu einem im Sommer aufgelegten Kostensenkungsprogramm von 1,2 Milliarden Franken will die zweitgrößte Schweizer Bank nach Angaben vom Dienstag weitere 800 Millionen Franken einsparen. Das erste Programm war mit dem Abbau von rund 2000 von 50.000 Stellen verbunden. Nun sollen weitere drei Prozent oder 1500 Stellen dazukommen.

Der Abbau trifft vor allem das Investmentbanking, das die CS verkleinert, von Risiken befreit und neu ausrichtet. Auch Mitarbeiter im Privatkundengeschäft dürfte der neuerliche Stellenabbau treffen. Diese arbeiten zu einem großen Teil in der Schweiz, im Gegensatz zu den Investmentbankern, die die CS vor allen in den Finanzzentren London und New York beschäftigt.

Der Abbau werde sich über alle entwickelten Länder erstrecken, erklärte Finanzchef David Mathers in einer Telefonkonferenz. Das Vermögensverwaltungsgeschäft sei aber wohl etwas weniger betroffen.

Nach den Worten von Konzernchef Brady Dougan geht Credit Suisse auch längerfristig von einem verhaltenen Wirtschaftswachstum, niedrigen Zinsen und einer stärkeren Regulierung aus. „Zudem könnten die Kundenaktivitäten gering und die Märkte volatil bleiben,“ erklärte der Konzernchef weiter. Ob die jüngsten Beschlüsse der EU-Regierungschefs an der Marktlage etwas änderten, bleibe abzuwarten, sagte der Finanzchef.

Auch der Lokalrivale UBS schätzt die weitere Entwicklung vorsichtig ein. UBS beschloss im Sommer den Abbau von 3500 Stellen. Beobachter erwarten, dass auf dem Investorentag Mitte November weitere Streichungen bekanntgegeben werden.

Quartalsergebnis von Sonderfaktoren geprägt

Das Credit-Suisse-Ergebnis für die Monate Juli bis September fiel durchwachsen aus. Es war zudem von Sonderfaktoren wie einem Buchgewinn von 1,34 Milliarden Franken geprägt, der aus der Neubewertung eigener Verbindlichkeiten nach dem Fair-Value-Prinzip stammt. Daneben stelle die Bank 295 Millionen Franken für Rechtsstreitigkeiten mit den USA zurück. Dort wird Credit Suisse Beihilfe zu Steuerhinterziehung vorgeworden. Verbucht wurden auch die 183 Millionen Franken, mit denen sich die Bank aus Steuerermittlungen der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf herauskaufte. Der Reingewinn stieg um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 683 Millionen Franken. Der bereinigte Gewinn jedoch fiel mit 441 Millionen nur knapp halb so hoch aus wie vor einem Jahr.

Das Ergebnis stellt das Management nicht zufrieden, denn auch in den profitablen Sparten lief das Geschäft weniger gut als früher. „Hohe Unsicherheit und die Schwankungen der Märkte prägten das dritte Quartal“, sagte Finanzchef Mathers. Um die nach der jüngsten Finanzkrise verschärften Kapitalregeln einfacher erfüllen zu können, entferne die CS Risiken aus ihren Büchern.

Die Investment Bank litt unter geringen Handelsvolumina und einem generell schwachen Anleihengeschäft. Bei um mehr als ein Viertel niedrigeren Einnahmen stand unter dem Strich ein Verlust von 190 Millionen Franken nach einem Gewinn vom knapp 400 Millionen Franken im Vorjahr. Im Anleihengeschäft sollen nun Risiken und Volumina zurückgefahren werden. Die risikogewichteten Aktiva sollen halbiert werden und die Sparte soll – wie auch beim Rivalen UBS – näher an das Vermögensverwaltungsgeschäft heranrücken.

Im Private Banking sank der Gewinn im Jahresvergleich um 78 Prozent auf 183 Millionen Franken. Dort sollen Effizienz und Produktivität steigen. Die Sparte soll bis 2014 einen zusätzlichen Gewinnbeitrag von 800 Millionen Franken im Jahr abliefern. „Und zwar unabhängig von der Marktentwicklung“, sagte der Finanzchef. Vor allem die Superreichen in aufstrebenden Ländern Südostasiens, Brasilien und Russland will die Bank verstärkt als Kunden gewinnen. Aus diesen Ländern sollen nach den Worten des Finanzchefs bis 2014 rund 25 Prozent der Einnahmen kommen. Derzeit sind es 15 Prozent.

Vor allem in den reifen Märkten sind viele Kunden wegen der Euro-Schuldenkrise verunsichert und brachten daher zuletzt weniger Geld zur Bank. Das sogenannte Netto-Neugeld im Private Banking belief sich auf 7,4 Milliarden Franken im Vergleich zu 11,5 Milliarden Franken im Quartal davor.

Die CS-Aktie verlor im frühen Handel 8,4 Prozent auf 23,45 Franken. Ob die Aktionäre, wie von Beobachtern erwartet, mit einer Kürzung der Dividende von zuletzt 1,30 Franken rechnen müssen, wollte der Finanzchef nicht sagen.