Australische Airline

Qantas muss nach Gerichtsentscheid wieder fliegen

Gute Nachrichten für Qantas-Passagiere: Die Airline muss wieder fliegen. Ein Schiedsgericht hat einen Waffenstillstand mit den Gewerkschaften angeordnet.

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Es war ein Paukenschlag, der den ganzen fünften Kontinent erschüttert hat: aus Frust über die ständigen Streiks hat das "Fliegende Känguru" Qantas seinen Flugbetrieb eingestellt. Allerdings sorgt ein unabhängiges Schiedsgericht am frühen Montagmorgen (Ortszeit) zumindest vorerst für eine Lösung: Die Airline muss den Flugbetrieb wieder aufnehmen, ein 21-tägiger Waffenstillstand zwischen Qantas und den Gewerkschaften wird angeordnet.

Auf den großen Flughäfen der Welt und überall in Australien machten zuvor Passagiere von gestrichenen Qantas-Flügen ihrem Ärger über das Management der Fluggesellschaft Luft. Nach Angaben von Qantas bleiben seit Samstag über hundert Flugzeuge in 22 Städten am Boden. Rund 70.000 Passagiere seien von der Einstellung des Flugverkehrs betroffen.

Qantas-Chef Alan Joyce hatte am Samstag in Sydney als Reaktion auf andauernde Streiks die Einstellung des weltweiten Flugverkehrs verkündet. Das streikende Personal sei unabdingbar für die Abwicklung der Flüge, daher sei die Airline gezwungen, ihre Maschinen am Boden zu lassen, begründete Qantas die drastische Maßnahme. Dies gelte unbefristet und so lange, bis eine Einigung mit den Gewerkschaften gefunden sei.

Mit den Streiks protestieren Mitarbeiter der Gepäckabfertigung, Ingenieure und Piloten seit Monaten gegen Sparpläne und geplante Umstrukturierungen bei Qantas. Unter anderem fürchten sie den Verlust von rund tausend Jobs und die Auslagerung von Posten nach Asien. Die Arbeitsniederlegungen kosteten die Fluggesellschaft bisher pro Woche rund 15 Millionen australische Dollar (gut 11,3 Millionen Euro).

Ein Rechtsberater der australischen Regierung von Premierministerin Julia Gillard bezifferte die volkswirtschaftlichen Schäden des Flugstopps für das Land auf "dutzende Millionen Dollar" pro Stunde. Gillard warnte vor den wirtschaftlichen Folgen des Flugstopps und sagte, die Regierung wolle den Streit "mit Gewissheit" für alle Seiten beenden.

Der Vorsitzende eines von Gillard eingesetzten Gremiums zur Schlichtung des Arbeitskampfs bei Qantas, Geoffrey Giudice, rief das Unternehmen und die Gewerkschaften zu einer schnellen Einigung auf, um den Betrieb bald wieder aufnehmen zu können.

Regierung will vermitteln

Ein Vorschlag der australischen Regierung sieht vor, sowohl den Flugbetrieb als auch die Verhandlungen zwischen Qantas und den Gewerkschaften wieder aufzunehmen und gleichzeitig einen dreimonatigen Betriebsfrieden zu vereinbaren.

Die australischen Piloten reagierten empört auf den Betriebsstopp und erklärten, Qantas halte "ein Messer an die Kehle der Nation". Die Pilotenvereinigung sprach angesichts des Stopps aller Flüge von einer "Überreaktion" und forderte die Entlassung von Qantas-Chef Joyce.

Auch Air-France-Bodenpersonal streikt

Derweil kam es auch bei der französischen Fluggesellschaft Air France zu Streiks des Bordpersonals. Air France teilte mit, 20 Prozent der Flüge von den Pariser Flughäfen Roissy Charles de Gaulle und Orly würden am Sonntag ausfallen. Am Samstag seien zwölf Prozent der Verbindungen ausgefallen. Der Streik soll noch bis Mittwoch dauern. Die Mitarbeiter demonstrieren damit gegen Pläne, auf manchen Strecken das Bordpersonal zu reduzieren.